- DER AKTIONÄR

"Meine erste Aktie" TEIL 2

Auch im zweiten Teil der Einsteigerserie erklärt DER AKTIONÄR Börsenneulingen die ersten Schritte auf dem Weg zum erfolgreichen Investor.

Wie werde ich Anleger? Auch im zweiten Teil der Einsteigerserie erklärt der aktionär Börsenneulingen die ersten Schritte auf dem Weg zum erfolgreichen Investor.

Im ersten Teil dieser Reihe hat DER AKTIONÄR bereits einige Sachverhalte rund um das Thema "Aktien für Einsteiger" behandelt. Nun wollen wir weitere grundsätzliche Aspekte behandeln.

Von Sebastian Grebe

Ihre Rechte als Aktionär

Als Aktionär stellen Sie einem Unternehmen durch den Erwerb von Anteilen Kapital zur Verfügung. Im Gegenzug sind Sie Miteigentümer dieser Gesellschaft. Als solcher haben Sie ein Stimmrecht auf der jährlichen Hauptversammlung. Das gilt auch, wenn Sie nur eine einzige Aktie besitzen.

Außerdem partizipieren Sie am Erfolg der Firma. Geht es dem Unternehmen gut, so steigt in der Regel die Zahl der Anleger, die sich daran beteiligen möchten. Über den Mechanismus von Angebot und Nachfrage führt dies zu höheren Aktienkursen. Eine weitere Möglichkeit, wie Sie am Unternehmenserfolg teilhaben können: Die AG erzielt Gewinne und reicht diese zum Teil an ihre Eigentümer, also die Aktionäre, weiter. In diesem Zusammenhang spricht man von einer Dividende.

Dividende: Die "Zinsen" für Aktionäre

Als Dividende bezeichnet man die Summe, die ein Unternehmen für das vorangegangene Geschäftsjahr pro Aktie an seine Aktionäre ausschüttet. Sie kann sowohl aus erzielten Gewinnen als auch aus den vorhandenen Mitteln bezahlt werden. Mit anderen Worten: Ein Unternehmen muss nicht unbedingt schwarze Zahlen schreiben, um eine Dividende zu bezahlen. Im Gegenzug ist aber auch keine AG verpflichtet, überhaupt etwas auszuschütten. Die Höhe der Dividende wird im Rahmen der Hauptversammlung von Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagen. Wird der Vorschlag angenommen, erfolgt die Zahlung in Deutschland meistens einen Handelstag später. Im Ausland bestehen oftmals andere Regelungen, interessierte Anleger sollten sich also vorher informieren.

Der Kaufzeitpunkt ist entscheidend

An dem Tag, an dem die Dividende ausgeschüttet wird, notiert die Aktie "ex-Dividende", der Kurs ist also um den Betrag der Ausschüttung pro Aktie reduziert. Hier liegt auch die Antwort auf eine oft gestellte Frage: "Wann muss ich eine Aktie im Depot haben, wenn ich die Dividendenzahlung erhalten möchte?" Nur Anleger, die den "Verlust" durch den Dividendenabschlag erleiden, kommen auch in den Genuss der Ausschüttung. Somit sollten Sie spätestens am Vorabend des "ex-Dividende"-Tages Aktionär des Unternehmens sein. Vorsicht: Bei ausländischen Unternehmen müssen Sie eine längere "Vorlaufzeit" einkalkulieren, da zwischen dem Kauf und der Gutschrift (Valuta) einige Tage vergehen können.

Warum Dividendenaktien?

Durch die Dividendenzahlung machen Anteilseigner der Gesellschaft keinen Gewinn - schließlich wiegt die Ausschüttung exakt den rechnerischen Kursverlust auf. Warum sind solche Aktien dennoch interessant? In der Regel beweist eine Dividendenzahlung, dass ein Konzern profitabel arbeitet. Die Aktien profitabler Unternehmen, die an ihre Anteilseigner eine Dividende ausschütten, neigen auch zu einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung. Die Kursverluste durch die Dividendenzahlung werden meistens schnell wieder wettgemacht. Anleger können sich also im günstigsten Fall sowohl über steigende Notierungen als auch über eine attraktive Dividendenrendite freuen.

