Aixtron
- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Aixtron: Wie schlimm wird schlimm?

Zwei Aufsichtsräte und der Vorstandschef zurückgetreten - die Vorzeichen für die Veröffentlichung der Jahresergebnisse bei Aixtron sind denkbar schlecht. Der AKTIONÄR verrät, was Anleger zu erwarten haben.

Erst ein neues Jahrestief, dann mit Schwung nach oben: Der Kurs von Aixtron fährt Achterbahn. Die überraschende Trendwende am Dienstag stellt aber kaum einen generellen Stimmungsumschwung beim Spezialmaschinenbauer dar - viele Investoren spekulieren einfach auf besser als erwartete (befürchtete) Jahreszahlen. Der Konzern öffnet am Donnerstag seine Bücher.

Tiefrotes Ergebnis erwartet

Die bis Dienstag von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten haben für das vergangene Jahr im Schnitt einen Umsatzeinbruch von knapp 64 Prozent auf 221,6 Millionen Euro auf dem Zettel stehen. Das deckt sich mit den Erwartungen von Aixtron, die einen Einbruch auf circa 220 Millionen Euro erwarten.

Was das operative Geschäft betrifft, peilt Aixtron ein Minus von circa 125 Millionen Euro an (Konsens: -113,2 Millionen Euro).

Das besondere Augenmerk gilt bei Aixtron wie üblich den Auftragseingängen. In den ersten neun Monaten 2012 brach dieser Wert gegenüber dem Vorjahr um 80 Prozent auf 96 Millionen Euro ein. Vom zweiten zum dritten Quartal erhöhte sich das Volumen jedoch leicht um 15 Prozent auf 34,5 Millionen Euro zu.

Wie ist Q4 gelaufen?

Ein Hinweis bietet das Update von Veeco Instruments, dem größten Konkurrenten der Westdeutschen. Veeco hatte am 8. Februar vorab Auftragseingänge (für MOCVD-Reaktoren) von 62,8 Millionen Dollar gemeldet, ein Rückgang gegenüber dem dritten Quartal von 20 Prozent.

(Hinweis: Veeco überprüft aktuell seine Rechnungslegung in Bezug auf die zeitliche Zuordnung der Umsatzerlöse mit MOCVD-Reaktoren. Es besteht somit die Möglichkeit, dass die genannten Q3-Umsätze korrigiert werden müssen.)

Für eine kurzfristige Erholung sieht Veeco-Chef John Peeler keine Anzeichen: "Es gibt wenige MOCVD-Deals und der Preisdruck hält an." Vor diesem Hintergrund liegt der Schluss nahe, dass Aixtron bei den Auftragseingängen auf dem Niveau von Q3 liegt (+- 10 Prozent).

Der Newsflow war zuletzt geprägt vom Rücktritt dreier langjähriger Mitarbeiter, darunter auch CEO Paul Hyland. Gemessen an der Geschwindigkeit, mit der sich das Personalkarussell gedreht hat, erscheint das Kursminus der Aktie moderat.

Fazit: Die Erholung in der LED-Branche steht aus, vor der zweiten Jahreshälfte (eher Ende Q3) ist kaum mit einer Zunahme bei der Nachfrage nach MOCVD-Maschinen zu rechnen. Viele der Belastungsfaktoren scheinen bei Aixtron aber bereits eingepreist zu sein. Solange der Halbleiterspezialist die Prognosen nicht deutlich verfahlt, liegt das Restrisiko nach Einschätzung des AKTIONÄR in einem  Test des 2012er-Tiefs bei 8,38 Euro.

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