Aurelius
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Aktien-Musterdepotwert Aurelius: „Wir blicken sehr positiv in die Zukunft“

Nach einem starken Geschäftsjahr 2012 will Aurelius auch in diesem Jahr kräftig durchstarten. Wie Vorstandschef Dr. Dirk Markus auch 2013 auf der Erfolgsspur bleiben will verrät er im Interview mit dem AKTIONÄR.

Die Münchner Mittelstandsholding Aurelius präsentierte einen exzellenten Jahresabschluss für 2012. Das EBITDA ist nach vorläufigen Zahlen um 153 Prozent auf 163,7 Millionen Euro gesprungen, die liquiden Mittel haben um 58 Prozent auf 244,7 Millionen Euro zugelegt. Dies ist der erfolgreichste Abschluss in der Firmengeschichte. Großaktionär und Vorstandschef Dr. Dirk Markus zeigt sich im Interview mit dem AKTIONÄR optimistisch, dass er die Erfolgsgeschichte auch im Jahr 2013 fortsetzen kann.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Markus, worauf ist die 153-prozentige Steigerung auf 163,7 Millionen Euro beim EBITDA zurückzuführen?

Dr. Dirk Markus: Der Anstieg des EBITDA um 153 Prozent in 2012 hat zwei Gründe. Zum einen konnten wir mit 118,2 Millionen Euro das höchste operative EBITDA der Unternehmensgeschichte erwirtschaften. Zusätzlich ergaben sich 103,2 Millionen Euro Erträge aus der Auflösung negativer Unterschiedsbeträge aus der Kapitalkonsolidierung. Dieser sogenannte „bargain purchase" resultiert aus unserer Strategie, Unternehmen günstig zu Kaufpreisen unterhalb des Wertes des Eigenkapitals zu erwerben. Den positiven Effekten stehen 57,7 Millionen Euro an Restrukturierungs- und Einmalaufwendungen für die Neuausrichtung unserer Konzernunternehmen gegenüber.

Glauben Sie, dass Sie diesen Wert in 2013 nochmals toppen können, nachdem diese Einmalerträge im Jahr 2011 nur bei 3,2 Millionen Euro lagen?

Der „bargain purchase" ist bei uns mehr als ein Einmaleffekt, schließlich hatten wir diese Erträge in jedem Jahr seit Bestehen unseres Konzerns. Wir werden diese Art der Erträge auch bei zukünftigen Käufen realisieren können. Wie hoch sie im Einzelfall zu Buche schlagen, kann ich heute jedoch noch nicht sagen. Wir haben derzeit eine Vielzahl interessanter Kaufobjekte in der Pipeline. Sollten sich die Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten weiter positiv entwickeln, können wir mit den richtigen Deals auch ein Spitzenergebnis wie in 2012 nochmals übertreffen.

Wie viele Verbindlichkeiten stehen den liquiden Mitteln von 244,7 Millionen Euro gegenüber?

Der Aurelius-Konzern verfügt über deutlich mehr liquide Mittel als zinstragende Verbindlichkeiten. Unsere liquiden Mittel sind 2012 vor allem durch den erfolgreichsten Exit der Unternehmensgeschichte, den Verkauf von Schabmüller sowie die Veräußerung von Consinto um rund 60 Prozent angestiegen.

Können Sie schon eine Hochrechnung machen, in welcher Bandbreite die liquiden Mittel zum Halbjahr und zum Jahresende 2013 liegen könnten?

Leider nein, aber wir erwarten weitere Mittelzuflüsse aus dem Geschäft. Wir werden 2013 voraussichtlich mehrere Unternehmen kaufen. Dazu werden wir unsere liquiden Mittel einsetzten. Auf der anderen Seite werden wir uns natürlich auch von einigen Unternehmen unseres Portfolios trennen. Wie viel liquide Mittel dadurch in den Konzern fließen, lässt sich heute noch nicht belastbar sagen. Wir bleiben aber auch 2013 unserer erfolgreichen Strategie treu: Wir werden günstig einkaufen und nur verkaufen wenn der „Return on Investment" unseren Zielgrößen entspricht.

