- DER AKTIONÄR

"Pionier" im Wachstumsmarkt

Eine gute Positionierung im Wachstumsmarkt Digital-TV und rasante Umsatzzuwächse sprechen für den Börsenaspiranten ADB. Doch überzeugen auch die neuen Aktien? Der Emissionspreis ist ambitioniert.

Eine gute Positionierung im Wachstumsmarkt Digital-TV und rasante Umsatzzuwächse sprechen für den Börsenaspiranten ADB. Doch überzeugen auch die neuen Aktien?

Von Nancy Lanzendörfer

Der nächste Neuzugang an der SWX Swiss Exchange hat sich bereits in einem sich schnell entwickelnden Markt etabliert: Advanced Digital Broadcast (ADB Group), 1995 gegründet, ist einer der führenden Entwickler von interaktiven Geräten und Systemen für kabel-, satelliten- und terrestrisch verbreitetes Digital-TV und beschreibt sich selbst als "ein Pionier im Bereich des digitalen Fernsehens". Die Schweizer bieten zum einen Settop-Boxen und interaktive Anwendungen an. Zum anderen lizenziert das noch junge Standbein Osmosys die Verbindungssoftware von Hardware und Applikationssoftware an verschiedene Anbieter in der Unterhaltungselektronik. Osmosys steuert erst einen kleinen Teil zum Gruppenumsatz bei. Ziel soll es sein, den Anwendungsbereich der Software über den Markt des digitalen TVs auf Taschencomputer und Flachbildschirmfernseher auszuweiten. Zu den Kunden zählen Betreiber von digitalem TV sowie Elektronikkonzerne wie Philips oder der zum Imperium von Silvio Berlusconi gehörende Medienkonzern Mediaset.

100 Prozent Gewinnplus

Dass die ADB Group vom starken Wachstum der Branche profitieren kann, belegen die Zahlen: Seit 2002 kletterte der Umsatz im Durchschnitt um je 66 Prozent, der operative Gewinn verdoppelte sich jeweils. Mit 442 Mitarbeitern erwirtschaftete die Gruppe 2004 ein Umsatzplus von 113 Prozent auf 176 Millionen Dollar. Der Börsengang soll ADB nun mit dem nötigen Kapital ausstatten, um das Wachstum zu beschleunigen. Bisher haben die Genfer eigenen Schätzungen zufolge bei auf der so genannten MHP-Technologie basierenden High-end-Settop-Boxen in Europa einen Marktanteil von 70 Prozent. Der Brutto-Emissionserlös von etwa 80 bis 120 Millionen Schweizer Franken, der dem Unternehmen zufließt, soll das interne Wachstum, die Produktentwicklung sowie Übernahmen finanzieren.

Gut und teuer

ADB zählt sich zu den Technologieführern in der Branche und verlangt für seine Aktien schon gleich einen Preis, der recht hoch gegriffen scheint. Die Marktkapitalisierung liegt deutlich über dem letzten Jahresumsatz. Analysten schätzen den Börsenwert auf 300 bis 380 Millionen, was dem 25- bis 32-fachen des 2004er-Betriebsgewinns entspricht. Damit sind die Titel etwas teurer, als die des Partners Kudelski, der die Verschlüsselungssoftware für ADBs Boxen liefert und mit dem 23fachen des Gewinns bewertet ist.

Limitiert ordern

Da die Aktie in Deutschland nicht gezeichnet werden kann, müssen interessierte Anleger die Erstnotiz abwarten. Zwar spricht die führende Rolle von ADB im Bereich Digital-TV für ein erfolgreiches IPO, allerdings sollte man aufgrund der bereits ambitionierten Bewertung keinen hohen Aufschlag auf den Emissionspreis akzeptieren.

Artikel aus DER AKTIONÄR 18/05

 

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