- DER AKTIONÄR

"Der Schlüssel zur Nanowelt"

Die NanoFocus AG hat am 14. November 2005 das Börsenparkett betreten. Ob sich die Erwartungen des Unternehmens erfüllt haben und wie sich die Zukunft gestalten soll, verrät Vorstandschef Dr. Hans Hermann Schreier.

Die NanoFocus AG hat am 14. November 2005 das Börsenparkett betreten. Ob sich die Erwartungen des Unternehmens erfüllt haben und wie sich die Zukunft gestalten soll, verrät Vorstandschef Dr. Hans Hermann Schreier.

DER AKTIONÄR: NanoFocus ist als erstes operativ tätiges Nanotechnologie-Unternehmen in Deutschland im November letzten Jahres an die Börse gegangen. Welche Erfahrungen haben Sie seitdem gemacht?

Dr. Hans Hermann Schreier: Recht unterschiedliche. Auf der einen Seite war die Börsennotiz sehr erfolgreich, der so genannte "First-Mover"-Effekt hat uns bekannter gemacht. Doch aktuell merken wir, dass unser Kontakt zu den Kapitalmarktteilnehmern noch intensiviert werden muss. Denn nur so kann NanoFocus einen Beitrag für die Vermittlung zwischen Börse und Nanotechnologie-Unternehmen leisten. Die noch für viele sehr abstrakte Vorsilbe "Nano" wollen wir mit Leben füllen.

Dabei will NanoFocus einerseits aufzeigen, in welcher konkreten und vielfältigen Gestalt die Nanotechnologie bei Produkten und Anwendungen der Kunden auftritt. Andererseits möchten wir die Phantasie anregen, in welche neuen technischen und wirtschaftlichen Dimensionen dieser fortwährende Trend der Miniaturisierung vom Mikro- in den Nanometerbereich führt.

NanoFocus kann an vielen Beispielen, nicht zuletzt mit ihren Geräten und Systemen zeigen, wie und wo Vision zur Realität wird.

Warum haben Sie sich gegen ein klassisches IPO, jedoch für ein Private Placement vor dem Listing im Entry Standard entschieden?

Wir haben mit der Privatplatzierung und der anschließenden Börsennotiz den für die NanoFocus schnellsten und effizientesten Weg gewählt. Die angestrebte Kapitalerhöhung war so bemessen, dass eine gute Finanzbasis für die kurzfristig anstehende Internationalisierung der Marketing- und Vertriebsaktivitäten geschaffen wurde.

Außerdem spielte auch der Starttermin des Entry Standards eine Rolle. Wir wollten als eines der ersten Unternehmen dabei sein. Da stand die erhöhte Aufmerksamkeit in diesem fokussierten Bereich des Freiverkehrs im Vordergrund - ein zweiter "First-Mover"-Effekt, wenn Sie so wollen.

Wie waren Sie mit dem Börsengang zufrieden?

Die Vorbereitung lief sehr gut. Der Börsengang der NanoFocus wurde auch durch die bereits vorliegende umfangreiche Dokumentation innerhalb des Unternehmens leichter. Wir konnten sehr schnell die notwendigen Unterlagen zusammentragen und ein solides Datenfundament für das Listing liefern. Man hat das Engagement und den Willen aller Beteiligten gespürt.

Das Listing war außerdem, wie erwartet, kostengünstig und schnell. Und das neu geschaffene Marktsegment der Frankfurter Wertpapierbörse, der Entry Standard als Teilbereich im Open Market, entspricht genau unseren Vorstellungen. Aber das Schönste war die Börsennotiz am 14. November, genau zu meinem Geburtstag. "Live" auf dem Parkett zu sein, als der erste Kurs festgestellt wurde. Das hat mich sehr bewegt.

Sie haben kurz vor dem Börsengang, wie schon erwähnt, eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Wie waren die Konditionen?

Das Grundkapital wurde um 20 Prozent von 1,59 auf 1,91 Millionen Euro erhöht. Der Betrag der Stückaktien war auf elf Euro festgesetzt.

Ist eine weitere Kapitalerhöhung in Planung?

Durch die Privatplatzierung haben wir 3,5 Millionen Euro eingesammelt. Mit diesen Mitteln wollen wir hauptsächlich die internationalen Vertriebsaktivitäten sowie das Marketing auf- und ausbauen. Insofern ist eine weitere Kapitalerhöhung kurzfristig nicht notwendig. Der Börsengang hat allerdings den Zweck, bei entsprechenden Wachstumschancen rechtzeitig die hierfür erforderlichen finanziellen Mittel bereitstellen zu können, um das Wachstum zu realisieren.

Können Sie das Geschäftsmodell von NanoFocus kurz skizzieren?

