Pfaff Industrie Maschinen
- DER AKTIONÄR

"Pfaff 2.0"

Eine deutsche Traditionsmarke meldet sich zurück. Pfaff-Finanzvorstand kündigt Jean-Marie Naegele weitere offensive Schritte an und ist für das kommende Jahr sehr zuversichtlich. DER AKTIONÄR hat sich mit dem CFO über die Zukunftsaussichten des Unternehmens unterhalten.

Eine deutsche Traditionsmarke meldet sich zurück. Pfaff-Finanzvorstand kündigt Jean-Marie Naegele weitere offensive Schritte an und ist für das kommende Jahr sehr zuversichtlich. DER AKTIONÄR hat sich mit dem CFO über die Zukunftsaussichten des Unternehmens unterhalten.

DER AKTIONÄR: Herr Naegele, per Ende August überraschte Pfaff mit einem Auftragsplus von 60 Prozent. Worauf ist dieser deutliche Sprung zurückzuführen?

Jean-Marie Naegele: Wir sehen mehrere Faktoren, die alle unter dem Oberbegriff "Pfaff - the new Face" zusammengefasst werden können: überzeugende Messeauftritte wie zum Beispiel auf der IMB 2006 in Köln, die ersten Früchte unserer Innovations- und Produktoffensive, die uns bereits mehrere Auszeichnungen beschert hat, und nicht zuletzt der konsequente Ausbau unserer Präsenz in den strategischen Märkten China und Indien.

Ist dies ein Sommerhoch oder erwarten Sie davon eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung?

Wir gehen nicht davon aus, dass dies ein Sommerhoch ist, sondern vielmehr die ersten konkreten Ergebnisse einer grundlegenden Restrukturierung unseres Unternehmens. Mehrere Projekte sind derzeit in Verhandlung - sowohl in China als auch in Indien. Wir blicken deshalb zuversichtlich in die Zukunft.

Sie haben in der Hauptversammlung mit einer 3-Millionen-Order den größten Einzelauftrag in der Geschichte Pfaffs verkündet. Können Sie uns einige Details nennen?

Der Auftraggeber ist ein führender Textilverarbeiter aus Indien. Es geht um 100 hochwertige Taschenaufnäher der Baureihe 3588, die 2007 und 2008 ausgeliefert werden. An Folgeaufträgen arbeiten wir.

Welche weiteren Trümpfe hat Pfaff in der Hinterhand?

Mit der Entwicklung und der baldigen Markteinführung unserer neuen Baureihe "PowerLine 2235/2545" wird es uns gelingen, unsere Positionierung im sehr wichtigen Marktsegment Autositze und -polster deutlich zu verbessern. Dies wurde bereits im Vorfeld durch den Award des Interzum-Preises 2007 in der Kategorie "Best of the Best" bestätigt.

Wie entwickelt sich der Bereich "Textile Schweißmaschinen", das einstige Sorgenkind?

Der Geschäftsbereich Schweißmaschinen hat bei Pfaff eine große Tradition, wurde allerdings lange vernachlässigt. Die Umstrukturierung des Bereiches, die Eröffnung neuer Anwendungsbereiche sowie eine konsequente Weiterentwicklung unserer Produkte haben uns beim Auftragseingang ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr beschert. Neue Anwendungsbereiche wie zum Beispiel im Bereich der Damenunterwäsche eröffnen sich jeden Tag.

Seit über 15 Jahren wartet die Belegschaft in Kaiserslautern auf den Spatenstich für ein neues Gebäude. Wie lange noch?

Nachdem 2006 die vertraglichen Grundlagen sowie die Finanzierung sichergestellt wurden, werden wir noch in diesem Monat den Vertrag mit einem Generalunternehmen unterzeichnen und danach umgehend mit den Baumaßnahmen beginnen. Neben der Einsparung an Infrastrukturkosten von mindestens einer Million Euro pro Jahr erwarten wir deutliche Produktivitätsgewinne sowie auch eine gesteigerte Motivation in der Belegschaft.

Wie ist Ihr chinesisches Werk in Taicang ausgelastet und wann erreichen Sie dort die Gewinnzone?

Nachdem das Werk in Taicang im Juli 2006 gegründet wurde, konnten wir in einer Rekordzeit bereits im Januar dieses Jahres mit der Produktion der für uns wichtigen Baureihen 335 und 1245 beginnen. Nachdem das Joint-Venture mit unserem chinesischen Nähmaschinenpartner gelöst werden konnte, haben wir dann, im zweiten Quartal 2007, erfolgreich die bereits bestehende Produktion aus unserem Joint-Venture nach Taicang verlagert und haben anschließend aufgrund der großen Nachfrage die tägliche Ausbringung verdoppelt. Weitere neue Anläufe sind innerhalb der nächsten Monate geplant. Operativ profitieren wir bereits aus den Synergien der Zusammenlegung unserer Aktivitäten und sind zuversichtlich, dass wir noch dieses Jahr den Break-even erreichen werden.

Im kommenden Jahr wollen Sie ein deutlich positives EBIT erreichen. Was macht Sie so zuversichtlich?

Einerseits werden 2008 zum ersten Mal auf voller Jahresbasis wesentliche Kostenpositionen wegfallen. Allein im Personalbereich sind dies rund fünf Millionen Euro, hinzu kommen 0,6 Millionen Euro Anlauf- und Umzugskosten in China. Darüber hinaus wird Pfaff mit der geplanten Markteinführung der neuen Baureihe "Powerline 2235/2545" im Automobil- wie auch im Polstermöbelbereich deutlich besser positioniert sein und Marktanteile zurückgewinnen können. Weitere neue Produkte zum Beispiel im traditionell wichtigen Schuhbereich werden folgen. Vor diesem Hintergrund ist 2008 nach Jahren des Rückganges eine Umsatzsteigerung zu erwarten und somit auch - auf Gruppenebene - eine vorprogrammierte Rückkehr zu schwarzen Zahlen. Und dies ohne nennbare Belastung durch Ertragssteuern aufgrund der bestehenden steuerlichen Verlustvorträge.

Was würde dies dann pro Aktie bedeuten?

Neben der geplanten Rückkehr zur Gewinnzone im kommenden Jahr erwarten wir eine weitere deutliche Ertragsverbesserung in 2009. Dies wird sich sicher positiv auf den Aktienkurs auswirken. Haben Sie aber dafür Verständnis, dass wir - aus einer schwierigen Restrukturierungsphase kommend - noch keine definitive Aussage treffen können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Fazit

Die Talfahrt bei Pfaff ist gestoppt. Dies trifft nicht nur auf das operative Geschäft zu, auch der Aktienkurs hat die Wende geschafft. Kann Pfaff in den nächsten Monaten mit weiteren Vertriebserfolgen punkten, dürfte das bisherige Jahreshoch bei drei Euro wieder in Reichweite rücken. Limitiert ordern.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 39/2007.

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| Andreas Deutsch | 0 Kommentare

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