- DER AKTIONÄR

"Die beste Zeit liegt noch vor mir"

Dank der Kursgewinne von Portfoliogesellschaften wie Advanced Medien, Elexis, Inticom oder VEM Aktienbank haben sich die stillen Reserven kräftig erhöht. DER AKTIONÄR hat sich mit Unternehmenslenker Kurt Ochner über die weiteren Perspektiven der Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft unterhalten.

Der gute "Riecher" vom ehemaligen "Mister Neuer Markt" hat den inneren Wert der KST Beteiligungs AG in den letzten sechs Wochen spürbar steigen lassen. Dank der Kursgewinne von Portfoliogesellschaften wie Advanced Medien, Elexis, Inticom oder VEM Aktienbank haben sich die stillen Reserven kräftig erhöht. DER AKTIONÄR hat sich mit Unternehmenslenker Kurt Ochner über die weiteren Perspektiven der Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft unterhalten.

DER AKTIONÄR: Herr Ochner, wie sind Sie mit dem Ergebnis im ersten Halbjahr zufrieden?

Kurt Ochner: Das erste Halbjahr liegt etwa 50 Prozent oberhalb des kompletten Geschäftsjahres 2004 und wir haben geplant, dass wir das Jahr 2005 mit einem Ergebnis abschließen, welches deutlich oberhalb von 2004 liegt. Mit dem ausgewiesenen Ergebnis zeigen wir ein Ergebnis je Aktie von 30 Cent realisiertem Gewinn. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die nicht realisierten Gewinne ein Mehrfaches der bereits realisierten Gewinne betragen. Auch der Börsentrend hat mitgeholfen, dieses - wie wir meinen - überdurchschnittliche Ergebnis zu erreichen.

In den stillen Reserven ist die Beteiligung an Inticom der herausragende Performer. War das Investment bei Inticom ein Glücksfall?

Das Investment in Inticom ist kein Glückstreffer, sondern wir haben Inticom nach einer eingehenden Analyse ausgewählt und waren vom Management, dem Geschäftsmodell und den Plandaten überzeugt. Dass Inticom diese Plandaten mehrfach nach oben korrigieren konnte, entspricht unserer Einschätzung und hat erfreulicherweise zu dieser sehr zufriedenstellenden Performance beigetragen.

Im Gegensatz zu Inticom sind Sie bei AAP zu einem Zeitpunkt eingestiegen, zu dem die Firma in ihrem Bestand gefährdet war. Die Firma war stark gefährdet, weil sie nicht über ein qualifiziertes Management verfügt hat. Mit dem Miteinstieg von Initiatoren, die erfolgreich im Management der Firma BB Biotech gearbeitet haben, war für uns klar, dass auf Grund von Sanierungserfolgen die Firma nicht nur vor der Bestandsgefährdung gerettet wird, sondern eine hervorragende Performance in Zukunft aufweisen wird. Der bisherige Verlauf der Aktienkursentwicklung hat uns in unserer Einschätzung vollauf bestätigt.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihr Investment Elexis ausgesucht?

Elexis war ein Unternehmen, das sich zu unserem Kaufzeitpunkt bereits voll im Turnaround befunden hat. Die ersten positiven Anzeichen waren erkennbar und die Kostensenkungsmaßnahmen wurden erfolgreich umgesetzt. Zudem hatten wir das Glück, einen Großteil unserer Aktien außerbörslich von einem abgebenden Altaktionär erwerben zu können und haben die Firma bis heute begleitet. Auch bei Elexis haben wir mehr als 100 Prozent Kursreserven.

Lassen Sie sich bei Ihren Investmentkriterien nach der Strategie von Warren Buffett leiten?

Strategien werden zu einfach formuliert. Soweit ich Parallelen zu Buffetts Strategie erkenne, investieren auch wir nicht in Anlagekonzepte, die wir nicht verstehen. Ich glaube nicht, dass eine Anlagephilosophie, die nur auf einen einzigen Anlagestil - wie zum Beispiel Value oder Growth - abgestimmt ist, optimal ist. Wir investieren in Unternehmen, die erfolgversprechende Geschäftsmodelle, Produkte, Analyseverfahren und Performanceaussichten haben. Da ist es egal, ob ich Old Ecomomy oder New Economy heraussuche - der Erfolg wird am Ende der ausschlaggebende Faktor sein. Bitte berücksichtigen Sie, dass ich circa 50 Prozent meiner Arbeitszeit in Unternehmensbesuche investiere und pro Jahr mindestens 200 verschiedene Präsentationen sehe. Ich glaube mir deshalb zuschreiben zu können, ein gewisses Urteilsvermögen zu haben, ob Geschäftsmodelle und Management prosperieren können.