Dividendenrendite

Diese gibt an, wie viel Prozent des Aktienkurses als Dividende ausgeschüttet werden. Je höher die Dividendenrendite ist, umso günstiger ist die Aktie bewertet. Wichtig für Anleger: Dividendeneinnahmen werden in Deutschland nach dem Halbeinkünfteverfahren besteuert.

Verschiedene Aktienarten

In Zusammenhang mit Stimmrecht und Dividende sind die verschiedenen Aktienarten interessant. Grundsätzlich wird zwischen Stammaktien und Vorzugsaktien unterschieden. Häufig haben Vorzugsaktien kein Stimmrecht, erhalten aber eine höhere Dividende. Daneben gibt es die Unterteilung in Stückaktien, Namensaktien und vinkulierte Namensaktien. Stückaktien sind "anonym". Bei Namensaktien werden die Daten der Eigentümer in ein Aktienbuch eingetragen, die Gesellschaft "kennt" ihre Eigentümer also. Die Übertragung vinkulierter Namensaktien ist an die Zustimmung der Gesellschaft gebunden. Die Vinkulierung soll verhindern, dass die Anteile an Aktionäre verkauft werden, die die Gesellschaft nicht "im Boot haben" möchte und ist auch ein probates Mittel gegen Übernahmen. Diese Aktienart ist allerdings sehr selten geworden.

Ausgewählte Aktien ergeben einen Index

Wenn in den Medien über die Börse berichtet wird, dann meist zuerst über Indexstände. Ein Index ist im Prinzip nichts anderes als eine Zusammenfassung von Aktien eines Landes oder Marktsegments zu einer einzigen aussagekräftigen Kennzahl. Wichtige länderspezifische Indizes sind der Dax in Deutschland, der FTSE 100 in Großbritannien, der Dow Jones Industrial Average in den USA oder der Nikkei in Japan. Bekannte Branchenindizes sind beispielsweise der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) oder der Amex Biotech Index (BTK). Im SOX sind die wichtigsten Halbleiterunternehmen der USA zusammengefasst, der BTK enthält die größten US-Biotechnologieaktien.

Grundlagen: Das müssen Sie wissen

Was ist eine Aktie?

Eine Aktie ist ein Wertpapier, das seinem Eigentümer den Anteil an einem Unternehmen verbrieft. Rechtsformen, die Aktien ausgeben dürfen, sind die Aktiengesellschaft (AG) und die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA).

Wie viele Aktien eines Unternehmens gibt es?

Eine Aktiengesellschaft ist eine juristische Person, die mit ihrem so genannten Grund- oder Stammkapital haftet (daher auch der Name "Kapitalgesellschaft" für derartige Rechtsformen). In Deutschland ist zur Gründung einer AG ein Stammkapital in Höhe von mindestens 50.000 Euro nötig. Bei der Gründung wird gleichzeitig festgelegt, wie viele Aktien es geben soll - oder anders gesagt: in wie viele Anteile das Grundkapital gestückelt wird. Der Anteil einer Aktie am Grundkapital ergibt den so genannten "Nennwert" pro Aktie. Vorsicht: Dieser stellt weder den fairen Wert des Unternehmens dar, noch ist er mit dem Aktienkurs zu verwechseln. Letzterer wird durch Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt.

Ab an die Börse

Die Anteile einer AG werden nicht automatisch an der Börse gehandelt. Dazu muss die Gesellschaft einen "Börsengang" (englisch: Initial Public Offering - IPO) durchführen. Das geschieht mithilfe einer oder mehrerer Banken, den so genannten Konsortialbanken. Diese legen die Bookbuildingspanne fest, also den Preisrahmen, in dem die ausgegebenen Aktien platziert werden sollen. Interessierte Anleger können im Vorfeld des Börsengangs im Rahmen dieser Spanne bei ihrer depotführenden Bank ein Angebot abgeben. Man spricht hierbei vom "Zeichnen". Besteht innerhalb der Zeichnungsfrist nur wenig Interesse, so kann ein Börsengang abgesagt werden. Bei hoher Nachfrage kann es dagegen passieren, dass mehr Aktien gezeichnet werden als verfügbar sind. Dann spricht man von einer Überzeichnung. In diesem Fall werden die Aktien zu einem Preis ausgegeben, der dem oberen Ende der Bookbuildingspanne entspricht. Damit ist der Weg für einen erfolgreichen Börsengang und steigende Kurse frei.

Artikel aus DER AKTIONÄR (24/05).

 

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