Morphosys
- DER AKTIONÄR

"Hohe Zahl an Projektneustarts"

Morphosys hat mit Novartis einen milliardenschweren Kooperationsvertrag geschlossen. Für die zehnjährige Laufzeit rechnet Morphosys mit einer dreistelligen Anzahl neuer Programme. DER AKTIONÄR im Gespräch mit Morphosys-Vorstandschef Dr. Simon Moroney.

Morphosys hat mit Novartis einen milliardenschweren Kooperationsvertrag geschlossen. Für die zehnjährige Laufzeit rechnet Morphosys mit einer dreistelligen Anzahl neuer Programme.

Morphosys hat die größte Kooperation seiner Geschichte bekannt gegeben. Geplant ist eine auf zehn Jahre ausgelegte Allianz mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis. Ziel des Projekts ist es, eine Vielzahl von therapeutischen Antikörpern zu entwickeln. Dieser Deal eröffnet Morphosys ein Umsatzpotenzial von mehr als einer Milliarde Dollar. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät der Vorstandschef Dr. Simon Moroney die Einzelheiten.

DER AKTIONÄR: Was ist das Ziel des Deals und was bringt dieser Morphosys?

DR. SIMON MORONEY: Das Ziel des Vertrags für beide Seiten ist, eine umfangreiche Pipeline an Antikörpermedikamenten zu schaffen. Das ist für uns wichtig, aber auch für Novartis. Für Morphosys bedeuten die hohen zugesicherten Zahlungen von Novartis enorme strategische Flexibilität und die Möglichkeit, unsere eigene Medikamentenentwicklung zu intensivieren. Durch diesen Vertrag haben wir die Vorteile, die uns eine breite Pipeline an Partnerprogrammen bringt, langfristig gesichert und das gibt uns finanzielle Sicherheit.

Warum wurde gerade Novartis als Partner gewählt?

Wir arbeiten seit drei Jahren zusammen und die bisherige Zusammenarbeit war äußerst produktiv. Sichtbarster Beweis hierfür ist, dass das erste Projekt, das Novartis mit unserer Technologie verfolgt hat, binnen drei Jahren den Weg in die klinische Entwicklung schaffte. Kein anderer Partner war je so schnell. Sie teilen unsere Überzeugung im Hinblick auf das Potenzial von Antikörpern als Medikamentenklasse.

Ist die Konzentration auf einen Partner nicht risikoreich?

Nein. Zunächst einmal laufen unsere bestehenden Verträge mit anderen Partnern nicht über Nacht aus. Einige laufen bis 2011. Zahlreiche Vertragspartner haben dabei weiterhin die Möglichkeit, therapeutische Antikörperprogramme zu starten, wenn das zugrundeliegende Zielmolekül verfügbar ist – die seit jeher geltende exklusive Vergabe von Lizenzen für diese Projekte bleibt unverändert bestehen. Der eigentliche Werttreiber für uns aus dem Partnergeschäft sind Partnerprojekte, Medikamentenentwicklungen also, bei denen wir am Erfolg beteiligt bleiben, das Risiko jedoch nicht mittragen. Wichtiger als mit welchem Partner, ist die Tatsache, dass jetzt über die kommenden Jahre eine hohe Zahl an Projektneustarts erfolgen soll.

Was haben Sie mit den Einnahmen vor?

Die Einnahmen erlauben es uns, stärker in den Bereich der firmeneigenen Medikamentenentwicklung vorzudringen. Hier, in eigener Produktentwicklung liegt das größte Gewinnpotenzial unsere Technologie. Wir sind dabei aber weiterhin auf ein ausgewogenes Chance/Risko-Profil bedacht. Umso wichtiger ist es, dass wir durch die Option der Mitentwicklung unsere Fähigkeiten, Medikamente selbst zu entwickeln, mit Novartis als erfahrenen Partner an der Seite weiter aufbauen können.

Nachdem Novartis sich schon vor einiger Zeit mit sieben Prozent an Morphosys beteiligt hat, sehen einige Marktteilnehmer die Erweiterung der Kooperation als weiteren Schritt in Richtung Komplettübernahme von Morphosys durch Novartis. Wie stehen Sie dazu, wollen Sie mit Morphosys weiterhin eigenständig bleiben mit einer eigenentwickelten Medikamentenpipeline?

Absolut. Wir sehen eine starke unabhängige Zukunft für Morphosys. Wir behalten trotz der engen Zusammenarbeit unsere Unabhängigkeit bei. Es gibt beispielsweise keinen Aufsichtsratssitz für Novartis im Rahmen des Vertrags. Ein weiterer anschaulicher Punkt sind unsere firmeneigenen Programme der MOR-Serie, die wir, wenn wir sie später ebenfalls in eine Partnerschaft einbringen wollen, nicht zwangsweise an Novartis geben müssen. Wer für die weitere Entwicklung dieser Programme als Partner gewählt wird, bleibt ein von Wettbewerb geprägter Prozess. Insgesamt haben wir also zahlreiche Optionen, die Firma außerhalb der Kooperation und unabhängig von Novartis weiter aufzubauen.

Wie kommen Sie mit der Entwicklung der eigenen Pipeline voran? Welche Schritte planen Sie hier in den kommenden Monaten?

Bis Ende des Jahres wollen wir alle Vorbereitungen für den Start einer Phase-1-Studie der klinischen Entwicklung mit MOR103, unserem Antikörper zur Behandlung von Rheumatoider Arthritis, abgeschlossen und den Antrag zum Start einer Phase-1-Studie eingereicht haben. Für MOR202 haben wir den geeigneten Kandidaten ausgewählt, um das Programm 2008 in Richtung Klinik weiterzubringen.

Wann denken Sie, könnte das erste Medikament auf den Markt kommen, das auf einem mit der Morphosys-Technologie entwickelten Antikörper basiert?

Vier unserer Projekte mit Partnern sind bereits in der Klinik. Realistisch wird der Weg bis zu einem fertigen Medikament noch vier bis sechs Jahre dauern.

Fazit

Nach Bekanntgabe des Deals hat die Morphosys-Aktie bereits deutlich zugelegt. Die Tragweite wurde vom Markt aber noch nicht ausreichend gewürdigt. In Anbetracht der außerordenlichen Chancen, welche die Kooperation für Morphosys mit sich bringt, bietet das aktuell leicht zurückgekommene Kursniveau für langfristig orientierte Anleger eine hervorragende Einsteigschance.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 51/2007.

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| Werner Sperber | 0 Kommentare

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