BKN biostrom
- DER AKTIONÄR

„Hervorragend positioniert“

Seit der Gewinnwarnung von Schmack sind Biogasfirmen in Verruf geraten. Auch BKN Biokraftstoff Nord konnte das Vertrauen der Anleger noch nicht zurückgewinnen. Im Interview mit DER AKTIONÄR erklärt BKN-Vorstandschef Ulrich Wogart, warum sein Unternehmen seiner Meinung nach zu Unrecht abgestraft wurde.

Seit der Gewinnwarnung von Schmack sind Biogasfirmen in Verruf geraten. Auch BKN Biokraftstoff Nord konnte das Vertrauen der Anleger noch nicht zurückgewinnen. Im Interview mit DER AKTIONÄR erklärt BKN-Vorstandschef Ulrich Wogart, warum sein Unternehmen seiner Meinung nach zu Unrecht abgestraft wurde.

DER AKTIONÄR: Herr Wogart, bei der jüngsten Kapitalerhöhung war die Ausgabe von bis zu 1,27 Millionen neuen Aktien geplant - 0,5 Millionen wurden letztlich platziert. Woran lag die Zurückhaltung der Investoren?

Ulrich Wogart: Die Erlöse aus der Kapitalerhöhung ermöglichen uns nun, unser Wachstum noch intensiver voranzutreiben und geplante Projekte in unserer wachstumsstarken Biogas-Sparte zu entwickeln und zu verkaufen. Sicherlich war das Marktumfeld in den vergangenen Wochen allgemein etwas problematisch. Die Aktie der BKN Biokraftstoff Nord AG hat sich aber trotz dieser Widrigkeiten in dieser Zeit als sehr widerstandsfähig erwiesen. Wir werden nun sehen, ob die aktuelle Entwicklung der Leitzinsen zu einer dauerhaften Marktberuhigung führen wird.

Brutto sind rund 5,5 Millionen Euro an BKN geflossen. Wie hoch ist der Nettozufluss und wofür genau wird das Geld verwendet?

Mit den frischen Mitteln von rund 5,35 Millionen Euro wird die BKN bereits genehmigte Biogas-Projekte zukaufen. Hier fällt die langwierige Planungs- und Entwicklungsphase weg, sodass wir unmittelbar mit dem Bau beginnen und die Anlagen noch früher verkaufen können. Die Umsätze werden schneller erzielt und die positive Ergebnisplanung beschleunigt.

Nachdem die Biogasfirma Schmack zuletzt Anleger enttäuschte, haben nun auch Biokraftstoffhersteller wie Verbio oder Petrotec ihre Prognosen gesenkt. Können Sie sich mit BKN von diesem Trend abkoppeln?

Das Geschäftsmodell der BKN ist vollkommen anders als das der genannten Unternehmen. Unsere Kunden sind einerseits institutionelle Anleger, die ganze Pakete an Biogasanlagen bei uns bestellen. Wir sind als Projektierer und Generalunternehmer mit einem standardisierten Produkt risikoärmer und margenstärker positioniert. Zusätzlich sind wir in Endverhandlungen für Großaufträge in Zusammenarbeit mit Energieversorgungsunternehmen. Hier bereiten wir mit unseren Anlagen Biogas zu Erdgasqualität auf und können das dann dezentral in die Gasnetze einspeisen. Unser Biogasgeschäft ist sehr wachstumsstark, das Biodieselgeschäft spielt eine immer geringere Rolle. Insofern sind wir hervorragend positioniert.

Wenn man die Säuerung der Böden, den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden und den Verlust von Biodiversität in Betracht ziehe, könne der Einsatz von Ethanol und Biodiesel für die Umwelt schädlicher sein als der von Benzin und mineralischem Diesel, erklärte die OECD. In Folge rät sie den Regierungen, die Subventionen für die Branche zu kürzen. Die Strategie, ins Ausland zu expandieren wäre also keine hinreichende Lösung des deutschen Angebotsüberhanges. Wie reagieren Sie darauf?

Die OECD unterstellt in ihrer Betrachtung, dass landwirtschaftliche Flächen ausschließlich zur Produktion von Bioenergie zur Verfügung stehen und daraus eine negative Ökobilanz zu ziehen sei. Dies ist aber nicht der Fall. In der Vergangenheit und auch in Zukunft werden landwirtschaftliche Flächen zum Anbau von Rohstoffen für die Lebens- und Futtermittelindustrie genutzt, die den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden notwendig machen, um ausreichende Erträge zu erzielen.Diese grundlegenden Bedingungen der Landwirtschaft wurden und werden durch den Anbau nachwachsender Rohstoffe nicht verändert. Somit kann es auch keinen einseitigen negativen Einfluss auf die Ökobilanz geben. Betrachtet man zusätzlich die Schadstoffemissionen der fossilen Brennstoffe würde sich die Gesamt-Ökobilanz zu Gunsten von Biodiesel und Ethanol verändern.

Insofern ist hier keine ernsthafte Handlungsempfehlung seitens der OECD zu erkennen. Diese wird auch seitens der Verantwortlichen in der Legislative nicht ernsthaft diskutiert. Wir halten daher an unserer Strategie für die BKN Biokraftstoff Nord AG fest und richten unseren Fokus auf die Stärkung des Geschäftsfeldes Biogas.

