DAX
- Thorsten Küfner - Redakteur

"Von einer Blase kann keine Rede sein"

Der DAX nähert sich mittlerweile erneut der Marke von 10.000 Punkten. Ist dies gerechtfertigt oder herrscht an den Märkten bereits wieder zu viel Euphorie? Dieser Frage ging DER AKTIONÄR nach und sprach mit einem Experten für Börsenpsychologie, Mojmir Hlnka von AGFIF International. 

Herr Hlinka, Sie hatten in Ihrem letzten Interview mit dem AKTIONÄR gesagt, die aktuelle Rallye ist eine „gehasste“, da private und auch institutionelle Investoren kaum daran verdient haben. Ist dies Ihrer Ansicht nach auch jetzt noch der Fall?

Diese Aussage trifft immer noch zu. Wir haben gesehen, dass sich die Handelsvorgänge im gesamten europäische Raum eher reduziert haben anstatt zugenommen haben. Und das ist ein ganz klares Zeichen dafür, dass immer noch sehr viele Anleger an der Seitenlinie stehen und das Kapital noch nicht platziert haben. Der Anlagedruck wird also immer größer.

Oftmals waren runde Marken wie etwa die 8.000 Punkte im Jahr 2000 auch der Startpunkt für eine scharfe Korrektur. Sehen Sie diese Gefahr derzeit erneut?

Die großen Marken wie etwa 17.000 Punkten beim Dow Jones oder 10.000 Punkte im DAX haben schon eine sehr große psychologische Wirkung ähnlich wie etwa die Frage, ob etwas 1,99 Euro oder 2,00 Euro kostet. Dieses Phänomen fällt in das Gebiet der Ankerheuristik und geht in etwa Hand in Hand mit dem All-Time-High-Bias, also dem Fehlverhalten der Anleger bei neuen Allzeithochs. Hier meinen die Menschen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes größer ist als eine Fortsetzung des Anstiegs. Darum werden meistens die Umsätze auch etwas dünner. Eigentlich hätte man jetzt davon ausgehen müssen, dass wir jetzt direkt auf 10.200, 10.300 oder gar 10.500 Punkte hochschießen. Das ist nicht passiert und ist sehr gesund zu werten.

In welcher Börsenphase sind wir aktuell: Haben wir schon den Irrationalen Überschwang erreicht?

Wir sind davon deutlich entfernt. Sowohl beim KGV als auch beim Gewinn pro Aktie sind wir noch weit von einer Überreaktion entfernt. Letztendlich sind es ja die Unternehmen, die die Aktienindizes bewegen und somit liegt es klar auf der Hand, dass wir die aktuelle Lage fundamental betrachtet nicht mit der Dotcom-Blase oder dem Crash Ende der Achtziger vergleichen können. Wir befinden uns außerdem immer noch in einer Recovery-Phase nach der Lehman-Pleite. Diese wurde unterbrochen durch die Euro-Krise, Griechenland, Zypern usw. Man muss außerdem festhalten: Der DAX-Kursindex steht bei rund 5.000 Punkten, der Performance-Index bei 9.700 Punkten. Das bedeutet: Die Hälfte des heutigen DAX-Standes wurde verdient und an die Aktionäre ausgeschüttet. Der DAX-Kursindex notiert noch weit unter dem Allzeithoch. Also von einer Überreaktion oder einer Blase kann daher keine Rede sein.

Herr Hlinka, vielen Dank für das Gespräch.

 

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