PREMIERE NA O.N.
- DER AKTIONÄR

"Ein idealer Partner"

Kurz vor Anpfiff der neuen Bundesliga-Saison können die Premiere-Abonnenten aufatmen. In 13 von 16 Bundesländern müssen die am Kabelnetz angeschlossen Kunden nicht auf König Fußball am Samstagnachmittag vevrzichten. DER AKTIONÄR hat sich mit dem Finanzvorstand der Premiere AG, Michael Börnicke, über die Zukunft des Bezahlsenders nach der Kooperation mit Arena unterhalten.

Kurz vor Anpfiff der neuen Bundesliga-Saison können die Premiere-Abonnenten aufatmen. In 13 von 16 Bundesländern müssen die am Kabelnetz angeschlossen Kunden nicht auf König Fußball am Samstagnachmittag vevrzichten. DER AKTIONÄR hat sich mit dem Finanzvorstand der Premiere AG, Michael Börnicke, über die Zukunft des Bezahlsenders nach der Kooperation mit Arena unterhalten.

DER AKTIONÄR: Die Ankündigung der Zusammenarbeit mit Arena hat die Premiere-Aktie beflügelt. Warum die Zwangsehe mit dem Erz-Rivalen?

Michael Börnicke: Wir sehen dies nicht als Zwangsehe, sondern als vernünftige Partnerschaft. Bei der Vergabe der Bundesligarechte haben wir betont, dass wir bereit sind für mehr Exklusivität auch mehr zu bezahlen – bei dem Szenario, für dass sich die DFL entschieden hat, waren wir es nicht. Premiere hätte sich bei vergleichbarer Exklusivität deutlich höhere Kosten und Risiken aufgeladen. Wir haben aber auch immer gesagt, dass wir das Gespräch mit den neuen Rechteinhabern suchen. Mit der Arena-Kooperation verdienen wir zum ersten Mal in der Geschichte von Premiere vom ersten Abonnenten an Geld mit der Bundesliga.

Von dem Deal mit Arena sind etwa ein Viertel der Premiere-Kunden betroffen?

Etwa ein Drittel. 50 Prozent der Premiere Kunden sehen unser Programm über Kabel, wir bieten Arena im Kabel in 13 von 16 Bundesländern an – außer Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Das entspricht einer technischen Reichweite im Kabel von rund 9,6 Millionen Haushalten, in denen wir die Arena-Bundesliga vermarkten können. Im Umkehrschluss kann Arena auch Premiere verkaufen. So ist gewährleistet, dass im gesamten Kabel, also rund 20 Millionen TV-Haushalte, sowohl Premiere als auch Arena angeboten werden kann, so dass der Kunde keinen zweiten Receiver oder keine zweite Smartcard benötigt.

Arena verlangt 14,90 Euro für das Paket, was bleibt davon bei Premiere hängen?

Wir bieten das Produkt sowohl bestehenden als auch neuen Kunden an. Es ist ein variabler Deal mit einer interessanten Marge. Sie bewegt sich im üblichen Rahmen und gibt dem Verkäufer einen Anreiz, das Produkt zu verkaufen.

Sind im Zusammenhang mit dem Deal Gelder an Arena geflossen oder musste Premiere im Zusammenhang mit dem Arena-Deal Minimumgarantien abgeben?

Nein, es ist ein reiner Vermarktungs- und Distributionsvertrag. Gelder fließen erst dann, wenn sich auf beiden Seiten Vermarktungserfolge einstellen.

Wird durch die Kooperation mit Arena auch das Verhältnis zum Kooperationspartner Deutsche. Telekom beeinträchtigt,werden die Investitionen in die Internetverwertung der Bundesligarechte zurückgefahren?

Die Kooperation mit der Telekom ist in keiner Weise dadurch beeinflusst. Ganz im Gegenteil: Die Deutsche Telekom hat sehr positiv reagiert. Das liegt natürlich auch daran, dass eine Premiere AG mit stabilen und wachsenden Kundenbeziehungen für die Deutsche Telekom ein idealer Partner ist. Wir werden die Premiere Bundesliga gemeinsam vermarkten, die Deutsche Telekom möchte das Produkt genau wie wir voranbringen. Sehen sie das Ganze auch einmal von der anderen Seite. Diejenigen Kunden, die wir möglicherweise ganz verloren hätten, weil sie nur an der Bundesliga interessiert sind, können wir jetzt natürlich halten. In zwei bis drei Jahren oder je nach Ausbaugebiet schon in sechs Monaten könnten wir diesen auch ein Triple-Play-Angebot machen und alles aus einer Hand mit Flatrate von der Deutschen Telekom anbieten.

Der Arena-Deal betrifft nur die Kabelkunden, ist es möglich, dass ein ähnliches Abkommen auch für Satellitenkunden folgen wird?

Das liegt nicht in unserer Hand, unsere Abonnenten würde sich das sicherlich wünschen. Selbstverständlich sind wir für Gespräche und vernünftige Geschäfte offen.

Bislang geht Premiere von einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 70 bis 90 Millionen Euro aus. Ist vor dem Hintergrund der Zusammenarbeit mit einer Anhebung der Prognosen zu rechen?

