- DER AKTIONÄR

"Die Risiken verschieben sich"

Mark Harding hat sich auf die Analyse von Nanotechnologie-Unternehmen spezialisiert. DER AKTIONÄR sprach mit dem Nano-Experten über das Potenzial der jungen Technologie.

Mark Harding hat sich auf die Analyse von Nanotechnologie-Unternehmen spezialisiert. DER AKTIONÄR sprach mit dem Nano-Experten über das Potenzial der jungen Technologie.

DER AKTIONÄR: Sie sind Analyst bei der Maxim Group in New York. Können Sie uns Ihr Geschäftsmodell kurz erläutern?

Mark Harding: Die Maxim Group bietet Brokerage sowohl für den Privatanleger als auch für institutionelle Anleger an, zudem betreiben wir Investment-Banking und erstellen Analysen. Dabei konzentrieren wir uns hauptsächlich auf zwei Fachgebiete: Gesundheitswesen und Technologie. Wir sind ständig auf der Suche nach kleineren unterbewerteten Unternehmen mit Wachstumspotenzial. Mein Fokus unterscheidet sich von dem so manch anderer Analysten, denn ich konzentriere mich hauptsächlich auf den Endkundenbereich. Für mich ist er der Impulsgeber.

Sie covern hauptsächlich Nanotechnologie-Unternehmen. Würden Sie die Nanotechnologie als die nächste industrielle Revolution bezeichnen?

Wie wir wissen handelt es sich bei der Nanotechnologie um eine Querschnittstechnologie, die sich besonders auf den Endkundenmarkt stützt. Die Halbleiter-Unternehmen arbeiten bereits seit vielen Jahren im Mikrobereich. Dort stoßen sie nun langsam an ihre Grenzen, was die Miniaturisierung angeht. Das bereitet ihnen einige Probleme. Also denke ich, dass Nanotechnologie für den Halbleiterbereich eine eher evolutionäre Bedeutung hat.

Wenn man sich dagegen die Materialwissenschaften anschaut, haben diese bisher kaum Probleme. Sie kommen mit ihren vorherrschenden Systemen gut klar und haben deshalb keinen echten Bedarf an Innovationen. Ich bin der Meinung, dass auf diesem Gebiet mit großer Wahrscheinlichkeit revolutionäre Entdeckungen zu erwarten sind. Materialverbindungen arbeiten im molekularen Bereich nämlich sehr unterschiedlich zum Makro-Bereich. Demnach schätze ich die Materialwissenschaften als bedeutender für die Nanotechnologie ein.

Auch die Biotechnologie wird sich meiner Meinung nach einigen revolutionären Neuerungen öffnen, besonders was Drug-Delivery-Systeme angeht. Hier zeichnen sich bereits interessante Dinge ab. Ich denke jedoch, dass es noch einiger Tests bedarf, bevor die Produktreife erreicht ist und man an eine Kommerzialisierung denken kann.

Was macht ein gutes Nanotechnologie-Unternehmen aus?

Ich würde sagen, es handelt sich dabei um ein Unternehmen, das mit seinen Produkten kurz vor der Kommerzialisierung steht. Denn das bedeutet, dass bereits ein Endverbraucher-Markt existiert und dieser auch einen tatsächlichen Bedarf aufweist. Meiner Meinung nach verfügen viele Nanotech-Unternehmen - insbesondere einige Privatunternehmen - über brillante Wissenschaftler, die große Fortschritte bei innovativen Entwicklungen machen. Ich denke jedoch, dass sie bisher noch keinen wirklichen kommerziellen Bedarf für viele Dinge gefunden haben. Und genau das ist das Hauptproblem, wenn man sich mit Entwicklungen in einem derart frühen Stadium befindet. Man sieht das auch bei den Biotech-Unternehmen. Es wird aber leicht vergessen, dass man damit eine riskante Wette auf ein noch völlig ungetestetes Produkt abschließt. Investoren sollten sich vor allem darauf fokussieren, wie nahe ein Unternehmen dem Markteintritt ist und wie weit es in den Testphasen fortgeschritten ist. Oder ob Labortests und Ergebnisse bereits in umfassendere Entwicklungen integriert werden können und ihren Beitrag zu ausgereiften Produkten leisten werden.

Die Anzahl der nicht-börsennotierten Nanotechs übersteigt die der Public Companies noch bei weitem. Scheuen sich die privaten Nanotechs vor einem IPO?

Ich denke, das hat viel mit dem frühen Stadium zu tun, in dem sich die Entwicklungen befinden. Diese Nanotech-Unternehmen haben eine Idee und beginnen mit einer Reihe von brillanten Wissenschaftlern zu arbeiten. Das ist der Unterschied zwischen angewandter und reiner Forschung. Bei angewandter Forschung versucht man ein Problem zu beseitigen. Also setzt man sich mit Wissenschaftlern zusammen, um dieses Problem zu lösen. Bei Privatunternehmen handelt es sich häufig um angewandte Forschung. Sie versammeln ein paar Wissenschaftler, lassen sie miteinander arbeiten und bekommen etwas wirklich Eindrucksvolles. Dann müssen sie dafür einen Bedarf und die Möglichkeit für eine Kommerzialisierung finden. Es geht also bei vielen Nanotechs darum, dass sie sich in diesem sehr frühen Stadium ihrer Geschäftsentwicklung befinden. Doch weshalb sollten sie mit einem guten Konzept und entsprechenden Labortest-Resultaten nicht an die Börse gehen?

Die meisten Nanotechs sind auf Venture Capital angewiesen, doch oft scheuen sich die VC-Gesellschaften vor dem teilweise sehr hohen Risiko. Erwarten Sie in den kommenden Monaten und Jahren eine Belebung?

Ja, davon bin ich überzeugt. Viele Nanotech-Unternehmen stehen kurz vor dem Markteintritt und der Kommerzialisierung ihrer Produkte. Die Risiken verschieben sich. Die Unternehmen befinden sich nun in der Fertigungsphase und daraus entsteht ein gesteigertes Interesse seitens der Banken und Venture-Capital- Unternehmen. Während des frühen Stadiums der Finanzierung müssen Konzepte klar dargelegt werden und nun geht es darum, die Produktion in ihrer ganzen Bandbreite auf gesunde Beine zu stellen. Hier tritt endlich der Bankensektor auf den Plan und möchte diese Firmen unterstützen.

Welche potenziellen "Killer-Applikationen" im Bereich Nano sehen Sie am Horizont?

Ich denke: Energie und Brennstoffzellen; glaube aber nicht, dass diese Themen bereits die ihnen gebührende Aufmerksamkeit haben. Benzinpreise interessieren doch alle.Immer wenn ich in England bin, schockieren mich die Benzinpreise dort. Wirkliche Alternativen stehen für den Kraftfahrzeugbereich noch nicht zur Verfügung. Auch das ganze Solarthema steckt noch in den Kinderschuhen. Insofern existiert hier wirklich ein Markt. Es gibt keinen Ersatz für Kraftstoffe und von Seiten der Regierung besteht zunehmend großes Interesse - die meisten Unternehmen konzentrieren sich jedoch auf die Brennstoffzellen. Im Bereich Drug-Delivery kann man ebenfalls Interessantes beobachten. Es ist ein riesiger Markt dafür vorhanden. Die Unternehmen gehen jedoch ein hohes Risiko ein. Die erste Hürde stellt die Zulassung dar - und das dauert nicht nur sehr lange in den Staaten sondern ist auch extrem teuer. Für die Brennstoffzellen gilt das jedoch nicht. Man muss eben etwas bringen, das machbar ist.

Das Interview führte Anja Weingran.

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