Driver Bensch
- DER AKTIONÄR

"Die Aktionäre sollen Spaß an der Aktie haben"

Die Aktie von Driver & Bengsch hat in den letzten Wochen aufgrund eines Ertragsrückgangs in 2006 leicht geschwächelt. DER AKTIONÄR hat Vorstand André Driver nach den Hintergründen der Geschäftsentwicklung gefragt.

Die Aktie von Driver & Bengsch hat in den letzten Wochen aufgrund eines Ertragsrückgangs in 2006 leicht geschwächelt. DER AKTIONÄR hat Vorstand André Driver nach den Hintergründen der Geschäftsentwicklung gefragt.

Der Aktionär: Herr Driver, die Zahl der Kundenkonten hat sich seit 2001 von rund 1.600 auf über 40.000 entwickelt, wobei gerade im vergangenen halben Jahr ein richtiger Sprung gekommen ist. Worauf ist dieser Anstieg zurückzuführen?

André Driver: Driver & Bengsch hat seine Bekanntheit in den letzten Jahren bundesweit kontinuierlich stark gesteigert. Wir haben dabei eine klare Strategie verfolgt: Wertpapierberatung und Vermögensverwaltung für Privatkunden mit kleineren Anlagevermögen schon ab 15.000 EUR. Das heißt, wir sprechen in erster Linie nicht die Vermögenden, die Millionäre an, sondern die mit Abstand größte Zielgruppe, die von allen anderen Finanzdienstleistern sehr häufig vernachlässigt wird. Es hat sich herum gesprochen, dass wir für diese Anlegergruppe genau der richtige Partner sind, erstklassigen Service und wettbewerbsfähige Produkte anbieten. Wenn man die rasante Entwicklung unserer Kundenkonten betrachtet, kommt sicherlich noch ein anderer Aspekt dazu: Wir bieten seit einigen Jahren auf unserem Tagesgeldkonto marktführende Konditionen an. Aktuell liegen wir bei einem Zinssatz von 3,65 Prozent p.a. ohne Betragsbegrenzungen und ohne Mindestanlagesumme, sowohl für Privat- als auch für Firmenkunden.

Gerade durch höhere Marketingaufwendungen haben Sie im Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (vor Firmenwertabschreibungen) 2006 einen Ergebnisrückgang von zirka 3,1 Millionen Euro auf etwa 1,5 Millionen Euro verkraften müssen. Welche Entwicklung sehen Sie im laufenden Jahr?

Die verstärkten Marketing- und Vertriebsaktivitäten sind im vierten Quartal 2006 abgeschlossen worden und werden die Erfolgsrechnung für 2007 nicht mehr belasten. Aktuell liegen wir im Wertpapierhandelshaus bereits bei über 41.000 Kundenkonten mit einem Gesamtvolumen von rund 800 Millionen Euro. Mit dieser starken Basis und einer aktuell hohen Liquiditätsposition auf den Kundenkonten sehen wir für das laufende Geschäftsjahr eine sehr positive Entwicklung. Von den beiden im November 2006 neu gegründeten Tochtergesellschaften Global Master Asset Management GmbH (GMAM) und Kredit Service Plus GmbH erhoffen wir uns in diesem Jahr auch erste Anfangserfolge und positive Ergebnisbeiträge.

Bitte haben Sie Verständnis, dass es für eine genaue Prognose noch etwas früh im Jahr ist. Vielleicht nur so viel dazu: Die Analysten von German Business Concepts trauen uns in ihrer aktuellen Research-Studie ein EBIT für 2007 von rund 8,0 Millionen Euro zu (Vorjahr: 1,8 Millionen Euro). Das ist sicher eine stramme Vorgabe, aber ich habe das Gefühl, dass wir dieses Jahr in solche Bereiche vordringen könnten, wenn es uns gelingt, die bestehende Kundenbasis zu nutzen und wenn die Märkte ein bisschen mitspielen.

Was bedeutet das voraussichtlich für das Ergebnis je Aktie?