Sie haben in 2013 bereits IT-Aktivitäten des finnischen Konzerns Tieto gekauft. Wie viele Käufe haben Sie für das laufende Jahr geplant, und welches Ihrer Unternehmen steht zur Veräußerung an?

Der Kauf der deutschen, niederländischen, polnischen und indischen IT-Aktivitäten von Tieto war eine gute Entscheidung. Im Verbund mit unseren übrigen IT-Unternehmen werden wir Synergieeffekte in einem langfristigen Zukunftsmarkt realisieren können. Wir kaufen im Schnitt drei bis fünf Unternehmen pro Jahr. Entscheidend ist dabei jedoch nicht die absolute Zahl sondern die Chancen die sich aus jeder einzelnen Akquisition ergibt. Wir beabsichtigen unsere Töchter langfristig zu halten und von ihrer zukünftigen Ertragsstärke zu profitieren. Uns liegen mehrere Angebote für einige unserer Töchter vor. Ein Verkauf kommt jedoch erst in Frage, wenn dies die beste Entscheidung für alle Beteiligten darstellt 

Unter den inzwischen 19 Beteiligungen gibt es ja auch Töchter, mit deren Geschäftsverlauf Sie nicht gerade zufrieden sein können. Welche Verbesserungsmaßnahmen haben Sie bei den Sorgenkindern geplant?

Wir sind vor Ort in den Unternehmen sehr aktiv und bringen uns als Gesellschafter aktiv ein, um die Neuausrichtung der Geschäftsaktivitäten voranzubringen. Unsere auf langfristiges Wachstum ausgerichtete Strategie trifft dabei natürlich auch auf die ein oder andere unvorhergesehene Veränderung der Rahmenbedingungen. Wir begegnen diesen Situationen durch Strategieanpassungen und finanzielle Unterstützung.

Sind Sie mit der Entwicklung Ihrer IT-Töchter zufrieden?

Absolut. Wir halten den IT-Markt für einen der langfristig am stärksten wachsenden Märkte. Wir konnten in einem gesamtwirtschaftlich schwierigen Umfeld zu hervorragenden Konditionen Geschäftsaktivitäten von namhaften Unternehmen erwerben. Vor allem der Bereich Beratung ist für uns dabei von besonderer Bedeutung. Die Systeme und ihre Integration werden immer komplexer und die Nachfrage nach externer Unterstützung in Planung, Umsetzung und Betrieb wird weiter zunehmen.

Erfüllen die ausländischen Chemie-Aktivitäten Ihre Erwartungen?

Auch ein klares „Ja". Im Bereich Chemie setzten wir vor allem auf die Wachstumsmärkte Agrarchemie und Gesundheitswesen. Beide Geschäftsfelder zeichnen sich durch ein natürlich hohes Wachstum aus. Die weltweite Bevölkerungszahl wächst und die Menschen werden immer älter. Genauso verhält es sich im Bereich Agrarchemie. Der wachsenden Weltbevölkerung stehen immer weniger Anbauflächen für Nahrungsmittel zur Verfügung. Unsere Unternehmen konzentrieren sich dabei nicht primär auf die eigene Produktentwicklung in Nischensegmenten sondern  positionieren sich als Dienstleiter der Big Player.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass der Abschluss 2013 den von 2012 nochmals überschreiten kann?

Unser langfristiges Ziel sind fünf Milliarden Euro Konzernumsatz. Um diesen zu erreichen werden wir organisch und durch Zukäufe weiter wachsen. Einige unserer Töchter werden 2013 erstmals schwarze Zahlen schreiben. Andere werden ihre Produktivität weiter steigern und die EBITDA Marge verbessern. Bei den Zukäufen setzten wir weiter auf einen sehr selektiven Auswahlprozess um die unterbewerteten Unternehmen mit dem größten Zukunftspotenzial zu finden. Wir werden uns 2013 auch von einigen Unternehmen in unserem Konzern trennen. In Summe können wir sehr positiv in die Zukunft schauen. 

Besten Dank für das Interview.

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| David Vagenknecht | 0 Kommentare

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