- Florian Söllner - Leitender Redakteur

100 Prozent Turnaround, 95 Prozent Blockchain - Nestle und Zurich mit bis zu 5 Prozent Dividende!

Der Biss in einen saftigen Burger ist toll – bis das Kopfkino einsetzt: Wie groß ist der ökologische Fußabdruck der aus Italien importierten Tomaten? Ist Gen-Getreide in der Burger-Semmel? War die Kuh glücklich? War es eine Kuh!? Spätestens seit dem Pferde-Lasagnen-Skandal, dem heißen Thema Klimawandel und dem Trend zu Bio will der Verbraucher mehr – mehr wissen.

Der Schweizer Nahrungsmittel-Riese Nestlé packt nun aus – und verrät, was wirklich in der Wagner-Pizza, dem KitKat-Riegel oder dem Nespresso steckt. Die News: Künftig wird die komplette Lieferkette von 95 Prozent der Rohstoffe wie Fleisch, Palmöl oder Zucker transparent. Mit dem Partner IBM wird dies auch über die neue Technologie Blockchain abgewickelt. Nestlé verriet, dass das System bereits mit einem Babybrei-Produkt erfolgreich durchgeführt wurde. „Für 2019 planen wir, den Betrieb auf andere Anbieter und Verbraucher auszuweiten. So werden wir der Forderung der Konsumenten nach mehr Transparenz nachkommen", so der Leiter des Blockchain-Projekts. Ziel sei „eine volle Visibilität in Echtzeit" – was Nestlé auch intern hilft, etwa verdorbene Chargen rechtzeitig zu erkennen und auszutauschen.

Der Nachteil: Je mehr Kunden über den QR-Code auf der Verpackung und ihrem Smartphone den Lebensweg der Kuh aus dem Stall bis hin zum Teller nachverfolgen, desto geringer wird der Appetit. Nestlé ist darauf vorbereitet und hat für 2019 den „unglaublichen Veggie-Burger" der Marke Garden Gourmet vorgestellt. Er hat: „0 Gramm Fleisch, 100 Prozent saftiger Geschmack." Er soll Röstaromen entwickeln wie ein richtiger Hamburger. Auch bei den Marken Maggi und Wagner-Pizza setzt Nestlé verstärkt auf Vegetarisches.

Big-Data-Analyse: Perfektes Timing

Während Nestlé den Verlauf der Rohstoffe und die Produktion einer Herta-Wurst und weiterer 2.000 Marken detailliert checkt, analysiert der AKTIONÄR permanent die historischen Kursdaten von 3.000 Aktien. Erst wenn alle technischen Vorgaben erfüllt werden, kommen die Aktien „auf den Tisch" und das seltene Signal der AKTIONÄR Turn­around Formel TFA wird ausgelöst. Da die TFA-Rezeptur modifiziert wurde, werden nun auch konservative Blue Chips gescannt und erkannt. Dadurch haben die Schweizer Nestlé und die Zurich Insurance jetzt ein TFA-Signal generiert – ein sehr gutes Zeichen für den weiteren Verlauf (siehe auch Track Rekord). Doch nicht nur in den seit Jahren seitwärts tendierenden Chart kommt Schwung. Auch operativ stehen die Zeichen bei Nestlé auf Aufbruch.

50 Prozent Gewinnplus

Das größte Asset der Nestlé-Aktie ist der Fokus auf weltweit bekannte Marken. Die globale Diversifikation minimiert das Risiko eines größeren Einbruchs deutlich. Hinzu kommt die Magie der Markennamen: Auch nach 55 Jahren Stiftung Warentest und Berichten darüber, dass im Zweifel der No-Name-Kaffee aus dem Discounter mindestens genauso gut ist, greifen Millionen Verbraucher lieber zum aus der TV-Werbung vertrauten drei Mal so teuren Marken-Kaffee – oder gleich zum sieben Mal so teuren in Kapseln verpackten Nespresso für die schicke Kaffeemaschine.

Kein kalter Kaffee

Die Kunden wollen es – und Nestlé liefert gerne mehr. In den kommenden beiden Jahren erhält die Tochter Nespresso weitere Investitionen von gut 37,9 Millionen Euro für den Ausbau von Produktionskapazitäten. Derzeit weniger angesagte Marken wie die des Ersatzkaffees Caro werden gleichzeitig auf Effizienz getrimmt. Das Werk von Caro-Kaffee in Ludwigsburg wurde jüngst geschlossen – die Produktion wird in einem der zahlreichen anderen Konzernwerke, in Portugal, konzentriert.

Der deutsche Nestlé-Chef Mark Schneider krempelt den Konzern um. Knallhart stärkt er lukrative Geschäftsbereiche und stoppt problematische Produkte. So wurde unter anderem das US-Süßwarengeschäft verkauft, aber dafür das Einzelhandelsgeschäft von Starbucks übernommen.

Das Ziel: eine deutliche Ausweitung der Gewinnmarge. Zwischen 2018 und 2023 schätzen Analysten im Schnitt eine 50-prozentige Erhöhung des Nettogewinns – ein beachtlicher Sprung für den 275 Milliarden Euro schweren Lebensmittel-Riesen. Doch die Weichen sind gestellt. Beim Gewinnwachstum und der Ausweitung der Margen befindet sich Nestlé im Branchenvergleich an der Spitze, lobt auch J.P. Morgan, die Nestlé zu den Top Picks zählen und das Kursziel auf 88 Euro angehoben haben. Nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu 100 Euro – wenn Nestlé dank Blockchain, Veggie-Produkten und geschicktem Marketing weiterhin das Vertrauen der Kunden genießt und günstige Rohstoffe dank Veredelung zu Marken wie Maggi, Smarties und Thomy vergoldet.

Zurich Insurance: 5 Prozent Dividendenrendite

Während die Dividendenrendite von Nestlé mit 2,6 Prozent solide ist, liegt die der Zurich Insurance sogar bei außergewöhnlichen fünf Prozent. Der Grund ist „katastrophal": Die Gewinne und die Aktie des Versicherers sind wegen einiger Großschäden wie Wirbelstürmen und Waldbränden in den USA zurückgekommen. Das hat auch Vorteile. Dank dieses operativen Gegenwindes konnte der Schweizer Konzern ein Sparprogramm durchpeitschen, welches den Kostenblock binnen weniger Jahre um einen Milliardenbetrag senken soll. Gleichzeitig hat man die Risiken im Griff. 2018 dürfte das Gewinnplus zehn Prozent betragen haben. J.P. Morgan sieht auch in den nächsten drei Jahren deutliches Gewinnwachstum. Gute Aussichten für die Schweizer Aktie – zumal das KGV bei hochattraktiven 11 liegt.

Schweizer Sicherheit mit TFA-Belebung

Nestlé überzeugt konservative Anleger mit soliden Ausschüttungen. Auch das TFA-Signal signalisiert eine Kursbelebung. Gleiches gilt für Zurich Insurance. Hier lockt die höhere Dividende – der Preis ist die Abhängigkeit von Einmalereignissen. Top-Tipp ist Nestlé: Dank Blockchain und TFA kann wieder mit gutem Gewissen zugegriffen werden.

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