- DER AKTIONÄR

"Der Silberpreis kann sich verdoppeln".

Rohstoffexperte Hubert Roos rechnet mit weiter anziehenden Kursen bei Gold und Silber. Im Interview mit DER AKTIONÄR erläutert er seine Gründe.

Rohstoffexperte Hubert Roos rechnet mit weiter anziehenden Kursen bei Gold und Silber. Im Interview mit DER AKTIONÄR erläutert er seine Gründe.

DER AKTIONÄR: Herr Roos, die Preise für Gold und Silber konnten in den vergangenen Monaten schon gut zulegen. Ist das jetzt der Start zu einer breit angelegten Edelmetallrallye? Oder ist es schon zu spät für einen Einstieg?

Hubert Roos: Im Gegensatz zu Silber konnte Gold sein Hoch aus dem Jahr 2004 vor kurzem überbieten. Silber notiert immer noch deutlich unter seinen Top-Markierungen des vergangenen Jahres, aber aufgrund sehr positiver Nachrichten sollte es nicht mehr allzu lange dauern, bis auch Silber neue Höchststände erreichen wird. Beide Edelmetalle haben in dem vor rund vier Jahren gestarteten Hausse-Zyklus noch einige gute Jahre vor sich, so dass der Zeitpunkt für einen Einstieg keineswegs verpasst ist. Erst jetzt beginnen die Investoren auf breiterer Basis einzusteigen und solange mehr als 90 Prozent der Anleger noch keine physischen Edelmetalle und keine Gold- und Silberaktien gekauft haben, gibt es noch reichlich Potenzial für Kurssteigerungen bei den Metallen und den entsprechenden Papieren.

Welchem Metall trauen Sie mehr Potenzial zu, Gold oder Silber?

Im Jahr 2004 konnte sich Silber besser entwickeln als Gold. Während der Goldpreis um etwa sechs Prozent zulegte, stieg Silber im gleichen Zeitraum um mehr als 15 Prozent. Im Jahr 2005 blieb das weiße Metall deutlich hinter den Erwartungen zurück und konnte keine neuen Höchststände erreichen. Dennoch sehe ich einige Faktoren, die Silber auf mittlere Sicht zu einem interessanteren Investment machen als Gold.

Was sind die Einflussgrößen, die dem Silberpreis Potenzial verleihen?

Der wichtigste Faktor ist die Tatsache, dass die Nachfrage für Silber seit gut 15 Jahren deutlich größer ist als das Angebot. Dieser Trend wird für die nächsten Jahre weiter andauern. Ein weiterer Punkt, der nicht ganz so bekannt, dafür aber um so bedeutender ist, ist die Situation im Investment-Bereich: Für Anlagezwecke steht weitaus weniger Silber als Gold zur Verfügung. Gold wird von vielen Regierungen als Reserve-Währung gehalten, staatliche Silberbestände sind praktisch nicht vorhanden. Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten einmal zwei Milliarden Unzen an Silbervorräten - heute sind diese aufgebraucht und die USA müssen das Silber für ihre Münzprägungen am freien Markt einkaufen! Man muss sich einmal vorstellen, dass sich der gesamte physische Silbermarkt auf rund acht Milliarden Dollar beläuft - das entspricht dem Börsenwert eines mittleren Dax-Unternehmens. Sollten einige potente Investoren größeres Interesse an dem physischen Metall zeigen, würde der Kurs durch die Decke gehen.

Nicht umsonst läuft die Silver Users Association, die Vereinigung der amerikanischen Silberverarbeiter, der beispielsweise Kodak und Dupont angehören, Sturm gegen einen von Barclays Global Investors geplanten Silber-Fonds. Hintergrund: Der weltgrößte Vermögensverwalter hat bei der amerikanischen Aufsichtsbehörde Antrag auf Genehmigung für einen Silber-Fonds eingereicht, bei dem für jeden investierten Dollar die entsprechende Menge an Silber hinterlegt wird. Einen solchen Fonds gibt es bereits für Gold.

Hier wurden in kurzer Zeit 3,4 Milliarden Dollar eingesammelt und in dem Edelmetall investiert. Der Verband der Silber Users fürchtet nun, dass der Barclays-Fonds zu viel Investment-Nachfrage erzeugen würde und dadurch das Silber für die industriellen Anwendungen der Verbandsmitglieder zu teuer würde, weil Versorgungsengpässe entstehen könnten.

 

Was sind die treibenden Faktoren der Goldrallye?

Der Goldpreis wird mittlerweile sehr stark von der privaten Nachfrage nach physischem Gold getrieben. Der Finanzmarkt hat neue Produkte auf Gold entwickelt wie beispielsweise börsengehandelte Fonds, die den Investoren den Einstieg in das Metall erheblich erleichtern, weil es keine Lagerprobleme und keine hohen Transaktionskosten gibt. Die Nachfrage wiederum steigt mit jeder neuen Inflationsmeldung oder mit Schlagzeilen wie "Der Staat ist pleite". Das Vertrauen der Menschen in die Finanzpolitik nimmt immer mehr ab und daher suchen immer mehr Anleger Zuflucht in Gold.

Wo sehen Sie den fairen Preis für Gold, wo für Silber?

Wenn man berücksichtigt, wie stark der Kaufkraftverlust des Dollars und anderer Währungen in den letzten 25 Jahren war, dann müssten Gold und Silber heute um einiges höher bewertet sein. Ich könnte mir vorstellen, dass Gold innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre wieder in die Regionen aufsteigt, wo es 1979 war, also bei 700 bis 800 Dollar. Für Silber bin ich insgesamt noch optimistischer. Aufgrund der speziellen Angebots- und Nachfragesituation rechne ich damit, dass sich der Preis schon innerhalb von ein bis zwei Jahren verdoppeln könnte.

Herr Roos, vielen Dank für das Gespräch.

Artikel aus DER AKTIONÄR (47/05).

 

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