- DER AKTIONÄR

"Wachstumskurs neu definieren"

Der Mineralölkonzern OMV tätigte 2004 die größte Auslandsinvestition, die je eine österreichische Firma gewagt hat, und legte jüngst Rekordzahlen vor. Wie es weiter geht, verrät Konzernchef Wolfgang Ruttensdorfer im Interview.

Der Mineralölkonzern OMV tätigte 2004 die größte Auslandsinvestition, die je eine österreichische Firma gewagt hat, und legte jüngst Rekordzahlen vor. Wie es weiter geht, verrät Konzernchef Wolfgang Ruttensdorfer im Interview.

Von Nancy Lanzendörfer

DER AKTIONÄR: Herr Ruttensdorfer, im Dezember 2004 haben Sie den rumänischen Ölkonzern Petrom mehrheitlich übernommen. Bis 2008 erwarten Sie mit "Petrom-neu" ein ertragreiches, wachsendes und sehr profitables Unternehmen zu haben. Wo liegt das Potenzial Ihrer 51-Prozent-Beteiligung?

Wolfgang Ruttenstorfer: Das Potenzial liegt in erster Linie im Upstream-Bereich, also in der Exploration und Produktion. Petrom fördert in diesem Jahr zwischen 210.000 und 220.000 Fass boe/d (durchschnittliche Tagesproduktion, Anm. d. Redaktion) und damit einiges mehr als der OMV-Konzern 2004. Und dort liegt auch das große Potenzial für die Zukunft, weil noch genügend Reserven bei der Petrom vorhanden sind, um auf Jahrzehnte hinaus eine ertragreiche Förderung zu garantieren. Daneben ist aber natürlich auch das Raffinerie- und Vertriebsgeschäft interessant. So ist Rumänien mit 22 Millionen Menschen und einem Ölverbrauch von über zehn Millionen Tonnen der zweitgrößte Markt unter den Erweiterungsländern nach Polen. Schon am 25. Mai mit dem ersten Quartalsbericht wird man sehen, dass Petroms Beitrag zum Konzernergebnis positiv ist. Dann werden wir auch besser abschätzen können, wie hoch dieser im ersten Jahr ausfallen kann - wir sind sicher, dass es bis 2008 ein substanzieller Beitrag zum Konzernergebnis sein wird.

DER AKTIONÄR: Analysten rechnen mit niedrigeren Raffinerie-Margen, Sie auch?

Wolfgang Ruttenstorfer: Ja, das tun wir. Wir sind da an sich sehr konservativ. Wir meinen, dass sich auf der Rohölseite, besonders aber auf der Raffinerie-Margen-Seite, die Situation eher abkühlen sollte. Wir meinen aber auch, dass ein etwaiger Ergebnisrückgang aus diesen Gründen durch die Erstkonsolidierung der Petrom mindestens kompensiert wird. Insofern erwarten wir jedenfalls kein geringeres Ergebnis als im Jahr 2004, aber wir sind auch nicht sehr bullish, was das Ergebnis 2005 anbelangt, weil es noch zu zeitig dafür ist. Aus heutiger Sicht sind wir eher konservativ vorsichtig.

DER AKTIONÄR: Welche Entwicklung erwarten Sie beim Ölpreis?

Wolfgang Ruttenstorfer: Unsere Erwartung ist noch immer eine eher konservative, nämlich dass der Preis im Schnitt unter dem des Vorjahres liegen sollte.

DER AKTIONÄR: Und wie wird sich das bei der OMV auswirken?

Wolfgang Ruttenstorfer: Ein Dollar wirkt sich mit rund 25 Millionen Euro aus - und da ist die Petrom noch gar nicht mit berücksichtigt. Das heißt, ein nachlassender Rohölpreis würde unser Ergebnis zwar reduzieren; wir meinen aber, dass das durch Petrom ausgeglichen werden kann.

DER AKTIONÄR: Wie abhängig ist OMV vom Dollar?

Wolfgang Ruttenstorfer: Der Dollar ist auch ein wesentliches Faktum für uns. Eine Veränderung um zehn Cent bewirkt eine Ergebnisveränderung von 35 Millionen Euro. Das heißt, wenn der Dollarkurs fällt, verschlechtert sich unser Ergebnis, weil das Rohöl in Euro weniger wert wird. Wir erwarten bedauerlicher Weise, dass der Dollarkurs sich eher abschwächt als wieder anzieht.

DER AKTIONÄR: Wo liegt 2005 Ihr Hauptaugenmerk?

Wolfgang Ruttenstorfer: Der Schwerpunkt wird auf der Integration der Petrom liegen. Wir sind aber auch dabei, unser Portfolio leicht zu straffen. Zudem werden wir Vorbereitungen für weiteres Wachstum treffen, weil wir unseren Wachstumskurs 2005 neu definieren und dann auch wieder stärker durch Akquisitionen umsetzen werden. Über ein Engagement in Bosnien wurde noch nicht entschieden. Richtig ist aber, dass wir alle Projekte in der Gegend anschauen und entscheiden, ob wir da mittun oder nicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Weiter auf Wachstumskurs

Seit der Erstempfehlung im aktionär im Februar 2003 notiert die OMV-Aktie bereits 167 Prozent im Plus. Dennoch sind weitere Kurssteigerungen wahrscheinlich. Schließlich haben sich die Österreicher durch die Petrom-Übernahme zusätzliches Wachstumspotenzial erschlossen. Trotz Ölpreis- und Dollar-Schwankungen ist OMV-Chef Ruttensdorfer optimistisch, 2005 ein ähnlich starkes Ergebnis wie im Vorjahr zu erzielen: "Wenn ein kleines Plus davor ist, wäre das erfreulich."

OMV

 

ISIN AT0000743059
Kurs am 04.04.2005 253,20 €
Empfehlungskurs 251,50 €
Ziel 300,00 €
Stopp 198,50 €
KGV 05e 11
Chance/Risiko 3/2

 

Hinweis: Der Artikel ist in Ausgabe #14/05 von DER AKTIONÄR erschienen.

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