Auch hier muss ich um Verständnis bitten, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Prognose machen können. Ich möchte auch dazu auf die Analysten von GBC verweisen: Diese erwarten 0,24 Euro je Aktie für 2007 (2006: 0,08 Euro).

Haben Sie schon eine Perspektive, wie das Wachstum im Jahr 2008 und danach weitergehen könnte?

Das ist natürlich heute schwer abzuschätzen, wir haben noch nicht einmal die Zahlen für das erste Quartal 2007 vorliegen. Ich glaube aber, dass Driver & Bengsch noch großes Potenzial hat und noch einiges bewegen kann. Ob wir dann 2008 wie von den Analysten erwartet, bei 11,5 Millionen Euro EBIT liegen oder ob sogar noch mehr drin ist, müssen wir abwarten.

Die Aktie hatte nach der Börsenemission einen schönen Kursanstieg bis knapp 5,60 Euro und zeigt damit mehr als eine Verdoppelung. Kennen Sie noch andere Gründe außer den oben angesprochenen Marketingaufwendungen für den Kursrückgang in den ersten Monaten 2007?

Nein. Wir können natürlich über den Kursverlauf auch nur spekulieren. Ich habe den Eindruck, dass die Aktie gerade ein bisschen durchatmet nach der rasanten Kursentwicklung in den ersten Monaten nach dem Börsengang. Bedenken Sie, dass wir die Aktien im Juli 2006 zu 2,00 Euro angeboten haben. Der erste Kurs lag dann schon bei 2,50 Euro, jetzt bewegt sich die Aktie um die 4,50 Euro. Wer also von Anfang an dabei war, hat schon sehr gutes Geld mit der Aktie verdient.

Was werden Sie tun, um wieder eine gegenläufige Bewegung des Kurses zu initiieren?

Wir konzentrieren uns in erster Linie darauf, unser Geschäft weiter nach vorne zu bringen und nachhaltig Umsatz und Gewinne zu steigern. Dafür sehen wir sehr gutes Potenzial. Unser Unternehmen ist stark positioniert. Bezüglich Transparenz und Kommunikation mit dem Kapitalmarkt sind wir ja schon sehr aktiv. Obwohl wir im Entry Standard gelistet sind, gehen wir deutlich über die dort geforderten Standards hinaus. Wir veröffentlichen seit Beginn der Börsennotierung Quartalsberichte, wir präsentieren das Unternehmen in diesem Jahr auf mindestens vier Analysten- und Investorenkonferenzen. Zudem berichten wir auch zwischen den Quartalsberichten regelmäßig über die aktuelle Geschäftslage und sprechen mit zahlreichen Aktionären sowie der Wirtschaftspresse. Gleichwohl haben wir festgestellt, dass es für Unternehmen im Entry Standard häufig etwas schwieriger ist, die Aufmerksamkeit des Marktes zu erhalten, unabhängig von der Qualität des Unternehmens. Daher denken wir darüber nach, noch in diesem Jahr den Wechsel in den Prime Standard zu vollziehen, um noch breitere Anlegergruppen, auch im Ausland, erreichen zu können.

Haben Sie eine Vorstellung über den fairen Wert der Aktie?

Es wirken ja auch sehr viele externe Faktoren auf eine Aktie, die wir nicht beeinflussen können. GBC hat vor kurzem ein Kursziel von 5,77 Euro ausgegeben. Als Vorstand und Aktionär der Gesellschaft hätte ich sicher nichts dagegen, wenn wir dort bald stünden. Ich wertbetrachte das Ganze aber eher langfristig und arbeite daran, dass die Aktionäre und auch die Kunden in Zukunft noch viel Spaß an unserem Unternehmen und unserer Aktie haben werden.

Gewinngarant Der starke Anstieg in der Zahl der Kundenkonten von gut 30.000 auf über 41.000 in nur einem Quartal hat die Börse bisher gänzlich „kalt gelassen“. Zu Unrecht, denn das Kundenwachstum ist der Garant für künftige Gewinnsteigerungen. Mit knapp 90 Millionen Euro Börsenwert und einem 2008er-KGV von 12 ist die Aktie günstig bewertet – gute Voraussetzungen für steigende Kurse.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 18/2007.

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