Jüngst konnte BKN einen Auftrag zum Bau von zehn Biogasanlagen in Potsdam an Land ziehen. Abgesehen vom Umsatz in Höhe von 26 Millionen Euro für BKN - rentieren sich solche Anlagen eigentlich?

Zunächst einmal sind wir über diesen Vorvertrag sehr erfreut. Für uns bedeutet dies einen wichtigen Schritt, unser Know-how und unsere Kompetenz in einem ganzheitlichen Projekt beweisen und umsetzen zu können. Von der Biogaserzeugung, der Aufbereitung zu Erdgasqualität bis hin zur dezentralen Strom- und Wärmeversorgung unter Einbeziehung neuester zukunftsweisender Technologien wie des Einsatzes der Brennstoffzelle und der thermochemischen Vergasung sind wir hier zusammen mit weiteren Partnern in einem richtungsweisenden Projekt tätig. Die heutigen Rahmenbedingungen bieten eine ausreichende Tragfähigkeit für eine interessante Wirtschaftlichkeit.

Generiert das Projekt Folgeerlöse in Form von Wartungsaufträgen?

Wie auch in anderen von uns entwickelten Projekten übernehmen wir die langfristige technische und kaufmännische Betriebsführung und generieren entsprechende Wartungs- und Serviceumsätze.

Sind weitere Aufträge dieser Art zu erwarten?

Dieser Standort soll durchaus die Basis für weitere derartige Projekte sein. Letztlich entscheidet aber der Markt darüber, d.h. unsere potentiellen Kunden.

Wo sehen sie derzeit die größte Nachfrage - aus welchen Ländern/Bereichen sind weitere Aufträge zu erwarten?

Das europäische Ausland ist auf dem Weg, dem guten alten EEG den Rang abzulaufen. Länder wie Frankreich haben erkannt, dass nachwachsende Rohstoffe ein hohes Potenzial in der Energieversorgung im Rahmen eines Energiemix darstellen können. Hier liegen derzeit schon bessere Bedingungen in der Vergütungsstruktur als in Deutschland vor. Wir sollten die Vorreiterrolle Deutschlands sowohl in administrativer als auch technologischer Hinsicht nicht aufs Spiel setzen. Für die BKN Biokraftstoff Nord AG bedeutet dies, dass Länder wie Frankreich, Tschechien und Spanien interessante Absatzmärkte für die nahe Zukunft sein werden.

Im Juli erklärte das Bundesumweltministerium, den Grundpreis für Biostrom aus Biogas um 0,5 Cent je Kilowattstunde zu senken. Was sagen Sie zu dieser Entwicklung?

Bisher handelt es sich um eine Vorlage, die zur Diskussion gestellt worden ist. Hier sollten wir dem Gesetzgeber nicht vorgreifen und ausreichend Zeit einräumen, die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Ein richtiger Ansatz ist sicherlich, die Kombination von Stromerzeugung und gleichzeitiger Wärmenutzung zu stärken und dem Gedanken der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) Rechnung zu tragen. Denn eine mögliche Absenkung auf der einen Seite sollte durch eine Stärkung der KWK-Seite begleitet werden. Wir würden eine derartige Ausrichtung der Vergütungsstruktur begrüßen.

Die stark anziehende Preisentwicklung der Rohstoffe wie Mais sorgen dafür, dass viele Landwirte ihre Ernte lieber verkaufen, statt sie selbst zu vergären. Welche Auswirkungen hat das auf das Geschäft von BKN?

Dass steigende Rohstoffpreise seitens der Landwirtschaft dazu genutzt werden, in Preisverhandlungen einzutreten, ist doch ein ganz normales Marktverhalten. Wir sehen jedoch nicht nur den Preis als ausschlaggebendes Argument, sondern die langfristige Zusammenarbeit in einem partnerschaftlichen Geschäftsmodell, in dem der landwirtschaftliche Betrieb nicht ausschließlich Lieferant ist, sondern auch Dienstleister im Rahmen der Betriebsführung der Biogasanlagen. Das unterscheidet die BKN Biokraftstoff Nord AG sehr von Mitbewerbern, wie Sie am bereits dargestellten Projekt der Speicherstadt Potsdam erkennen können.

Wie sind Ihre weiteren Planungen bezüglich Umsatz, EBIT, Aufteilung Biogas/Biodiesel, usw.?

Unser Geschäftsjahr endet zum 30. September 2007. Bereits im laufenden Geschäftsjahr wird der Bereich Biogas signifikant zum Wachstum der BKN Biokraftstoff Nord AG beitragen, dieser Bereich macht bereits einen Großteil unserer Gesamtleistung aus. Für die Zukunft werden wir uns noch stärker auf den Bereich Biogas konzentrieren.

Zum Halbjahr haben Sie für das laufende Geschäftsjahr 2006/07 einen Umsatz in Höhe von rund 21 Millionen Euro sowie ein EBIT in Höhe von 2,2 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Halten Sie daran fest?

An unseren Planungen halten wir uneingeschränkt fest, wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unsere Prognosen erreichen können.

Woher rührt Ihr Optimismus diesbezüglich?

Der bestehende Auftragsbestand von mehr als 100 Millionen Euro sowie der nach wie vor sehr zufriedenstellende Auftragseingang bestätigen unsere Zuversicht.

Herr Wogart, Danke für das Gespräch.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 39/2007.

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