Nordex
- DER AKTIONÄR

"Wir fühlen uns gut aufgestellt"

Schlechte Neuigkeiten für den deutschen Windenergiemarkt: Mit knapp 900 installierten Windrädern im Jahr 2007 brach der heimische Markt im Vergleich zu 2006 um rund ein Viertel ein. Nordex hat dennoch klasse Zahlen präsentiert. DER AKTIONÄR im Gespräch mit Vorstandschef Thomas Richterich.

Nordex hat klasse Zahlen präsentiert. Beim Aktienkurs des Windanlagenbauers herrscht dennoch Flaute. DER AKTIONÄR hat bei Vorstandschef Thomas Richterich nachgehakt.

Schlechte Neuigkeiten für den deutschen Windenergiemarkt: Mit knapp 900 installierten Windrädern im Jahr 2007 brach der heimische Markt im Vergleich zu 2006 um rund ein Viertel ein. Grund: Während steigende Rohstoff- und Energiepreise die Anlagen verteuern, sinkt jährlich die gesetzliche Vergütung für Windstrom.
Die Bedeutung des Exportgeschäfts für deutsche Anlagenbauer steigt somit zusehends – und der Weltmarkt bietet mit Wachstumsraten von 30 Prozent noch gehörig Potenzial, die heimischen Probleme mehr als auszugleichen. Nordex hat dies mit Vorlage der 2007er-Eckdaten bewiesen: Während der Umsatz um 45 Prozent auf 747 Millionen Euro anstieg, schwoll das EBIT um rund 140 Prozent auf 40 Millionen Euro an. Ob Anleger auch in den kommenden Jahren mit einer solch positiven Entwicklung rechnen können, wollte DER AKTIONÄR vom Vorstandsvorsitzenden Thomas Richterich wissen.

DER AKTIONÄR: Herr Richterich, Nordex konnte das Branchenwachstum 2007 deutlich übertrumpfen. Woran lag’s?

Thomas Richterich: Das liegt zum einen an unserer guten Positionierung im Wachstumssegment von Windenergieanlagen mit mehr als zwei Megawatt Leistung – wir sind vor acht Jahren als erste in den Markt für Großanlagen eingestiegen und verfügen nun über entsprechende Erfahrungen und somit Wettbewerbsvorteile.
Auch die geografische Konzentration auf Volumenmärkte kommt uns entgegen. Wir steigen in der Regel erst in einen Markt ein, wenn wir dort kurzfristig zweistellige Marktanteile erreichen können. Beispiele sind Frankreich, UK und jetzt auch Italien. Zudem setzen wir auf starke Energieversorger und internationale Kraftwerksbetreiber als Kunden. 2007 standen diese für 80 Prozent unserer Umsätze.

An der Börse brach dennoch keine Sektlaune aus, denn eigentlich waren die Ziele noch höher gesteckt. Was hat zu der Abweichung geführt?

Eigentlich hatten wir 2007 mit rund 750 Millionen Euro Umsatz geplant, also genau mit dem, was wir nun erreicht haben. Das Problem war das spätere Anheben dieser Prognose. Hier hat uns zum Jahresende das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Werden Ihre Prognosen künftig vorsichtiger ausfallen?

Ja, hier werden wir in der Tat eine etwas konservativere Informationsstrategie fahren.

Apropos – mit was können Anleger in Zukunft rechnen? Wird Nordex auch künftig schneller wachsen als der Markt?

Vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen bleiben so gut wie bisher, wollen wir jährlich um rund 50 Prozent zulegen. Vor allem durch Skaleneffekte wollen wir die Umsatzrendite von derzeit 5,4 Prozent bis 2011 auf zwölf Prozent hebeln.

Welche Rolle spielt dabei externes Wachstum – die nötige Liquidität für Zukäufe wäre ja vorhanden.

Wir schauen uns ständig nach geeigneten Optionen um, konkrete Übernahmekandidaten gibt es jedoch nicht. Wir verfügen derzeit über rund 210 Millionen Euro Cash. Mit einem Teil davon wollen wir das organische Wachstum finanzieren. Bis 2011 planen wir Investitionen in Höhe von rund 350 Millionen Euro für den Ausbau unserer Werke.

Jüngst konnte Nordex zahlreiche Aufträge aus Südeuropa und Asien ergattern – was machen die Geschäfte in den USA?

Zum Jahreswechsel haben wir zwei Großaufträge aus den USA mit einer Kapazität von rund 220 Megawatt erhalten. Diese Anlagen werden größtenteils in Deutschland gefertigt und in die USA verschifft. Da die Aussichten langfristig jedoch sehr gut sind, planen wir ab 2009 den Bau einer Produktionsstätte vor Ort.

Viele Ihrer Branchenkollegen monieren Materialengpässe seitens der Zulieferer.

In den letzten drei Jahren haben wir es immer geschafft, die notwendigen Komponenten zu beschaffen. Womöglich zahlt sich hier unsere Strategie aus, bei Kernkomponenten wie Getrieben oder Lagern immer auf mehrere Lieferanten zu setzen. Zudem stimmen wir unsere Bedarfe sehr frühzeitig mit unseren Partnern ab.

Gibt es Neuigkeiten von den Großaktionären CMP Fonds und Goldman Sachs?

Wir haben im Mai 2007 veröffentlicht, dass unsere Großaktionäre eine Investmentbank beauftragt haben, um einen möglichen Verkauf ihrer Aktien zu prüfen. Bislang gibt es zum weiteren Prozess nur öffentliche Spekulationen.

Langsam positionieren

Auch wenn das charttechnische Bild noch nicht so richtig überzeugt: Die Wachstumsstory um den Windanlagenbauer ist intakt. Kann Nordex zudem die Margen wie geplant weiter steigern, dürfte der Wert mittelfristig zu alter Stärke zurückfinden. Spekulative Anleger legen sich bereits eine erste Position ins Depot.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 09/2008.

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