AAP Implantate
- Jochen Kauper - Redakteur

aap Implantate vor Kursschub

aap Implantate-Vorstand hat es in den letzten vier Jahren geschafft, die Firma auf Vordermann zu bringen. Visser hat das Portfolio zusammengestrichen, unrentable Bereiche wurden einfach gestrichen. Der Fokus liegt mittlerweile auf Trauma und Biomaterials.

aap Implantate ist ein Nischenanbieter. Im Bereich Orthopädie verdient man mit Produkten zur Frakturheilung und Gelenkersatz  („Trauma") sowie Biomaterialien wie Knochenzemente oder Knochenersatzstoffe („Biometerials") prächtig. Dabei tritt die Firma sowohl  unter eigenem Label in Erscheinung, als auch als Zulieferer für die großen der Branche wie zum Beispiel Aesculap, Medtronic oder Synthes. DER AKTIONÄR sprach mit Vorstand Biense Visser über die Zukunftsaussichten von aap Implantate.


DER AKTIONÄR: Herr Visser, Sie hatten in den letzten vier Jahren jede Menge Arbeit bei der aap. Ist der so genannte Transformationsprozess mit Focus auf Trauma und Biomaterials jetzt abgeschlossen?

BIENSE VISSER: Als mein Kollege, Bruke Seyoum Alemu, und ich Anfang 2009 gemeinsam die Führung der aap übernahmen, haben wir ein Unternehmen vor uns gehabt, das an 6 Standorten mit 11 Gesellschaften und 6 Geschäftsbereichen aufgestellt war. Wir haben dann gemeinsam eine Strategie verabschiedet, unter der wir uns zukünftig auf die Bereiche Trauma und Biomaterialien fokussieren. Dies hatte zur Folge, dass wir einige Aktivitäten, wie z. B der Bereich Analytics oder medizinsche Ästhetik verkauft beziehungsweise andere Bereiche wie Dental an spezialisierte Unternehmen ausgelagert haben und heute nur noch als Lohnhersteller fungieren. Heute sind wir mit 3 Unternehmen an 3 Standorten, Berlin, Dieburg und Nijmegen, organisiert. Einzig für unseren Bereich Recon (Hüfte und Knie) evaluieren wir derzeit verschiedene Möglichkeiten und gehen davon aus, bis Anfang nächsten Jahres eine finale Entscheidung treffen zu können.

DER AKTIONÄR: Warum haben Sie sich gerade diese beiden Bereiche, sprich Trauma und Biomaterials heraus gepickt?

In beiden Bereichen verfügen wir über ausgeprägtes Know-How in der Entwicklung, Zulassung und Produktion von Medizinprodukten. Gleichzeitig weisen sowohl der Bereich Trauma als auch Biomaterialen mit Blick auf einschlägige Branchenstudien die größten Marktwachstumsraten für die nächsten Jahren auf, die zum Beispiel über denen für den Markt für Hüften und Knie liegen. Wir glauben, mit unseren Kernkompetenzen in den Bereichen Entwicklung, Zulassung und Produktion von IP-geschützten Medizinprodukten kombiniert mit der Vertriebskraft von (multi)-nationalen Orthopädiunternehmen ein profitabel wachsendes Unternehmen formen zu können, das nachhaltig seinen Unternehmenswert steigern kann. Daneben bieten diese Bereiche die Möglichkeit der Entwicklung von sogenannten Hybridprodukten, wie zum Beispiel die Beschichtung von Metallimplantaten mit Mikrosilber. Insbesondere wollen wir die Silbertechnologie auf unseren LOQTEQ Produkten anwenden, um so das Risiko von Infektionen zu reduzieren. Als weiterer Schritt ist die Entwicklung von LOQTEQ-Produkten auf Magnesiumbasis, wie zum Beispiel von kleinen Platten und Schrauben für den Hand und Fußbereich geplant.

DER AKTIONÄR: Mit den Zahlen für die ersten neuen Monate liegt die aap sehr gut im Rennen. Woher kommt die gute Entwicklung?

Unser Umsatz ist um 6,5 Millionen Euro, also um 31 Prozent in den ersten neun Monaten gewachsen, eine Verbesserung von 21 Millionen Euro auf 27,5 Millionen Euro. Ausschlaggebend war die gute Entwicklung in unseren Kernbereichen Trauma und Biomaterialien. Hinzu kam noch ein Lizenzgeschäft, welches wir im ersten Quartal mit 2,2 Millionen Euro abschließen konnten. Der Bereich Auftragsentwicklung hat ebenfalls mit einem Wachstum von 1,3 Millionen Euro zu dem positiven Ergebnis in den ersten neun Monaten beigetragen. Gleichzeitig verfolgen wir das Grundprinzip des profitablen Wachstums, dass heißt, dass das Ergebniswachstum immer größer als unser Umsatzwachstum ist. Mit Blick auf das Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (EBITDA) konnten wir in den ersten neun Monaten ein Wachstum um 62 Proent auf 4,7 Millionen Euro realisieren.

