- DER AKTIONÄR

"Meine erste Aktie"

Für Geldanlage, Vermögensaufbau und Alterssicherung existieren statistisch gesehen kaum bessere Instrumente als Aktien und Aktienfonds. Wie werde ich Anleger? DER AKTIONÄR erklärt Börsenneulingen die ersten Schritte auf dem Weg zum erfolgreichen Investor.

Wie werde ich Anleger? DER AKTIONÄR erklärt Börsenneulingen die ersten Schritte auf dem Weg zum erfolgreichen Investor.

Von Sebastian Grebe

In Zeiten, in denen die Rente alles andere als sicher ist und das Sparbuch kaum noch Zinsen abwirft, nehmen immer mehr Verbraucher den Kapitalmarkt als interessante Alternative wahr. Für Geldanlage, Vermögensaufbau und Alterssicherung existieren statistisch gesehen kaum bessere Instrumente als Aktien und Aktienfonds. Einziges Problem: Potenzielle Investoren sehen sich zwar mit einer Fülle verschiedener Ratgeber, Produkte und Anlagetipps konfrontiert - Informationen zu den wirklichen "Basics" sind allerdings rar. DER AKTIONÄR schafft Abhilfe und erklärt die allerersten Schritte auf dem Börsenparkett:

Das eigene Depot

Wenn Sie Aktien erwerben möchten, benötigen Sie zunächst ein Depot, in dem Ihre Wertpapiere virtuell verwahrt werden. Ein solches können Sie direkt bei Ihrer kontoführenden Hausbank eröffnen. Der Vorteil: Sie erhalten auf Anfrage auch eine Anlageberatung. Der Nachteil: Zumeist sind die Kosten ziemlich hoch. Eine Alternative sind so genannte Discount- oder Onlinebroker. Diese sind meistens günstiger als die Hausbanken, allerdings bieten sie keine Beratung.

Wo und wann kann ich kaufen?

Der Erwerb von Aktien geschieht im Regelfall über die Börse. Die wichtigsten Börsenplätze in Deutschland sind die Parkettbörse in Frankfurt und die elektronische Handelsplattform XETRA. In Frankfurt können Sie Aktien wochentags von 9.00 bis 17.30 Uhr handeln, auf XETRA ist der Handel bis 20.00 Uhr möglich. Den Kauf einer Aktie wickeln Sie über Ihren Broker oder über Ihre Bank ab. Das geschieht im Regelfall per Telefon oder per Internet.

Wichtige Daten

Damit Ihr Broker Ihren Auftrag an die Börse weiterreichen kann, benötigt er von Ihnen einige Angaben. Als erstes ist natürlich wichtig, welche Aktie Sie kaufen möchten. Neben dem Namen der Gesellschaft ist jedes Wertpapier durch eine Wertpapierkennnummer (WKN) sowie eine so genannte ISIN eindeutig identifizierbar. Weitere Informationen, die Sie Ihrem Broker geben müssen, sind Stückzahl, Limit und Gültigkeitsdauer der Order.

Stückzahl

"Wie viele Aktien muss ich mindestens kaufen? " Die Antwort auf diese oft gestellte Frage lautet: eine. Es gibt bei Aktien kein Mindestkontingent, das Sie abnehmen müssen. Allerdings ist es unter Renditeaspekten sinnvoll, zumindest in der Größenordnung von zwei- bis dreitausend Euro zu investieren. In Verbindung mit dem aktuellen Aktienkurs ergibt die von Ihnen georderte Stückzahl den ungefähren Wert Ihrer Order. Das nötige Geld sollte auf Ihrem Verrechnungskonto verfügbar sein, das Sie in der Regel direkt bei Ihrem Broker führen.

Gültigkeit

Die Gültigkeitsdauer einer Kauf- oder Verkauforder beträgt normalerweise einen Handelstag. Soll Ihr Auftrag länger bestehen bleiben, müssen Sie dies extra angeben. Sie können die Gültigkeitsdauer bis zu einem bestimmten Termin verlängern oder auch "unendlich" lange laufen lassen. In diesem Fall bleibt die Order so lange bestehen, bis sie ausgeführt wird. Das nennt man "ultimo". Eine Variante ist das englische "Good till cancelled" (GTC). Hier bleibt die Order bestehen, bis Sie ausgeführt wird oder Sie selbst sie wieder stornieren. Achtung: Für "Extrawünsche" wie Limits oder Streichungen berechnen viele Broker gerne Extragebühren.

Wie kommt ein Kurs zustande?

