Novelos Therapeutics
- DER AKTIONÄR

"Wir verfügen über ein einzigartiges Produkt"

Die kleine, aber feine Biotech-Firma Novelos haben nur wenige Anleger auf dem Radar. DER AKTIONÄR sprach mit Vorstandschef Harry Palmin über die Perspektiven des Unternehmens.

Die kleine, aber feine Biotech-Firma Novelos haben nur wenige Anleger auf dem Radar. DER AKTIONÄR sprach mit Vorstandschef Harry Palmin über die Perspektiven des Unternehmens.

Im November 2006 kaufte Novelos-Vorstandschef Harry Palmin 100.000 Aktien seiner eigenen Firma. Ein Vertrauensbeweis sollte es sein – und der hätte Palmin beinahe um seinen häuslichen Frieden gebracht. Denn Misses Palmin hatte das Ersparte eigentlich für die Renovierung und den Umbau der eigenen vier Wände eingeplant. Inzwischen haben sich die Wogen jedoch geglättet, was vermutlich nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass die Aktien seit November deutlich im Wert gestiegen sind. Mit dem AKTIONÄR sprach Palmin über den aktuellen Stand bei den wichtigsten Projekte von Novelos und die Aussichten für das Unternehmen.

DER AKTIONÄR: Mr. Palmin, Ihr Produktkandidat NOV-002 ist aktuell in der dritten Phase klinischer Studien für die Behandlung von Lungenkrebs. Was unterscheidet Ihr Medikament von Konkurrenzpräparaten?

HARRY PALMIN: Mit NOV-002 verfügen wir über ein wirklich einzigartiges Produkt. Während die Chemotherapie einerseits den Krebs abtötet, tötet sie fatalerweise andererseits auch den Patienten. Wenn Krebspatienten unser Mittel NOV-002 begleitend zur Chemotherapie einnehmen, hilft NOV-002 ihnen nicht nur sich von den typischen Nebenwirkungen der Chemotherapie zu erholen. NOV-002 potenziert darüber hinaus die Chemotherapie, verstärkt sie also. Ein Medikament, das beides leistet und dazu noch sicher und kostengünstig ist, hat auf dem heutigen Markt ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Wie sieht der Zeitplan für die weitere Entwicklung aus?

Wir gehen davon aus, dass wir mit den entscheidenden Phase-III-Tests für Lungenkrebs im ersten Quartal 2008 beginnen können und hoffen auf erste Ergebnisse bis Mitte 2009. Für Mitte 2007 erwarten wir Zwischenergebnisse aus Versuchen mit Chemotherapieresistentem Eierstockkrebs in Testphase II. Zudem wollen wir demnächst einen Versuch in Phase II für Brustkrebs im Frühstadium beginnen.

Wie hoch schätzen Sie das Markpotenzial von NOV-002 ein?

Dr. Elemer Piros, Analyst bei Rodman and Renshaw, prognostiziert Jahresumsätze von über einer Milliarde Dollar für NOV-002 – und das allein bei der Anwendung gegen Lungenkrebs. Davon ausgehend errechnet er einen Enterprise Value von 200 Millionen Dollar für Novelos. Und dabei schließt diese recht konservative Einschätzung von Dr. Piros den Einsatz bei allen anderen Krebsarten aus. Doch laut klinischen Tests in Russland ist NOV-002 zusammen mit Chemotherapie bei allen soliden Tumoren anwendbar – und davon hat Lungenkrebs nur einen Anteil von 10 bis 15 Prozent.

Ihr zweiter Produktkandidat ist NOV-205 gegen Hepatitis. Wie ist hier der Entwicklungsstand?

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat uns grünes Licht für Tests mit NOV-205 als Monotherapie für Hepatitis C gegeben und in den USA läuft bereits eine Phase-1b-Studie mit Patienten, die auf eine Behandlung mit Interferon und Ribavirin nicht angesprochen haben. Erste Ergebnisse hierfür werden für Mitte 2007 erwartet. Klinische Studien in Russland an Hepatitis-B- und C-Patienten haben bewiesen, dass NOV-205 bei den Patienten die Hepatitis-Erregeranzahl erheblich verminderte und ihre Leberfunktion bedeutend verbesserte.

Wie schätzen Sie das Marktpotenzial für NOV-205 ein?

Chronische Hepatitis C stellt gegenwärtig ein Marktpotenzial von drei Milliarden Dollar dar, Tendenz: 8 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2010. Die bisherige Standardtherapie hat erhebliche Nebenwirkungen, ist teuer und die Hälfte der Patienten von Genotyp 1 reagiert nicht darauf. Demgegenüber bietet NOV-205 Vorteile hinsichtlich Zuverlässigkeit, Kosten und Wirksamkeit.

Wie sieht die finanzielle Situation von Novelos aus?

Per 30. September 2006 hatte Novelos 14 Millionen Dollar auf dem Konto, was bis ins dritte Quartal dieses Jahres ausreichen wird. Demnach müssen wir bald neues Kapital aufbringen. Andererseits verbrennen wir davon aber auch weniger als unsere Konkurrenten und benötigen nur zusätzliche 30 Millionen Dollar, um bis zum Ende von Phase III Mitte 2009 zu gelangen.

Novelos hat zwei vielversprechende Produktkandidaten – derzeit aber nur einen Börsenwert von rund 43 Millionen Dollar. Damit ist Novelos ein heißer Übernahmekandidat. Wie ist Ihre Strategie auch im Hinblick auf ein zukünftige Vermarktung Ihrer Produkte?

Unsere aktuelle Strategie läuft darauf hinaus die Rechte für die USA bis zu einem positiven Abschluss der Phase III zu halten und dann nach einem Vermarktungspartner zu suchen. Denn es liegt ja klar auf der Hand: Ein positives Ergebnis in Phase III wäre ein riesiger „value driver“ für die Aktionäre von Novelos. Inzwischen ist Novelos dabei NOV-002 außerhalb der USA in Lizenz zu vergeben. Insgesamt halte ich Novelos für ein bemerkenswertes Unternehmen im Biotechsektor mit Produkten, die kurz vor der Zuteilungsreife stehen. Denn wir haben nicht nur grundsätzlich eine großartige Story vorzuweisen, die klinisch geprüfte Komponenten für Krebs und Hepatitis beinhaltet. Darüber hinaus ist das Fundament unseres Unternehmens von der aktuellen Marktbewertung abgekoppelt. Und das bietet Investoren eine höchst interessante Gelegenheit!

Kaufen und liegen lassen!

Seit der Erstempfehlung Ende 2006 liegt die Aktie bereits rund 35 Prozent vorn. Die Daten aus den klinischen Studien, die für das laufende Jahr erwartet werden, sollten den Kurs weiter beflügeln. Anleger mit sehr hoher Risikobereitschaft legen sich einige Stücke als Beimischung ins Depot.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 09/2007.

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