- DER AKTIONÄR

"In Deutschland besteht weiterhin Nachholbedarf"

Wenngleich nicht alle Aktien, die es erst seit diesem Jahr auf dem Kurszettel gibt, im Plus notieren, lässt sich mit Neuemissionen wieder Geld verdienen. Und der IPO-Markt wird spannend bleiben - meint auch Ralf Hellfritsch, seines Zeichens Director Corporate Finance bei Concord Effekten. DER AKTIONÄR hat ihn zu den weiteren Perspektiven des IPO-Marktes in Deutschland befragt.

Wenngleich nicht alle Aktien, die es erst seit diesem Jahr auf dem Kurszettel gibt, im Plus notieren, lässt sich mit Neuemissionen wieder Geld verdienen. Und der IPO-Markt wird spannend bleiben - meint auch Ralf Hellfritsch, seines Zeichens Director Corporate Finance bei Concord Effekten. DER AKTIONÄR hat ihn zu den weiteren Perspektiven des IPO-Marktes in Deutschland befragt.

DER AKTIONÄR: Herr Hellfritsch, ein Wort zum Neuemissionsgeschehen allgemein im In- und Ausland: Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Entwicklung?

Ralf Hellfritsch: Derzeit zeigt sich in Deutschland wieder ein zunehmendes Interesse institutioneller Anleger an Small- und Midcaps, was sich sowohl an der gestiegenen Anzahl von Börsennotierungen als auch an der Anzahl erfolgreicher Sekundärmarktplatzierungen kleinerer Unternehmen zeigt. Im Vergleich zu den wichtigen ausländischen Neuemissionsmärkten besteht in Deutschland weiterhin Nachholbedarf.

Geht der Trend Ihrer Meinung nach eher zu einfachen Notierungsaufnahmen, wie wir es zuletzt bei Studio Babelsberg & Co gesehen haben?

Es gibt keinen Trend, aber ein zunehmendes Interesse von Unternehmen an einer Freiverkehrseinführung; diese Entwicklung sollte nach Einführung des neuen Segmentes im Freiverkehr und der damit verbunden Marketingoffensive der Deutsche Börse zunehmen. Die reine Notierungsaufnahme führt lediglich dazu, dass die Anteile über die Börse gehandelt werden können. Für viele Unternehmen ist aber gleichzeitig auch die Aufnahme frischen Kapitals von hohem Interesse, das heißt der klassische IPO.

Mit wie vielen Börsengängen rechnen Sie in diesem Jahr insgesamt noch in Deutschland oder mit wie vielen IPOs?

Für das Jahr 2005 rechnen wir noch mit insgesamt circa fünf weiteren IPOs in organisierte Märkte (Geregelter/Amtlicher Markt). Daneben wird es sicherlich noch mehrere Emissionen im Freiverkehr sowie einige reine Notierungsaufnahmen, hauptsächlich im Freiverkehr, geben.

Ist Concord Effekten auch dabei?

Nach der Passauer Inticom Systems AG im November 2004 (Geregelter Markt/Prime Standard) begleiten wir aktuell den Börsengang der ifa systems AG (Freiverkehr; freiwillige Verpflichtung zur Einhaltung bestimmter Transparenzkriterien).

Wie stehen Sie dem neuen Segment der Deutschen Börse für Privatplatzierungen mit ähnlichen Regeln wie im Freiverkehr gegenüber? Erachten Sie dies als sinnvoll?

Generell begrüßen wir Maßnahmen der Deutsche Börse zur Stärkung des Neuemissionsmarktes in Deutschland, speziell die Einrichtung eines Segmentes für Small- und Midcaps. Dieses bietet jungen Wachstumsunternehmen die Chance, handelbare Anteile zu platzieren sowie Kapital über den Kapitalmarkt aufzunehmen. Gleichzeitig führen die geringeren Transparenzanforderungen gegenüber den geregelten Marktsegmenten zu geringerem Verwaltungsaufwand und damit auch zu einer geringeren Kostenbelastung für die Unternehmen. Dennoch sollten auch die Informationsbedürfnisse der Anleger berücksichtigt werden. Daher begrüßen wir es, wenn über die Offenlegungspflichten im Freiverkehr die Unternehmen weitere Transparenzkriterien erfüllen müssen.

Das Interview führte Nancy Lanzendörfer.

 

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