Aragon
- DER AKTIONÄR

"Trend zur Größe"

Aragon will zu Deutschlands erfolgreichstem Finanzvertrieb aufsteigen. Im Interview mit dem AKTIONÄR zeigt sich Finanzvorstand Ralph Konrad ausgesprochen optimistisch.

Aragon will zu Deutschlands erfolgreichstem Finanzvertrieb aufsteigen. Im Interview mit dem AKTIONÄR zeigt sich Finanzvorstand Ralph Konrad ausgesprochen optimistisch.

Der Aktionär: Herr Konrad, beschreiben Sie uns bitte kurz das Geschäftsmodell der Aragon.

Ralph Konrad: Die Aragon AG ist in den drei Segmenten Retail-Sales, Institutional Sales und Banking Services aktiv und erzielt Erlöse aus Provisionen für die Vermittlung von Finanzprodukten sowie Bankdienstleistungen. Der Retail-Vertriebsbereich unterteilt sich wiederum in die Geschäftsbereiche freie Finanzberater und strukturierte Vertriebe. Ziel ist eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und Vertriebsarten hinweg und eine damit verbundene hohe Stabilität der Unternehmenserträge.

Können Sie uns konkrete Beispiel nennen, weshalb diese breite Diversifikation die Erträge stabilisiert.

Das Finanzgeschäft ist zyklisch, sowohl hinsichtlich der Kundengruppen als auch hinsichtlich der Produkte. Wir sind über beide Bereiche gut diversifiziert. Einen Kursrutsch an der Börse verbunden mit sinkenden Absatzzahlen bei Aktienfonds könnten wir etwa durch den Vertrieb der börsenunabhängigen Geschlossenen Fonds auffangen.

Wie sieht die aktuelle Wettbewerbssituation unter den Finanzvertrieben aus?

Neben den großen Vertrieben wie AWD und MLP haben unseres Erachtens nur ganz wenige die kritische Größe, um im Wettbewerb zu bestehen. Kleinere Vertriebe werden sich zukünftig eher den größeren anschließen. Mit unserem offenen Konzept werden wir am meisten vom Trend zur Größe profitieren, denn diese Unternehmen können Ihre Identität – unter Nutzung unserer Geschäftsabwicklungskapazitäten – erhalten.

Daneben zählen aber auch Banken zu Ihren direkten Konkurrenten.

Richtig. Deutschland ist „overbanked“, aber unterberaten. Die Banken ziehen sich immer mehr vom Kunden zurück und können mit ihren schwerfälligen und teuren Strukturen den Retail-Vertrieb auch nicht erfolgreich bedienen. Die an unsere Tochtergesellschaften angeschlossenen Finanzberater agieren wie selbständige Unternehmer und sind dementsprechend motiviert. Allein bei unserer Tochter Jung, DMS & Cie betreuen unsere Vermittler deutschlandweit mehr als 450.000 Privatkunden. Und jeden Tag gewinnen wir neue Kunden.

Zu Ihren Zahlen: M.M. Warburg erwartet bei Aragon für 2007 bei einem Konzernumsatz von 100 Millionen ein EBITDA von zehn Millionen Euro. Ist diese Zahl nicht sehr ambitioniert?

Nein, eine EBITDA-Marge von zehn Prozent und mehr ist realistisch.

Was ist aus Ihrer Sicht der größte Werttreiber der Aragon?

Mit unserer Tochter Jung, DMS & Cie AG sind wir Servicedienstleister für mehr als 8.000 freie Finanzberater. Diese wickeln aber aktuell im Schnitt nur rund zehn Prozent ihres gesamten Umsatzes über uns ab, da sie nicht exklusiv an uns gebunden sind. Wir arbeiten hart daran, diesen Prozentsatz durch zusätzliche Mehrwertdienste signifikant zu steigern. Gleichzeitig sehen verschiedene gesetzliche Änderungen ebenfalls eine stärkere Bindung der Berater an ihren Pool vor. Dieser Effekt ist in den Planzahlen etwa von Warburg kaum berücksichtigt, da er sehr schwer exakt zeitlich planbar ist. Aber er wird kommen.

Ihre Tochtergesellschaft biw Bank bezeichnet sich als Outsourcing-Bank. Was muss man sich darunter vorstellen?

Die biw Bank ist eine der modernsten Abwicklungsbanken Europas. Sie bietet Finanzdienstleistern die komplette Fondsorder- und Wertpapierabwicklung. Aufgrund der hohen Automatisierung kann sie dabei wesentlich günstiger produzieren als Mitbewerber. Außerdem ist die biw als einzige Bank in Deutschland in der Lage, die Abwicklung komplett im „look and feel“ des Kunden anzubieten, also eine Art „White Label Bank“ zu generieren. Nur so konnte die biw komplexe Outsourcingmandate wie etwa die der beiden Online-Broker etrade und flatex gewinnen. Bis Ende 2006 will die biw bereits über 30.000 Konten bzw. Depots führen und ist damit eine der am schnellsten wachsenden Onlinebanken und eine Perle im Aragon-Konzern.

Wo sehen Sie Aragon in fünf Jahren?

Wir wollen weiter deutlich sowohl organisch als auch durch Akquisitionen wachsen. Eine Verstärkung könnte zum Beispiel ein versicherungslastiger Strukturvertrieb sein oder eine Private-Banking-Einheit. Unser Umsatz sollte in fünf Jahren hoch dreistellig und der Gewinn deutlich zweistellig sein. Wir haben es innerhalb von sehr kurzer Zeit geschafft, einer der großen Finanzvertriebe in Deutschland zu werden, und wir haben nicht vor, unser Tempo zu verlangsamen.

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