- DER AKTIONÄR

"Riecht das Napalm!"

"Heuschreckenbefall" bei IWKA: Gelingt Guy Wyser-Pratte die Zerschlagung des Maschinenbauers? Der Investor mit den knallharten Sprüchen hält nach eigenen Angaben mehr als fünf Prozent des Grundkapitals der IWKA. Seit längerer Zeit ist er unzufrieden mit der Geschäftsentwicklung.

"Heuschreckenbefall" bei IWKA: Gelingt Guy Wyser-Pratte die Zerschlagung des Maschinenbauers?

Von Andreas Deutsch

Deutsche Manager sind derzeit nicht zu beneiden. Nachdem Werner Seifert und Rolf Breuer den Machtkampf gegen den Hedgefonds TCI bereits verloren haben, steht der Vorstand von IWKA auf der Kippe. Der Firmenjäger Guy Wyser-Pratte, im münteferingschen Sinne das Paradebeispiel einer "Heuschrecke", will am 3. Juni der Führungsetage des Maschinen- und Anlagenbauers das Vertrauen entziehen. Sein Ziel ist die Zerschlagung des Konzerns.

Eiskalter Plan

Der Investor mit den knallharten Sprüchen (dem Management eines Unternehmens, an dem er beteiligt war, drohte er einst: "Wacht auf und riecht das Napalm!") hält nach eigenen Angaben mehr als fünf Prozent des Grundkapitals der IWKA. Seit längerer Zeit ist er unzufrieden mit der Geschäftsentwicklung bei dem MDax-Konzern. Zuletzt hatte er auch allen Grund dazu: Nach einem guten Jahr 2004 hat das Unternehmen für 2005 seine Ergebnisprognose nach unten korrigiert. Laut Wyser-Pratte sollte IWKA zerschlagen werden und sich auf die Robotersparte konzentrieren. Was der Raider bezweckt, liegt auf der Hand: Es geht ihm offensichtlich nicht um das Wohl von IWKA, er will einen saftigen Gewinn einstreichen, wenn der Konzern die Verpackungs- und die Automobiltechnik verkauft und die Erlöse an die Aktionäre ausschüttet. Wie der aktionär erfuhr, sollen Krones, MG Technologies und einige Private-Equity-Investoren Interesse an den Sparten haben. Auf einen Erfolg Wyser-Prattes spekuliert offenbar auch die US-Beteiligungsgesellschaft K Capital, die Anfang Mai ihren IWKA-Anteil auf 5,3 Prozent ausgebaut hat. Gelingt der Coup, dürfte die Aktie zunächst deutlich zulegen. Allerdings erscheint eine Konzentration auf die Robotertechnik langfristig wenig sinnvoll, denn diese Sparte hat sich in der jüngsten Vergangenheit eher enttäuschend entwickelt. Scheitert Wyser-Pratte, werden er und voraussichtlich auch K Capital sich höchstwahrscheinlich von ihren Anteilen trennen und damit den Aktienkurs belasten.

Die Wette gilt

Guy Wyser-Pratte weiß, wie man für Kursfantasie sorgt. Ein Investment in IWKA eignet sich allerdings nur für kurzfristig orientierte Anleger mit reichlich Mut zum Risiko. Wegen des relativ hohen Rückschlagspotenzials unbedingt Stoppkurs beachten!

Deutscher Maschinenstahl contra US-amerikanischem harten Hund

IWKA

 

ISIN DE0006204407
Kurs am 23.05.2005 19,40€
Empfehlungskurs 18,50€
Ziel 26,00€
Stopp 15,70€
KGV 06e 9
Chance/Risiko 4/4

 

Ein harter Hund

Guy Wyser-Pratte zählt zu den bekanntesten Firmenjägern der Welt. Studiert hat der gebürtige Franzose Geschichte, bevor er 1962 zu den U. S. Marines ging und in Vietnam kämpfte. 1967 begann er als Portfoliomanager bei Bache Securities. Anfang der 90er-Jahre machte sich Guy Wyser-Pratte selbstständig. Seitdem hat er sich an über 50 Unternehmen beteiligt. Berühmt-berüchtigt wurde er dadurch, dass er Vorstände immer wieder massiv unter Druck setzte. Charakteristisch ist für ihn das Zitat: "Beim Geschäftemachen orientiere ich mich an der Gefechtstaktik der Marines."

Artikel aus DER AKTIONÄR (21/05).

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