Aixtron
- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Aixtron: 60 Prozent Kurschance

Geringe Maschinenauslastung: bekannt. Rückläufiges TV-Geschäft: bekannt. Nachfrageeinbruch in der zweiten Jahreshälfte: bekannt. Aktienexperte Tim Wunderlich weiß gut um die Herausforderungen für Aixtron, dennoch empfiehlt er die Titel jetzt zum Kauf. Kommt der Call zu früh?

Wunderlich ist nicht der erste Analyst, der Aixtron nach dem jüngsten Höllenritt auf seine Empfehlungsliste setzt. Seit Mitte August haben sich laut Bloomberg sieben Aktienexperten zu den Aussichten für den Maschinenbauer geäußert, fünf davon, Wunderlich berücksichtigt, vergaben ein "Kaufen" oder "Outperform" und zwei ein "Halten". Dem Aktienkurs von Aixtron hat der Call vom Morgen gut getan - zumindest kurzfristig. Aixtron verteuerte sich zeitweise um mehr als sechs Prozent im Wert auf 15,44 Euro, bevor es gemeinsam mit dem Gesamtmarkt wieder in die Tiefe ging. Aktuell wird die Aktie mit 14,90 Euro bezahlt, ein Plus gegenüber dem Vortag von knapp über zwei Prozent.

Glückliches Händchen

Dennoch stellt sich vor allem eine Frage: Kommt die Kaufempfehlung für Aixtron vielleicht zu früh? Fakt ist, dass Wunderlich bislang ein bemerkenswertes Gespür bewiesen hat, was seine Empfehlungen betrifft. Seine 1-Jahres-Performance für Aixtron beträgt 24 Prozent, das beschert ihm Rang 2 im Bloomberg-Ranking. Es könnte sich also auszahlen, auf den Mann von Hauck & Aufhäuser zu hören.

In seiner Studie vom Morgen hält sich Wunderlich denn auch nicht lange mit den kurzfristigen Herausforderungen auf, denen sich die LED-Branche gegenüber sieht. Die nachlassende Nachfrage nach TV-Geräten, bei denen LEDs zur Display-Beleuchtung eingesetzt werden, sei ebenso bekannt wie die Überkapazitäten in der Produktionskette und deshalb in den Prognosen bereits enthalten.

Mittel- bis langfristig bewertet er die Aussichten für Aixtron allerdings als sehr vielversprechend. Schätzungen für 2011 zufolge dürfte die Penetrationsrate im TV-Segment bereits 40 bis 50 Prozent und in den kommenden Jahren 100 Prozent erreichen.

In der allgemeinen Beleuchtung sieht er ebenfalls Wachstumspotenzial für LEDs. Wunderlich schätzt, dass sich das Marktvolumen für LEDs in der allgemeinen Beleuchtung bis 2016 (von 2010) auf 30 Milliarden Euro versechsfachen könnte. Ein Milliardengeschäft auch für die Hersteller von MOCVD-Anlagen.

"Gemeinsam eröffnen die beiden Märkte den Herstellern von MOCVD-Anlagen ein milliardenschweres Umsatzpotenzial, das bislang erst zu einem geringen Grad erschlossen wurde", heißt es in der Studie.

Spätestens für 2013, so Wunderlich, rechne er damit, dass sich Aixtron wieder auf einem starken Wachstumskurs befinde. In diesem Jahr dürfte der Konzern rund 860 Millionen Euro erlösen (gg. 780 Mio. 2012e) und 2,12 (1,89) Gewinn pro Aktie erzielen. Wunderlichs Fazit: "Kaufen" mit Kursziel 24 Euro.

DER AKTIONÄR glaubt nicht, dass der Call von Tim Wunderlich (und der anderen Analysten) zu früh kommt. Sollte es erneut zu breit angelegten Verlusten am Gesamtmarkt kommen, dürfte sich Aixtron zwar dem kaum entziehen können. Die mittel- bis langfristigen Geschäftsaussichten wiegen dieses Risiko allerdings auf.

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