An der Börse treffen sich Käufer und Verkäufer. Wie immer im Wirtschaftsleben bestimmen auch hier Angebot und Nachfrage den Preis. An der Börse gibt es für jedes Wertpapier immer zwei aktuelle "Preise": das höchste Kaufangebot und die niedrigste Verkaufofferte. Der Preis des höchsten Kaufangebots wird "Geld-Kurs" (englisch: "bid") genannt. Der Preis des niedrigsten Verkaufangebots wird "Brief-Kurs" oder englisch "ask" genannt. Ein Beispiel: Käufer A ist bereit, 100 Stück der Aktie X für maximal 9,80 Euro zu kaufen. Verkäufer B ist bereit, 100 Stück der Aktie X für minimal 10,20 Euro zu verkaufen. Im Fachjargon sagt man dann: "Bei Aktie X stehen 100 Stück für 9,80 auf der Geldseite und 100 Stück für 10,20 auf der Briefseite." In diesem Fall kommt natürlich kein Kurs zustande. Angenommen, Käufer C ordert nun 80 Stück der Aktie X unlimitiert, dann kauft er zum aktuellen Brief-Kurs von 10,20. In diesem Moment ist eine Transaktion und somit ein Kurs zustande gekommen. Nun stehen nur noch 20 Stück der Aktie X zu 10,20 Euro auf der Briefseite. In der Realität werden bei den meisten Aktien permanent sehr viele Kauf- und Verkaufsorders platziert, so dass im Regelfall immer zueinander passende Orders vorliegen. Diese Orders zusammenzuführen ist die Aufgabe des Maklers. Er soll Geld- und Briefkurse so stellen, dass möglichst viele anstehende Orders ausgeführt werden können. Somit kommen bei großen Werten jeden Tag mehrere hundert Kurse zustande.

 

Artikel aus DER AKTIONÄR (23/05).

 

Lektüre für Einsteiger

Basics:

Im "Aktien-Einsteiger-Buch" von Stefan Horn werden die Fragen von Börsenneulingen detailliert und verständlich beantwortet. Eine Alternative ist der "Schnellkurs Aktien" von Dennis Winkler. Ein Klassiker ist "Das ist die Börse" von Altmeister Andre Kostolany. Es stammt aus dem Jahr 1999, kann Börsenneulingen aber immer noch wertvolle Hilfestellungen liefern. Unverzichtbar für jeden Investor ist auch ein gutes Nachschlagewerk, beispielsweise das "Börsenlexikon" von Udo Hielscher, Jürgen Singer und Michael Grampp.

Charttechnik: Jeder Anleger sollte zumindest die Grundlagen der technischen Analyse kennen. Der Klassiker ist "Technische Analyse der Finanzmärkte" von John J. Murphy. Ebenfalls für Einsteiger interessant ist "Candlestick-Charttechnik" von Thomas Gebert. Wer sich tiefer in die Materie "hineingraben" möchte, dem legt DER AKTIONÄR "Technische Analyse mit Candlesticks" von Steve Nison sowie "Das große Buch der technischen Indikatoren" von Harald Nietzer und Wolfgang Lindner ans Herz.

Erfahrungsberichte:

In seinem Bestseller "Beherrsche den Markt!" beschreibt Michael Parness, wie er als Anleger zunächst fast alles verlor, doch dann mit den richtigen Methoden an der Börse zum Millionär wurde. Die beiden Bände der "Magier der Märkte" bieten den Erfahrungsschatz der besten Trader der Welt. Für Anleger, die ein wenig hinter die Kulissen blicken möchten, ist "Bekenntnisse eines Wall-Street-Süchtigen" die richtige Lektüre.

 

Limit + Co.

Wenn Sie eine Kauf- oder Verkauforder nicht limitieren, dann wird sie zum nächsten Kurs ausgeführt. Die Fachbegriffe lauten "billigst" beim Kauf und "bestens" beim Verkauf. Im anglo-amerikanischen Raum spricht man von einer "Market-Order". Durch ein Limit legen Sie den Kurs fest, den Sie mindestens erzielen oder maximal bezahlen wollen. Dazu gibt es noch einige "Spezialitäten":

Kauflimit: legt fest, wie viel Sie maximal pro Aktie bezahlen wollen. Wird Ihr Limit für die Dauer Ihrer Order nicht erreicht, so bekommen Sie auch keine Aktien.

Verkauflimit: legt fest, wie viel Sie mindestens pro Aktie bekommen möchten. Wieder verfällt die Order, wenn Ihr Limit nicht erreicht wird.

"Abstauberlimit": Kauflimit, dass Sie knapp oberhalb einer wichtigen technischen Marke platzieren, wenn Sie glauben, dass der Aktienkurs noch einmal zurückkommt.

Stop-Loss: Verkauflimit zur Absicherung. Ein Stop-Loss legt fest, dass die Aktie bei Berühren oder Unterschreiten der Stop-Loss-Marke verkauft wird. Achtung: Der Verkauf erfolgt "market". Eine Kombination aus Stop-Loss und Verkauflimit ist nicht möglich.

Stop-Buy-Limit: Kauflimit, mit dem Sie in steigende Kurse hinein kaufen. Legt fest, dass Sie die Aktie "market" kaufen wollen wenn ein bestimmter Kurs erreicht oder überschritten wird.

 

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