Balda
- DER AKTIONÄR

"Die Leute sollten ihre Nase nicht immer in Dinge anderer stecken"

Vor einer Woche gab der Großinvestor Guy Wyser-Pratte den Einstieg bei Europas fünftgrößtem Autozulieferer, der französischen Valeo, bekannt. In New York sprach DER AKTIONÄR mit Wyser-Pratte über dessen Strategie, seine Investments und seinen Rat an Privatanleger.

In New York sprach DER AKTIONÄR mit Großinvestor Guy Wyser-Pratte über dessen Strategie, seine Investments und seinen Rat an Privatanleger.

DER AKTIONÄR: Mr. Wyser-Pratte, Sie sind derzeit des Öfteren in den Schlagzeilen, weil Sie verstärkt in Europa auf Einkaufstour sind, vor allem in Deutschland und Frankreich.

GUY WYSER-PRATTE: Das stimmt. Ich würde sagen, meine Investitionen teilen sich jeweils zur Hälfte auf Deutschland und Frankreich auf.

Warum sind diese Länder so interessant für Sie?

Weil es dort die meisten unterbewerteten Firmen gibt. Und es sich darüber hinaus um faire liquide Märkte handelt.

Ihr jüngster großer Deal war der Einstieg bei Valeo. Wie viele Investments wollen Sie in diesem Jahr noch tätigen? Vielleicht eine oder zwei Beteiligungen in Deutschland?

Ich habe noch keine Ahnung, wir sind da opportunistisch. Ich könnte aber zehn Deals in Deutschland machen, das wäre kein Problem.

Wie viel Geld haben Sie denn in der Kriegskasse?

Das kann ich nicht sagen.

Mit Ihrem Rheinmetall-Deal dürften Sie genug Geld verdient haben. War das auch Ihr bestes Geschäft in Deutschland?

Ja. Wir stiegen damals bei acht Euro ein. Ein Jahr später verkauften wir die Aktie für 23,50 Euro.

Und was sind Ihre derzeitigen Favoriten in Deutschland?

IWKA und Balda. Vor allem IWKA, an denen ich einen Anteil von knapp unter zehn Prozent halte, hat großes Potenzial. Weil die Firma reorganisiert ist. Und weil sie nach einem Managementwechsel so aufgestellt ist, wie es sein sollte. Jetzt können die Früchte der Umgestaltung geerntet werden.

IWKA hat sich von unprofitablen Geschäften getrennt.

Ja, sie verkauften das schlechte Geschäft. IWKA ist jetzt eine schöne, saubere Firma. Am 6. Februar kommen die Zahlen. IWKA muss nur noch die Verpackungssparte verkaufen. Ende des ersten Quartals werden wir wohl einen Abschluss sehen mithilfe der Deutschen Bank. Wenn das eintritt, ist die Bilanz komplett rein. Das versetzt IWKA in die Lage, intelligente Akquisitionen zu machen.

Haben Sie ein Kursziel für die Aktie?

IWKA kauften wir vor drei Jahren für zehn, heute notiert die Aktie bei 22 Euro. Wir bleiben noch eine Weile engagiert, weil wir glauben, dass die Firma viel mehr wert ist. Unser Kursziel liegt jedenfalls sehr viel höher als der derzeitige Kurs.

Sprechen wir über Balda. Die haben einen großen Kunden verloren, der Umsatz brach ein. Und jetzt haben sie einen neuen Auftrag.

Balda, an denen mein Anteil fünfeinhalb Prozent beträgt, hat einen sehr interessanten Deal abgeschlossen. Mit einem chinesisch-taiwanesischen Unternehmen, das auf Touchscreen-Technologie spezialisiert ist. Die ist die Basis des neuen iPhones von Apple. Eine Technologie, die in verschiedenen Einsatzgebieten anwendbar ist.

Sie investieren also in Maschinenbau, in Hightech – gibt es auch Industrien, in die Sie niemals investieren würden?

Ja, zum Beispiel in die Spieleindustrie. Das ist nicht die Art von Menschen, mit denen ich zurechtkomme.

Wann genau steigen Sie bei Unternehmen ein?

Vor allem bei einer Unterbewertung. Die Gründe dafür können vielfältig sein. So kann es sein, dass es strategische Probleme gibt – Managementprobleme, gesetzliche Probleme, Konflikte unter Anteilseignern zwischen dem Großaktionär und den Minderheitseignern. Jeder einzelne Konflikt oder eine Kombination von vielen führen zu einer Unterbewertung. Manchmal mangelt es auch an der Aktionärskultur. Wenn wie im Fall IWKA keiner der Verantwortlichen Aktien besitzt. Als wir uns erstmals für die Firma interessierten, fragten wir Manager, wie viele Aktien sie halten. Und sie sagten: keine. Ich fragte, wie das sein kann. Sie entgegneten, das wäre ein Interessenkonflikt. Sagen Sie das mal einem Angelsachsen. Er würde sie hochkant aus dem Fenster schmeißen. Denn Sie brauchen Manager, die ein aktives Interesse an ihren eigenen Aktien haben. Sie müssen Risiken eingehen. Sie machen keinen Fortschritt ohne Risiken. Leute sollten besonders in Deutschland damit aufhören, ihre Nase in anderer Leute Dinge zu stecken. Und Reiche zu kontrollieren. Reiche, die mit harter Arbeit reich geworden sind. Speziell in Deutschland, eigentlich der Motor Europas, denkt man: Wer Geld hat, muss es illegal erlangt haben. Das galt vielleicht im 16. Jahrhundert, aber nicht mehr heute.

Würden Sie Privatanlegern raten ebenfalls auf unterbewertete Firmen zu setzen, eine ähnliche Strategie zu verfolgen wie Sie?

Die Strategie, unterbewertete Unternehmen zu finden und zu schauen, wie man eine korrekte Bewertung hinbekommt, ist eigentlich ganz einfach. Ich würde Privatanlegern trotzdem eher dazu raten, Investmentfonds zu kaufen.

Warum?

Weil Privatanleger kein Personal haben. Und nicht die Zeit Firmen zu analysieren, wie wir es tun können. So sprechen wir etwa mit dem IWKA-Management alle zwei bis drei Wochen. Das kann ein Privatanleger nicht.

Mr. Wyser-Pratte, vielen Dank für das Gespräch.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 07/2007.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zum Magazin.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Michael Schröder | 0 Kommentare

Balda-Aktie: Das sieht nicht gut aus

DER AKTIONÄR hat es bereits gestern Abend berichtet: Balda hat mit sofortiger Wirkung seinen Chef vor die Tür gesetzt. Der Hersteller von Kunststoffprodukten hat zudem eine Prüfung der Umstände des Erwerbs der US-amerikanischen Beteiligungen und weiterer Geschäftsvorfälle angekündigt. Die SDAX-Aktie steht seitdem kräftig unter Druck. mehr