Das wäre zu früh. Wir müssen erst abwarten, wie sich einige Dinge entwickeln und wie die Kunden darauf reagieren. Im August führen wir eine neue Preis- und Angebotsstruktur ein und starten die Kooperation mit der Deutschen Telekom. Die Deutsche Telekom muss ja noch entscheiden, wie schnell sie die VDSL- und möglicherweise auch ADSL2+-Vermarktungsangebote in den Markt bringt. Das wirkt sich natürlich auf die Zahl der Kunden aus, die wir über den neuen Fernsehstandard IPTV gewinnen können. Im September startet die Champions League, die wir so exklusiv wie nie zuvor zeigen. Und dann werden wir natürlich auch sehen, wie die Kunden unser Arena-Angebot annehmen. Es sind also einige Bälle im Spiel, die uns große Chancen eröffnen. Daher wollen wir erst einmal abwarten und gegebenenfalls im November, wenn wir zu diesen Punkten mehr sagen können, eine neue Guidance abgeben.

Sie haben die neue Preis- und Angebotsstruktur gerade angesprochen, wie wurde diese bisher von den Kunden angenommen?

Auch hier ist es im Moment noch zu früh, die Angebote gelten ja erst seit dem 1. August. In den Zeitungen war viel über unseren neuen Angebote zu lesen, aber während der Fußball-Weltmeisterschaft haben sich die Kunden definitiv mehr mit Fußball beschäftigt als mit unserer Preis- und Angebotsstruktur. Das einzige, was man als leichte Tendenz sagen kann, ist, dass Kunden, die bisher Premiere komplett abonniert haben, auch in Zukunft von unserer 5er-Kombination für 34,99 Gebrauch machen. Und wer bisher schon selektiv ein bis zwei Pakete genommen hat, wird dies auch in Zukunft machen. Das ist keine überraschende Aussage, wenn man bedenkt, dass über 80 Prozent unserer Kunden Zwei- und Mehrpersonenhaushalte sind, also in der Regel Familien, die an der ganzen Breite des Premiere-Programms interessiert sind und nicht – wie der ein oder andere spekuliert hat – nur an der Champions League oder der Bundesliga.

Hat sich am durchschnittlichen Kündigungsverhalten Ihrer Kunden seit Bekanntgabe der Rechtevergabe an Arena etwas verändert?

Natürlich hat der Verlust der Bundesligarechte gewisse Auswirkungen, aber da spielen sich keine Dramen ab. Im ersten Quartal haben wir netto rund 45.000 Kunden verloren. Daran sieht man, dass die Auswirkungen deutlich überschätzt wurden. Zumal wenn man auf der anderen Seite die Kosteneinsparung von 200 Millionen Euro berücksichtigt.

Es war im Gespräch, dass Premiere einen Free-TV-Sender aufbaut, hat sich an diesem Vorhaben etwas geändert?

Premiere hat vor einigen Monaten eine Kooperation mit dem DSF bekannt gegeben. Wir zeigen dort unter der Marke Champions TV ausgewählte Spiele der Champions League im Free-TV. Die attraktivsten Begegnungen sind natürlich nur bei Premiere zu sehen. Für uns ist das die beste Variante, weil wir ohne Aufbaukosten sofort 95 Prozent Reichweite haben – praktisch alle TV-Haushalte. Wir erreichen also mit einer Kooperation ohne großes Risiko dieselben Ziele – etwa bei der Werbevermarktung – wie mit dem Aufbau eines eigenen Senders. Wir glauben, dass Kooperationen der wirtschaftlich sinnvollere Weg sind als der kostenintensive Aufbau eines eigenen werbefinanzierten Senders – der Werbemarkt im Free-TV boomt ja nicht gerade. Insofern können wir uns auch vorstellen, weitere Kooperationen mit Free-TV-Sendern abzuschließen.

Wie sehen Sie die Entwicklung im Sportwettbereiche im Zusammenhang mit Premiere Win?

Der Sportwettenbereich ist momentan sehr unübersichtlich und schwer zu beurteilen. Wir sind da sehr vorsichtig mit Prognosen. Premiere Win ist vor allem mit Pferdewetten tätig, die von der aktuellen Diskussion nicht betroffen sind. Man muss abwarten, welche Regelungen der Gesetzgeber trifft und wie die einzelnen Länder und der Bund damit umgehen. Wenn aber zum Beispiel das DSF damit droht, den Standort Bayern zu verlassen, ist das ein Signal für eine falsche Entwicklung. Es kann nicht sein, dass der Staat wieder einmal ein Monopol für sich beansprucht, um Milliardeneinnahmen zu haben und die Privaten massiv benachteiligt.

Wie wird es 2009 aussehen, wenn erneut die Bundesliga-Rechte vergeben werden?

An unserer Grundeinstellung – mehr Exklusivität heißt mehr Geld, weniger Exklusivität weniger Geld – wird sich bis dahin nichts ändern. Ich glaube aber, dass es einen Lernprozess geben wird, die Preise können nicht ins Unermessliche steigen. Wenn die DFL nicht bereit ist, die Exklusivität zu erhöhen und an der Sportschau festzuhalten, dann müssen die Preise tendenziell sinken.

Denken Sie, dass Premiere dann noch eigenständig ist?

Wir gehen davon aus. Es gibt sicherlich sinnvolle Kombinationen, die man sich bei Medienunternehmen vorstellen kann. Wenn man einen Freefloat von 77 Prozent hat, kann man nichts ausschließen und sofern es das Geschäft voranbringt, würden wir uns auch nicht verschließen.

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