DER AKTIONÄR: Sehr viel Hoffnung setzen Sie auf ihre Produktfamilie LOQTEQ- was ist das besondere daran?

Mit unserer Produktfamilie LOQTEQhaben wir eine Produktfamilie geschaffen, die in verschiedenen Körperregionen bei Frakturen eingesetzt werden kann. Mit unseren derzeit 6 vertriebenen und sechs weiteren Plattensystemen, die wir im ersten Quartal 2013 einführen werden, decken wir dann ca. 80 Prozent der meist vorkommenden Indikationen ab. Marktführer in diesem Segment ist die Firma Synthes, die letztes Jahr von dem amerikanischen Konzern Johnson und Johnson für über 21 Milliarden Euro übernommen wurde. Uns ist es mit LOQTEQ gelungen, ein Plattensystem zu schaffen, das eine winkelstabile Verrieglung zwischen Schraube und Platte sowie Kompression in einem speziell designten Loch ermöglicht. Dafür haben wir sowohl in Europa als auch in den USA ein Patent beantragt, das sich in der Prüfung ist. In der derzeit laufenden Anwenderbeobachtung möchten wir u. a. nachweisen, dass unser Plattensystem eine sogenannte verringerte Kaltverschweißung aufweist und somit die Explantation nach Heilung der Fraktur wesentlich einfacher ist.

DER AKTIONÄR: In den USA haben Sie für LOQTEQ bereits einen Großteil der Zulassungen von der FDA erhalten, sie erwarten bald die komplette Freigabe. Welche Hoffnungen setzen Sie in den US-Markt?

In den USA haben wir 4 der ersten 6 Marktfreigaben erhalten. Wir erwarten, dass wir die weiteren Freigaben bis Ende des Jahres erhalten werden. Der US-Markt als der mit Abstand größte und profitabelste Markt der Welt ist einer unserer Kernmärkte für unser zukünftiges Wachstum mit LOQTEQ. Wir erhoffen uns mit einem starken Distributor im US-Markt Fuß fassen zu können und die Marke LOQTEQ nachhaltig etablieren zu können. Neben dem US-Markt konzentrieren wir uns außerdem auf die EU, die SMIT und BRICS-Länder.

DER AKTIONÄR: Sie wollen in den USA mit einem starken Partner an den Start gehen, der ihre Produkte vermarktet. Wie weit sind hier die Gespräche fortgeschritten?

Unsere Gespräche mit einem sehr großen Orthopädieunternehmen sind bereits weit fortgeschritten und wir hoffen noch in diesem Jahr den Abschluss eines Distributionsvertrages bekanntgeben zu können. Alle unsere drei Standorte sind bereits FDA-zugelassen. Beabsichtigt ist, LOQTEQ unter eigenem Namen in Amerika zu vertreiben.  Bisher erzielten wir unsere Umsätze  in den USA vor allem durch OEM-Partnerschaften.

DER AKTIONÄR: Im Fokus haben Sie mit LOQTEQ auch den chinesischen Markt. Wie wichtig ist dieser für aap Implantate?

China mit einer Bevölkerung von über 1,3 Milliarden Menschen und einer der am dynamischsten wachsenden Wirtschaft der Welt, wird auch für aap ein zentraler Zielmarkt für die Vermarktung von LOQTEQ sein. Die zunehmende Zahl an Auto- und Arbeitsunfällen aber auch die steigenden durchschnittlichen Einkommen ermöglichen immer mehr Menschen Zugang zu westlicher Medizin. Diese Entwicklungen zusammen mit dem richtigen Distributionspartner eröffnen aap auch in diesem Markt erhebliche Wachstumsperspektiven. In China haben wir bereits erste Umsätze erzielt und wollen insbesondere mit unserer eigenen Marke LOQTEQ weiteres Wachstum generieren. Daneben sind wir dabei einen Co-Entwicklungsvertrag abzuschließen, in dem es um die Entwicklung von Medizinprodukten auf Magnesiumbasis geht, die vom Körper vollständig resorbiert werden und somit eine zweite Operation überflüssig machen.

DER AKTIONÄR: Was für Ziele haben sie sich in den nächsten Jahren mit der aap gesetzt?

Wir wollen profitabel und nachhaltig wachsen und langfristig den Unternehmenswert steigern. Für 2013 haben wir uns ein Umsatzwachstum von 10 Prozent zusammen mit einem leicht stärkeren Ergebniswachstum zum Ziel gesetzt. Zusammen mit dem Abschluss weiterer Projektgeschäfte und dem weiteren Abbau der Verschuldung wollen wir uns unabhängig von externem Finanzierungsbedarf machen. Langfristig möchten wir unser Ziel umsetzen, als ein fokussiertes und innovatives Unternehmen positioniert zu sein, das adäquate Lösungen für den heutigen und zukünftigen Marktbedarf entwickelt und vermarktet.

Fazit:

Umsatz und Ergebnis haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. Spannend bleibt die Entwicklung der Loqteq-Produkte. Sofern in den USA ein starker Partner gewonnen wird, kann aap durchstarten.

 

 

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