YM Biosciences
- DER AKTIONÄR

„Es ist einzigartig“

Biotech-Aktien sind Risikopapiere. Wer weiß das besser als Anleger, die sich vor einigen Monaten Aktien von YM Biosciences (YM) ins Depot legten, in der Hoffnung, die Biotech-Firma aus Kanada würde durch positive Testergebnisse mit dem potenziellen Brustkrebsmittel Tesmilifene glänzen und damit den Aktienkurs in eine neue Dimension befördern? Doch die Tests wurden mangels Erfolgsaussichten überraschend vorzeitig beendet.

David Allan, Vorstandschef von YM Biosciences, lässt sich von den jüngsten Rückschlägen bei der Medikamentenentwicklung nicht schrecken. Er ist nach wie vor vom Erfolg seines Unternehmens überzeugt.

Biotech-Aktien sind Risikopapiere. Wer weiß das besser als Anleger, die sich vor einigen Monaten Aktien von YM Biosciences (YM) ins Depot legten, in der Hoffnung, die Biotech-Firma aus Kanada würde durch positive Testergebnisse mit dem potenziellen Brustkrebsmittel Tesmilifene glänzen und damit den Aktienkurs in eine neue Dimension befördern? Doch die Tests wurden mangels Erfolgsaussichten überraschend vorzeitig beendet. Die Aktie stürzte ab und hat sich davon bislang nicht erholt.

Es geht weiter

Während die Anleger ob der enormen Verluste noch ihre Wunden lecken, hat YM-Vorstandschef David Allan seinen Optimismus bereits wiedergefunden. Im Gespräch mit dem AKTIONÄR bezeichnete er Tesmilifene als „ein faszinierendes Medikament“, das „hinsichtlich seiner Wirkungsweise einzigartig“ sei. Zur Erinnerung: Tesmilifene sollte bei der Behandlung von Brustkrebs eingesetzt werden und dabei helfen, Resistenzen gegen die Standardmedikamente zu verhindern. In den früheren Phasen der klinischen Studien hatte die Arznei sehr ermutigende Resultate geliefert. Warum bei den Phase-III-Tests nun nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt wurden, soll bis Jahresende herausgefunden werden. Allan äußerte die Vermutung, dass die Zusammensetzung der Chemotherapie das Ergebnis negativ beeinflusst haben könnte. Aus diesem Grund wird bei Phase-III-Tests, die der Pharmakonzern Sanofi-Aventis mit Tesmilifene in Europa durchführen will, ein anderes Zellgift benutzt. Die Studien sollen demnächst beginnen, das Patienteneinschlussverfahren ist beinahe beendet. Zum Jahresende will YM Biosciences dann alle Erkenntnisse rund um Tesmilifene abschließend auswerten und einen Entschluss über das weitere Vorgehen treffen. Klare Tendenz derzeit: Es geht weiter.

Klassenbester?

Doch selbst wenn die Entwicklung von Tesmilifene eingestellt werden sollte, hat YM Biosciences noch weitere Pfunde, mit denen die Firma wuchern kann. Als größten „Value-Driver“ für YM sieht Allan dabei Nimotuzumb an. Der Antikörper wird derzeit in zwölf klinischen Studien auf seine Wirksamkeit bei unterschiedlichen Krebsarten getestet. Mit Nimotuzumab will YM gegen große Konkurrenten wie Amgen oder Imclone antreten – und sieht dabei durchaus Chancen, gegen die Großen zu bestehen. Denn was Nimotuzumab in den bisherigen Tests vor allem ausgezeichnet hat, ist die Tatsache, dass die gravierenden Nebenwirkungen der Konkurrenzpräparate wie ein schwerer akneartiger Ausschlag im Gesicht und am Körper bei der Behandlung mit dem YM-Produkt beinahe gänzlich ausgeblieben sind. Allan ist davon überzeugt, mit Nimotuzumab einen potenziellen Blockbuster in der Pipeline zu haben. Dafür spreche auch, dass sich der japanische Pharmakonzern Daiichi Sankyo bereits die Rechte an dem Antikörper für Japan gesichert habe. Auch die Japaner seien davon überzeugt, dass Nimotuzumab das beste Medikament seiner Klasse werden könne und auf lange Sicht den Markt dominieren werde.

Einen riesigen Markt sieht Allan auch für das neuartige Schmerzmittel AeroLEF. Allein in den USA gebe es mehr als 220 Millionen Menschen, die von ihren Ärzten jährlich mit Opioiden behandelt würden. Mit AeroLEF, so es denn zugelassen wird, erhielten die Patienten ein komplett neues Schmerzmittel, dessen Vorteile laut David Allan klar auf der Hand lägen: „AeroLEF ist eine Kombination aus freiem und Liposomgekapselten Fentanyl, die über die Atemwege aufgenommen werden kann. Das freie Fentanyl sorgt für eine rasche Wirkung, durch das Liposom-gekapselte Fentanyl hält diese über mehrere Stunden an. Da Schmerz sehr subjektiv ist und sich Ärzte bei der Dosierung des Schmerzmittels schwertun, kann der Patient bei AeroLEF die richtige Dosierung mittels eines Inhalators selbst bestimmen.“ Der Fahrplan für die weitere Entwicklung von AeroLEF sieht vor, dass zum Ende dieses beziehungsweise zum Anfang des kommenden Jahres die dritte und entscheidende Phase der klinischen Studien beginnen soll.

Für Hartgesottene

Anleger, die nach dem Kurssturz die Aktie gehalten haben, sollten dies auch weiter tun und auf positive Ergebnisse mit Nimotuzumab und AeroLEF oder sogar auf ein Comeback von Tesmilifene hoffen. Das aktuell niedrige Niveau macht das Papier auch für extrem risikobereite Neueinsteigerinteressant.

Kursziel bei YM Biosciences: 2,00 Euro. Stopp: 0,90 Euro.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 14/2007.

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