NanoFocus produziert 3-D-Oberflächenanalysetools, die wir auch selbst vertreiben. Kernbestandteil der 3-D-Oberflächenanalysetools, die sowohl im Laborbereich als auch in der fertigungsnahen Prozesskontrolle eingesetzt werden, sind optische Verfahren. Damit erzielen wir Auflösungen bis in den einstelligen Nanometerbereich. Neben der mikrogeometrischen Untersuchung - etwa Form, Kontur und Ebenheit - sowie der Rauheitsanalyse werden vor allem strukturelle, topologische Eigenschaften moderner Funktionsflächen bewertet.

NanoFocus bietet in verschiedenen Bereichen Lösungen an. Dazu gehören Medizintechnik, Automotive oder Public Safety, um nur einige zu nennen. Unsere Kunden kommen derzeit vorwiegend aus der Automobil- und Elektronikindustrie. Das sind große, global operierende Unternehmen. Daneben rüsten wir aber auch Forschungseinrichtungen sowie junge Firmen der Nano- und Mikrotechnologie aus.

Ihre Kunden sparen also durch den Einsatz der Analysesysteme eine Menge Geld?

Unsere Kunden profitierten auf sehr unterschiedliche Weise von der NanoFocus-Technologie. Das Entscheidende ist aber: Mit unseren Geräten und Systemen werden sie überhaupt erst in die Lage versetzt, im Nanometerbereich zu arbeiten. Die Analysetools von NanoFocus sind quasi der "Schlüssel" zur Nanowelt.

Mit unseren Systemen können Forscher ihre Ergebnisse sicher beurteilen und die Industrie kann die Qualität von Produkten und Prozessen sichern. So werden Fehler vermieden und der Ausschuss verringert. Da schlummert ein riesiges Einsparpotenzial. Ebenso kann man indirekte Folgeschäden vermeiden. Rückrufaktionen aufgrund mangelnder Qualität von kritischen Bauteilen schaden nicht nur dem Image, sie sind auch sehr teuer. Wenn Sie das alles zusammenzählen, ja, dann können unsere Kunden mit NanoFocus-Technologie viel Geld sparen.

Aber es gibt noch einen anderen Bereich, von dem wir alle profitieren. Durch die Analysetools von NanoFocus, integriert in Maschinen unserer Kunden, werden im Sicherheitsbereich durch die einmalige NanoFocus "Finger Print"-Technologie gerichtsfeste Beweise erzielt. Damit tragen wir aktiv zur öffentlichen Sicherheit bei. Das lässt sich in Zahlen gar nicht ausdrücken.

NanoFocus hat im Geschäftsjahr 2005 knapp über drei Millionen Euro umgesetzt. Schreiben Sie bereits schwarze Zahlen?

Für 2005 sind wir gerade dabei den Geschäftsbericht vorzubereiten, da müssen wir also noch etwas abwarten. Schauen wir uns das Jahr davor an. Das EBITDA, als Vergleichsgröße für Hightech-Unternehmen, ist für 2004 positiv. Nach HGB verzeichneten wir nach Abschreibungen allerdings noch einen Verlust.

Mit welchem Umsatz und Ergebniszahlen rechnen Sie in diesem Jahr?

Wir vollziehen dieses Jahr einen Paradigmenwechsel. Wir werden uns stärker auf den aktiven internationalen Vertrieb konzentrieren. Wir wollen weg von der reinen Anfragenbearbeitung. NanoFocus wird mehr und mehr komplette Lösungen für konkrete Aufgabenstellungen anbieten. Mit dieser Strategie sollten wir beides, Umsatz und Ertrag, steigern können. Wir setzen insbesondere in den Ausbau des Original Equipment Manufacturer (OEM)-Geschäfts große Erwartungen.

Verfügt NanoFocus über genügend liquide Mittel, um gegebenenfalls Übernahmen tätigen zu können?

Übernahmen stehen zurzeit nicht an.

Sie zählen schon heute namhafte Unternehmen wie Thyssen- Krupp, BMW und Siemens zu ihren Geschäftspartnern. Wie sehen Ihre weiteren Ziele aus?

Das wichtigste Ziel ist die Erweiterung des internationalen Vertriebs. Dazu bauen wir das US-Geschäft über unsere eigene Tochtergesellschaft NanoFocus, Inc. in Richmond aus. Ebenso bedeutend ist die Vertiefung des bestehenden Kundengeschäfts. Wir richten für unsere namhaften Kunden, wie Bosch oder Alcoa, Key Accounts ein. Darüber hinaus planen wir weitere Innovationen zur Leistungssteigerung der NanoFocus-Analysetools sowie zur Erschließung neuer Kundengruppen.

Herr Dr. Schreier, vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen zum Unternehmen erhalten Sie unter: www.nanofocus.de

 

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