Schmack Biogas
- DER AKTIONÄR

"Nach der HV ging es Schlag auf Schlag"

Statt einem erwarteten operativen Gewinn in Höhe von zwölf Millionen Euro prognostiziert Schmack Biogas für das laufende Geschäftsjahr einen Verlust von sechs Millionen Euro. Diese Meldung hat Anleger wie Analysten schockiert, denn bisher war von den Problemen bei der Biogasfirma nichts bekannt. DER AKTIONÄR hat den Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schmack zu den Hintergründen befragt.

Die überraschende Gewinnwarnung von Schmack Biogas hat zu herben Kursverlusten geführt. Wie geht es jetzt weiter?

Statt einem erwarteten operativen Gewinn in Höhe von zwölf Millionen Euro prognostiziert Schmack Biogas für das laufende Geschäftsjahr einen Verlust von sechs Millionen Euro. Diese Meldung hat Anleger wie Analysten schockiert, denn bisher war von den Problemen bei der Biogasfirma nichts bekannt. DER AKTIONÄR hat den Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schmack zu den Hintergründen befragt.

DER AKTIONÄR: Herr Schmack, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat angekündigt, den starken Abgabedruck der Schmack-Aktie am Tag vor Veröffentlichung der Gewinnwarnung zu untersuchen. Wie erklären Sie sich diese Aktienverkäufe?

ULRICH SCHMACK: Ich habe dafür keine exakte Erklärung. Ich kann aber sicher sagen, dass Insiderverkäufe innerhalb unseres Unternehmens ausgeschlossen sind. Es ist möglich, dass die Meldung des Fachverbandes Biogas zwei Tage zuvor, die bereits von einem Einbruch der Nachfrage im landwirtschaftlichen Sektor um 50 Prozent für das Jahr 2007 berichtete, ebenso dazu beigetragen hat, wie einige Stop-Loss-Empfehlungen bei einem Kurs von 52 Euro.

Auch Sie und Aufsichtsrat Michael Fehn haben im Mai bzw. Juni Aktien verkauft – waren die Probleme im operativen Geschäft damals schon absehbar?

Eine Entwicklung in diesem Ausmaß war damals nicht abzusehen. Kurz nach der HV ging es dann aber Schlag auf Schlag. Sicher geglaubte Aufträge sind aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise weggebrochen beziehungsweise verschoben worden und einige Projekte konnten nicht zu den geplanten Margen abgewickelt werden.

In ihrer Pressemitteilung sehen Sie den branchenweiten Umsatzrückgang im Landwirtschaftssektor als Problem an. Die Vorstände von Envitec und BKN Biogas Nord hingegen betonen, dass das keinerlei Auswirkungen auf ihr Geschäft habe.

Ich will nicht bewerten, inwieweit andere Unternehmen von dieser Entwicklung betroffen sind. Fakt ist, dass der Fachverband Biogas nur zwei Tage vor unserer Meldung die bereits angesprochenen Aussagen getätigt hat. Aber das heißt ja längst nicht, dass jetzt die Branche in Gefahr ist. Im Gegenteil: Die Nachfrage von Seiten der Energieversorgungsunternehmen ist nach wie vor ungebrochen.

Ihr neues Umsatzziel liegt zwischen 140 und 150 Millionen Euro, also nur knapp 15 Prozent niedriger als bisher erwartet – warum wurde die EBIT-Prognose im Verhältnis dazu drastisch gesenkt und wird sogar negativ ausfallen?

Aufgrund des starken Anstiegs der Rohstoffpreise konnten sicher geglaubte Projekte mit Landwirten nicht zum Vertragsabschluss gebracht werden. Der zweite Grund liegt darin, dass wir derzeit technologisch anspruchsvolle Entwicklungen vorantreiben, sowie komplexe Großanlagen der nächsten Generation für Energieversorger errichten. In diesem Bereich ließen sich nicht die Margen realisieren, von denen wir ursprünglich ausgegangen sind. Wir werden es aber mittelfristig schaffen, auch diesen Anlagentyp zu standardisieren und die Margen in diesem Segment zu steigern.

Sie wollen sich künftig verstärkt auf die Zusammenarbeit mit Energieversorgern und den Eigenbetrieb konzentrieren. Wie lange wird es dauern, bis die fehlenden Erträge aus dem Landwirtschaftssektor kompensiert werden und wo liegen hier die Margen?

Immer schon waren die Zusammenarbeit mit Energieversorgern und der Eigenbetrieb wesentliche Fundamente für unseren zukünftigen Erfolg. Dazu gehören die Großprojekte mit E.on ebenso wie unsere Joint Ventures mit den Energieversorgern. Was die Ertragsentwicklung betrifft, gehen wir davon aus, dass 2007 ein Übergangsjahr sein wird und wir im kommenden Jahr deutlich näher an unsere ursprünglichen Margenziele herankommen werden.

Experten gehen von steigenden Rohstoffpreisen aus. Das dürfte auch der Bereich Eigenbetrieb zu spüren bekommen, oder?

Die Rentabilität unserer Anlagen im Eigenbetrieb wäre natürlich bei einem Rohstoffpreisanstieg auch betroffen. Da wir hier vornehmlich Großanlagen errichten, wirkt sich dies weit weniger aus, als bei kleinen landwirtschaftlichen Anlagen. Der Grund dafür liegt darin, dass landwirtschaftliche Kleinanlagen, die bei der Verbrennung des Biogases entstehende Wärme nicht vollständig nutzen. Bei eigenen Anlagen achten wir jedoch darauf, dass wir die Wärme an lokale Abnehmer bestmöglich vermarkten.

Vor Kurzem haben Sie den Bau einer 4-Megawatt-Anlage bekannt gegeben. Handelt es sich dabei mehr um ein Prestigeobjekt, oder sind weitere Anlagen geplant?

Eines ist sicher: Die Investition von Energieversorgungsunternehmen in Biogas ist kein Marketinggag. Die langfristige Perspektive für diese Kundengruppe ist es nach wie vor, sich von ausländischen Erdgaslieferungen unabhängiger zu machen. Und die Biogastechnologie bietet in Deutschland das Potenzial, erhebliche Anteile vom deutschen Erdgasaufkommen zu substituieren. Wir stehen hier erst am Anfang und haben bis heute nicht einmal zehn Prozent dieses Biogaspotenzials in Deutschland erschlossen.

Die jüngsten Ereignisse haben zu einem starken Vertrauensverlust geführt – wie wollen Sie dieses Vertrauen wieder aufbauen?

Unser Ziel muss es natürlich sein, unsere Prognosen für das Gesamtjahr einzuhalten. Der Kapitalmarkt wird sich sehr genau anschauen, wie zuverlässig unserer Planungen tatsächlich sind. Ich denke, wenn wir sukzessive von Quartal zu Quartal eine positive Entwicklung zeigen, werden wir ebenso sukzessive das Vertrauen zurückgewinnen.

Erst einmal abwarten!

Das Konzept des Biogasanlagenbauers klingt plausibel. Dennoch bleibt abzuwarten, ob Schmack die selbstgesteckten Ziele auch gewinnbringend realisieren kann. Zudem hat die Gesellschaft viel Vertrauen bei den Anlegern verspielt. Ein Neueinstieg drängt sich vorerst nicht auf.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 33/2007.

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