Eurofins Scientif.
- DER AKTIONÄR

"Eurofins hält seine Prognosen ein"

Die Zahlen von Eurofins für das erste Halbjahr waren glänzend. Mit dem AKTIONÄR spricht Finanzvorstand Dr. Matthias-Wilbur Weber über die Aussichten.

Die Zahlen von Eurofins für das erste Halbjahr waren glänzend. Mit dem AKTIONÄR spricht Finanzvorstand Dr. Matthias-Wilbur Weber über die Aussichten.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Weber, Eurofins hat im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von fast 50 Prozent auf knapp 151 Millionen Euro erzielt. Das EBITDA stieg um 27 Prozent auf 20,2 Millionen Euro, unter dem Strich verbleiben sechs Millionen Euro, was einem Anstieg um 17 Prozent entspricht. Wie zufrieden sind Sie mit diesem Ergebnis?

DR. MATTHIAS-WILBUR WEBER: Wir sind in eine erneute Wachstumsphase zum weiteren Ausbau der Marktposition und der regionalen Präsenz eingetreten, ohne dabei unsere Kernkompetenzen aus dem Auge zu verlieren. Die Entwicklungen im ersten Halbjahr 2006 erlaubten uns sogar, die erst im Januar revidierten Umsatzprognosen für 2006 von 300 Millionen auf 340 Millionen Euro und für 2007 von 360 Millionen auf 400 Millionen Euro erneut heraufzusetzen. Von daher bin ich mit den Ergebnissen zufrieden.

Wie hoch wird der Nettogewinn voraussichtlich ausfallen?

Unsere Prognosen beschränken sich üblicherweise auf Umsatz und EBIT. Wir halten für das Jahr 2006 am prognostizierten EBIT von 36 Millionen Euro fest. Mit den Zahlen zum dritten Quartal werden wir unsere Prognose noch einmal präzisieren.

Im Durchschnitt rechnen die Analysten bei Eurofins in den kommenden drei Jahren mit einem Wachstum von 18 Prozent beim Umsatz und über 30 Prozent beim Nettogewinn. Finden Sie sich in diesen Prognosen wieder?

Grundsätzlich nehmen wir keine Stellung zu einzelnen Analystenprognosen, aber wir bleiben bei unseren Zielen, eine EBIT-Marge von 15 Prozent im Jahr 2008 und einen Umsatz von 600 Millionen Euro 2010 erreichen zu wollen.

Eurofins will MWG Biotech komplett übernehmen. Was versprechen Sie sich von dieser Maßnahme?

Die MWG Biotech AG ist ein Anbieter molekularbiologischer Dienstleistungen. Aufgrund ihrer Expertise ist die MWG eine sinnvolle Ergänzung im Portefeuille der Eurofins-Gruppe. Ziel der Übernahme ist es unter anderem, durch noch engere Kooperation gemeinsame Synergiepotenziale zum Beispiel im Bereich Einkauf oder Vertrieb zu erschließen.

Die Strategie ist auf Wachstum durch Akquisitionen ausgerichtet. In den letzten zwölf Monaten hat Eurofins über zehn Firmen zugekauft. Halten Sie an dieser Strategie fest?

Im Laufe der letzten Monate hat sich mehrmals die unerwartete Möglichkeit ergeben, Unternehmen, welche die geografische Präsenz und den Marktanteil der Gruppe erheblich verstärken, in beschleunigten Verfahren zu übernehmen. Diese Chance hat Eurofins genutzt, was insbesondere im ersten Halbjahr zu einem starken Akquisitionswachstum geführt hat. Auch in Zukunft ist mit weiteren Akquisitionen und Outsourcing-Vereinbarungen zu rechnen, wenn auch nicht unbedingt mit der gleichen Schlagzahl wie in den vergangenen Monaten.

Stehen bereits Kandidaten auf ihrer Einkaufsliste? Wohin wird sich Eurofins zukünftig geografisch ausdehnen?

Es gibt eine Reihe interessanter Kandidaten, die Eurofins in der Regel über längere Zeit intensiv beobachtet. Viele Laboratorien kommen auf Eurofins zu, um sich unserer Gruppe anzuschließen, weil sie die immensen Synergiepotenziale erkennen und vom weltweiten Netzwerk der Gruppe profitieren wollen. Momentan bauen wir unsere Präsenz unter anderem in Asien, Südamerika sowie in Südeuropa aus.

Ein Blick in die „Kriegskasse“: Wie sieht die aktuelle Finanzlage aus?

Nach der erfolgreichen Emission einer OBSAR-Optionsanleihe Anfang 2006, durch die dem Unternehmen fast 120 Millionen Euro zugeflossen sind, genießt Eurofins eine komfortable und flexible Finanzlage. Zudem erwirtschaftet die Gruppe seit Jahren einen positiven operativen Cashflow. Am Ende des ersten Halbjahres 2006 verfügte Eurofins über rund 66 Millionen Euro an Barmitteln.

In welchem Bereich sehen Sie für Eurofins die größten Wachstumschancen?

Dienstleistungen für die pharmazeutische Industrie sind sicherlich ein anhaltend starker Wachstumsmarkt, in dem wir uns mit den jüngsten Akquisitionen, zum Beispiel in Frankreich oder den USA deutlich verstärkt haben. Aber auch im Lebens- und Futtermittelbereich gibt es eine dynamische Nachfrage nach Analysedienstleistungen, vor allem aufgrund verschiedener Regularien internationaler Institutionen wie der Europäischen Kommission. Auch der Markt für Umweltanalysen wird dadurch geprägt, wenn auch nicht in demselben Maße.

Wie gut ist Eurofins im Vergleich zu den Wettbewerbern aufgestellt?

Eurofins ist Marktführer für Lebensund Futtermittelanalysen in Europa, für einzelne Untersuchungen wie Dioxintests sogar weltweit. Im Bereich der Analysedienstleistungen für die pharmazeutische Industrie rangiert die Gruppe weltweit unter den Top-10-Anbietern und auf dem Gebiet der Umweltanalysen unter den Top-3. Einschließlich der jüngsten Zukäufe strebt die Eurofins-Gruppe für 2007 einen Umsatz von etwa 500 Millionen Dollar an und spielt damit in der gleichen Liga wie die anderen großen Pharmadienstleister aus den USA.

Wie hoch schätzen Sie das Potenzial der Eurofins-Aktie ein, wo sehen Sie den fairen Wert des Papiers?

Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat stets gezeigt, dass Eurofins die langfristigen Prognosen kontinuierlich einhalten konnte. Ich habe daher keine Zweifel, dass dies auch in Zukunft so bleibt und sich der Aktienkurs auch dementsprechend entwickeln wird.

Nicht günstig, aber gut

Mit einem KGV von 26 auf Basis der Schätzungen für 2007 ist die Eurofins-Aktie kein Schnäppchen mehr, aber das rasante Wachstum und die ausgezeichnete Marktposition rechtfertigen eine gewisse Prämie. Das Kurspotenzial für den Titel beziffert der AKTIONÄR auf rund 30 Prozent.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 37/2006.

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