Wie wollen Sie die IR-Arbeit, die ganz wesentlich zur Transparenz Ihrer schnell wachsenden Firma beitragen kann, künftig handhaben?

Die KST als Drei-Mann-Firma hat sich bislang fast ausschließlich auf das rein operative Geschäft konzentriert, das heißt, wir waren voll im Dienst unserer Aktionäre tätig und haben die Kommunikation vernachlässigt. Wir werden durch eine Personalverstärkung Mitte des Jahres künftig etwas mehr Zeit für unsere Aktionäre haben und auch freiwillig (da unsere Aktie im Freiverkehr notiert ist) Halbjahresberichte veröffentlichen. Bereits am 15. Juli haben wir Zahlen zum ersten Halbjahr bekannt gegeben, die ansatzmäßig unsere Erfolge sichtbar werden lassen. Durch die Bereitstellung zeitnaher Informationen wollen wir zukünftig das Vertrauen sowie die Transparenz erhöhen.

Kann man Ihrer Meinung nach die Ergebnisse des ersten Halbjahres auf das ganze Jahr hochschreiben?

Wir glauben, dass das zweite Halbjahr eine bessere Performance zeigen wird als das erste Halbjahr: Das hängt nicht nur mit unserer positiven Einschätzung für den gesamten Kapitalmarkt zusammen, sondern auch mit unseren neuen verfügbaren Mitteln aus der Wandelanleihe. Wir haben weitere zehn Millionen Euro Depotvolumen zur Verfügung, die wir überwiegend bei attraktiven Neuemissionen einsetzen werden, zum Teil auch kurz vor den Börsengängen. Dort sind die Performance-Aussichten deutlich höher als bei börsennotierten Firmen. Wir glauben also, dass das zweite Halbjahr signifikant oberhalb des ersten Halbjahres liegen wird.

Wie wollen Sie die Aktionäre am Erfolg von 2005 beteiligen?

Wir haben in unserem Aktionärskreis wahrscheinlich die höchste Millionärsdichte aller börsennotierten deutschen Firmen. Aus diesem Grund haben wir das Feedback erhalten, dass statt einer Dividendenzahlung Gratisaktien bevorzugt werden. In Abstimmung mit unserem Aufsichtsrat werden wir unsere Aktionäre mit einer Gratisaktien-Auszahlung am Erfolg beteiligen.

Was sagen Sie zum aktuellen Kurs von 6,50 Euro?

Wir glauben, dass der jüngste Kursanstieg der KST-Aktie von etwa 20 Prozent einen Teilaspekt unserer erfolgreichen Arbeit respektiert. Wir glauben, dass es kaum eine deutsche Beteiligungsfirma gibt, welche die Potenziale der Kapitalmärkte besser repräsentiert beziehungsweise umsetzt als die KST.

Wo sehen Sie dann das Potenzial der Aktie für die nächsten sechs Monate?

Man sollte bei der Einschätzung unserer Aktie stärker zu der KGV- als auf die Net-Asset-Value Betrachtung übergehen. Ich erwarte für das laufende Jahr ein Ergebnis je Aktie von 70 Cent zu erreichen, was bei freundlichem Börsenklima nicht allzu sportlich sein dürfte. Unterstellt man dann nur einen Multiplikator von 12, so sehe ich aus heutiger Sicht einen fairen Wert der Aktie von etwa 8,50 Euro.

Welche Perspektiven haben Sie für das Jahr 2006?

Auf Grund der langen Haltedauer bei den wichtigen Beteiligungen und den hohen stillen Reserven ist es durchaus überlegenswert, ob die stillen Reserven nicht durch den Weiterverkauf von nennenswerten Aktienpaketen an strategische Investoren gehoben werden können. Erste Anfragen liegen uns bereits vor. Insofern werden wir vermutlich - normale Börsenverhältnisse vorausgesetzt - mit einem deutlich besseren Polster in das neue Jahr gehen, als wir im Januar gestartet sind.

Herr Ochner, wie sehr macht Ihnen der Job eigentlich wieder Freude?

Der jetzige Job macht mir so viel Freude, wie es noch bei keinem Job in der Vergangenheit der Fall war. Ich glaube, die beste Zeit meines Schaffens liegt noch deutlich vor mir.

Herr Ochner, vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Michael Lang.

KST Beteiligungs AG

 

ISIN DE0006322001
Kurs am 26.07.2005 6,40€
Empfehlungskurs 6,30€
Ziel 8,50€
Stopp 4,80€
KGV 06e 7
Chance/Risiko 4/3

Artikel aus DER AKTIONÄR (31/05).

 

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