SMA Solar Technology
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

295 Prozent mit Solar-Short: So geht es mit Q-Cells, SMA, First Solar und Suntech weiter

Der Ausverkauf im Solarsektor hat sich nach der Kappung der deutschen Einspeisevergütung noch einmal beschleunigt. Die große Frage ist jetzt: Wie lange geht der Solar-Crash noch weiter?

Der Sonnenaufgang ist am nächsten, wenn die Nacht am dunkelsten ist. Noch befindet sich die Solarbranche mitten in der Krise - woran auch schmerzhaft die jüngste Pleite von Q-Cells erinnert hat. Immer noch sind Angebot und Nachfrage nicht in der Waage - die meisten Firmen verkaufen ihre Solarmodule unter den Herstellungskosten, um ihre Lager leerzuräumen. Doch es gibt Hoffnung. Einerseits sinken die Kapazitäten durch den Ausfall von Firmen wie Q-Cells und andererseits geht das Wachstum - zumindest vorerst - weiter. Einer Schätzung von Solarbuzz zufolge hat der Photovoltaik-Markt im ersten Quartal um 146 Prozent zugelegt. Zu beachten ist: Hierin enthalten sind Vorzieheffekte in Märkten wie Deutschland oder Italien, in denen ab dem zweiten Halbjahr deutlich weniger gefördert werden wird.

Auch Solarexperte Wolfgang Hummel bleibt gegenüber dem AKTIONÄR noch vorsichtig: "Wir sehen ebenfalls weiteres Wachstum, doch die deutschen Solarunternehmen können auch von einem Zuwachs nur unterdurchschnittlich profitieren."

Short-Kandidat SMA Solar

Tatsächlich scheint es noch zu früh, von der Short- zurück auf die Longseite zu wechseln. Die jüngste Short-Empfehlung (Ausgabe 11/12) ist der Schein mit der WKN RBS 78S auf SMA Solar - er liegt aktuell 32 Prozent im Plus. Hier sollten die Gewinne laufen gelassen werden. Zumal wie erwartet die Gewinnprognosen der Analysten kräftig bröckeln. Trotz des niedrigeren Aktienkurses ist das laufende KGV daher mittlerweile von 10 auf 14 gestiegen. Charttechnisch wurde zudem die wichtige 30-Euro-Marke nach unten durchbrochen. Kurzfristige Gegenbewegungen sind möglich, der mittelfristige Abwärtstrend dürfte jedoch anhalten.

Auch beim größten kristallinen Modulhersteller der Welt, Suntech, besteht noch Abwärtspotenzial. Zumal die Kostenstrukturen dieses China-Players schlechter sind als die von direkten Konkurrenten wie Trina Solar. Suntech plant neuesten Aussagen zufolge erst im vierten Quartal 2012 wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. Der im August in diesem Aktienreport empfohlene Put auf Suntech kann gehalten werden.

295 Prozent Plus

Noch schneller fällt derzeit die Aktie des Marktführers für - besonders unter Druck geratene - Dünnschichtmodule. Gerade wurde ein neues Mehrjahrestief erreicht. Auch die Gewinnschätzungen der Analysten sinken stetig. Das Konsensus-KGV für 2013 soll zwar bei günstigen 7 liegen. Doch das KUV ist mit 0,5 im Peer-Group-Vergleich noch hoch. Zumal der Ruf der First-Solar-Modulqualität sowie die Glaubwürdigkeit des Managements (siehe auch: Gib es auf, First Solar) stark gelitten hat.  Der 2011 in diesem Aktienreport empfohlene Put hat 295 Prozent zugelegt und sollte weiterhin gehalten werden.

Q-Cells ("Lernen von Apple") bleibt nach der Beantragung der Insolvenz ohnehin ein Verkauf.

Grundsätzlich: Der Knackpunkt des Sektors wird sein, wie gut es gelingt, den im zweiten Halbjahr zu erwartenden deutlichen Rückgang des Zubaus in Europa durch Wachstum in China und den USA auszugleichen. Firmen, die diese - vielleicht letzte - große Herausforderung der Branche (schließlich steht in allen wichtigen Märkten die Grid-Parity an) meistern, haben auf lange Sicht wieder Potenzial. Noch überwiegt jedoch der Margendruck und die Unsicherheit: Anleger sollten sich mit Long-Engagements weiter zurückhalten.

Der Autor dieses Artikels hatte sich unlängst Interview mit dem DAF zu Q-Cells und Solarworld geäußert.

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