- DER AKTIONÄR

"Der Startschuss ist gefallen"

Die aus dem Börsenmantel der BK Grundbesitz hervorgegangene Reinecke + Pohl Sun Energy AG will zu den führenden Solarunternehmen Deutschlands aufschließen.

Die aus dem Börsenmantel der BK Grundbesitz hervorgegangene Reinecke + Pohl Sun Energy AG will zu den führenden Solarunternehmen Deutschlands aufschließen. DER AKTIONÄR sprach mit Vorstandssprecher Martin Schulz-Colmant über die ambitionierten Planungen der Hamburger Projektgesellschaft.

DER AKTIONÄR: Herr Schulz-Colmant, die Reinecke + Pohl Sun Energy (RPSE) ist über den Mantel der BK Grundbesitz an die Börse gegangen. Warum haben Sie nicht den Weg eines klassischen IPOs gewählt?

Martin Schulz-Colmant: Mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wurden die Rahmenbedingungen für den Betrieb von großen Photovoltaikanlagen ab 2004 stark verbessert. Bei der Überlegung, mittels eines Börsenmantels zur Notierung zu gelangen, stand insbesondere der Zeitfaktor im Vordergrund.

Im Gegensatz zu RPSE verfügen die anderen börsennotierten Solarfirmen über eine "gewachsene" Firmenhistorie. Auf welche Erfahrung kann Ihr Team zurückgreifen?

Wir haben den Solarmarkt und die technologischen Fortschritte in den vergangenen Jahren intensiv beobachtet. Aus unserer Sicht war, wie die Geschäftszahlen vieler Solarunternehmen verdeutlicht haben, ein wirtschaftlich erfolgreiches Engagement nicht gegeben. Gleichwohl sind wir seit über zehn Jahren erfolgreich bei der Projektierung und dem Verkauf regenerativer Energieanlagen tätig. Diese langjährigen Erfahrungen sowie das damit einhergehende Know-how kommen uns nun im Solarbereich mehr als zugute.

RPSE ist noch ein unbeschriebenes Blatt, das 2005 bereits 46 Millionen Euro aus der Projektierung von Solaranlagen erlösen will. Ist diese Planung nicht sehr ambitioniert?

Die Planung ist keinesfalls ambitioniert, wenn man über die notwendigen Modulkapazitäten als auch die entsprechende technische Peripherie verfügt. Beides haben wir uns für das laufende Geschäftsjahr und zum großen Teil auch schon für die Folgejahre gesichert. Ein Faktor, den viele in der Branche meines Erachtens unterschätzen, ist die Akquisition qualitativ hochwertiger Dachflächen für die Umsetzung von Photovoltaikanlagen. Aufgrund der von uns in den vergangenen Monaten projektierten Standorte müssen wir nicht auf die weniger ertragreichen Freilandanlagen zurückgreifen.

Wann fällt der Startschuss für die ersten Projekte oder ist bereits mit der Installation von Solaranlagen begonnen worden?

Die Eintragung des Fortsetzungsbeschlusses unserer Gesellschaft am 7. April 2005 ins Handelsregister stellt den Erstkonsolidierungszeitpunkt für unsere eingelegte und operativ tätige Reinecke + Pohl Solare Energien GmbH in die Sun Energy dar. Dieser Zeitpunkt war der wirtschaftliche Startschuss, ab dem wir mit der Realisierung der ersten Solaranlagen begonnen haben.

Mitte April hatten Sie im Nachrichtenmagazin Spiegel angekündigt, dass Sie noch "in dieser Woche den Verkauf des ersten Mega-Watt-Projektes an einen Fonds bekannt geben werden". Das ist bisher nicht geschehen. Was waren die Gründe für die Verzögerung?

Trotz der großen Nachfrage sind die Fondsinitiatoren aufgrund eines kürzlich verabschiedeten Kabinettsentwurfs zum § 15 b Einkommenssteuergesetz gegenwärtig mit der Umstrukturierung ihrer Konzepte beschäftigt, so dass ein Ankauf erst im zweiten Halbjahr zu erwarten ist. Vor diesem Hintergrund wird das genannte Megawatt zurzeit in mehreren kleinen Projekten realisiert. Unsere zukünftigen Megawattprojekte werden wir an in- und ausländische institutionelle Investoren, mit denen wir bereits in der Vergangenheit eng zusammengearbeitet haben, veräußern.

Am 20. Mai haben Sie die Übernahme der Nastro Umwelttechnik bekannt gegeben. Was versprechen Sie sich von dieser Akquisition?

Mit dem Erwerb der Nastro Umwelttechnik GmbH ergänzen wir unser Leistungsspektrum in idealer Weise um den Bereich der Installation und den Vertrieb mittelgroßer Photovoltaikanlagen. Darüber hinaus stärkt diese Akquisition unseren Vertrieb, da Nastro über einen hervorragenden Referenzkundenstamm im Bereich mittelständischer Unternehmen und der Landwirtschaft verfügt. Weitere Akquisitionen schließen wir nicht aus, sofern sie die notwendigen Synergiepotenziale mit sich bringen. Unser Ziel ist es, in kürzester Zeit zu einem der führenden Solarunternehmen in der Branche zu gehören.

Können Sie bereits konkrete Planzahlen für 2005 sowie 2006 nennen?

Durch die Akquisition der Nastro Umwelttechnik, die ab dem zweiten Halbjahr 2005 zu Umsatz und Ergebnis beitragen wird, erhöht sich unsere 2005er-Planung für den Umsatz auf 46 Millionen Euro bei einen EBIT von 3,7 Millionen Euro. Im Jahr 2006 planen wir einen Umsatz von 85 Millionen Euro sowie ein EBIT von 7,6 Millionen Euro. Wir streben damit, auf der Basis des dann neuen Grundkapitals von 3,6 Millionen Euro, einen Gewinn je Aktie von 0,60 Euro in 2005 sowie über 1,00 Euro in 2006 an. Objektiv betrachtet, sind wir somit das aktuell am günstigsten bewertete börsennotierte Solarunternehmen.

Noch fällt RPSE aufgrund des geringen Freefloats und fehlender Research-Studien durch das Raster vieler institutioneller Anleger. Gibt es Überlegungen, diese Investitionshemmnisse zu beseitigen?

Um eine größtmögliche Transparenz für potenzielle Investoren zu erreichen, werden zurzeit mehrere Researchs über unser Unternehmen durchgeführt. Eine erste Studie von SES Research wird Ende des Monats vorliegen. Bezüglich des Freefloats gehe ich davon aus, dass wir noch in diesem Jahr die entsprechenden Kapitalmaßnahmen durchführen werden, die den Streubesitz in den Bereich von 25 bis 30 Prozent bringen werden.

Jetzt müssen Taten folgen

RPSE will in diesem Jahr von null auf hundert durchstarten. Allerdings zeigen sich die Anleger noch skeptisch und gestehen der in Ausgabe 08/2005 empfohlenen Aktie nur ein 2006er-KGV von 10 zu, während andere Solartitel mit Gewinnmultiplen von mehr als 20 gehandelt werden. Lassen die Hamburger ihren Ankündigungen Taten folgen, wird auch die RPSE-Aktie in höhere Kursregionen vorstoßen.

Ein (noch) unbeschriebenes Blatt mit Potenzial.

Reinecke + Pohl Sun Energy

 

ISIN DE0005250708
Kurs am 27.05.2005 10,21€
Empfehlungskurs 9,80€
Ziel 16,00€
Stopp 7,50€
KGV 06e 10
Chance/Risiko 5/4

 

Artikel aus DER AKTIONÄR (22/05).

 

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV