FLUXX AG
- DER AKTIONÄR

"Der Konkurrenz weit voraus"

Das Bundeskartellamt hat den Boykott von gewerblichen Lottospielvermittlern durch die Lottogesellschaften als rechtswidrig eingestuft. Der nun erreichten Rechtssicherheit im Bereich des stationären Vertriebs von Lotterieprodukten steht die nach wie vor unklare Situation im Segment Sportwetten gegenüber. DER AKTIONÄR hat bei Rainer Jacken, Vorstandschef der betroffenen Fluxx AG nachgehakt.

Das Bundeskartellamt hat den Boykott von gewerblichen Lottospielvermittlern durch die Lottogesellschaften als rechtswidrig eingestuft. Der nun erreichten Rechtssicherheit im Bereich des stationären Vertriebs von Lotterieprodukten steht die nach wie vor unklare Situation im Segment Sportwetten gegenüber. DER AKTIONÄR hat bei Rainer Jacken, Vorstandschef der betroffenen Fluxx AG nachgehakt.

DER AKTIONÄR: Die Entscheidung des Bundeskartellamts hat der Fluxx-Aktie wieder Rückenwind verliehen. Was bedeutet die Entscheidung für Fluxx?

RAINER JACKEN: Diese Entscheidung bedeutet für uns, dass wir unser Geschäft fortführen und weiter ausbauen können. Das Kartellamt hat klargestellt, dass wir das Recht auf unserer Seite haben und dass die Organisation des Lotteriewesens in Form eines Kartells, das Marktteilnehmer wie Fluxx an der Ausübung ihrer Dienstleistung hindert, eindeutig rechtswidrig ist.

Sind die zum 31. Dezember 2006 erfolgten Kündigungen der Lottogesellschaften Brandenburg sowie Schleswig-Holstein jetzt hinfällig?

Ja; das Bundeskartellamt hat explizit klargestellt, dass die Kündigungen unwirksam sind. Auch wenn die Kündigungen als „ordentliche Kündigungen“ verpackt waren, hat das Kartellamt dies vor dem Hintergrund des Boykotts als Umgehungstatbestand angesehen.

Befürchten Sie nun steigende Konkurrenz im stationären Vertrieb?

Die Tür ist offen für alle. Es gibt keine „Lex Fluxx“, vielmehr ist die Entscheidung des Bundeskartellamts eine Entscheidung für den freien Wettbewerb. Aber wenn Mitbewerber an den Markt kommen, müssen sie eine Anbindung an eine Lottogesellschaft haben und ich gehe davon aus, dass Lotto kein Interesse daran hat, andere Wettbewerber zuzulassen. Zudem sind die Markteintrittsbarrieren sehr hoch, technische Anforderungen und Sicherheitsaspekte müssen berücksichtigt werden. Diesen Schritt haben wir bereits getan, haben schon etliche Partner vertraglich an uns gebunden, verfügen mit 150 Outlets bereits über einen stationären Vertrieb und wollen diesen bis Ende 2007 auf 2.000 Stellen ausweiten.

Der deutsche Lotto- und Totoblock hat Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt. In der nächsten Instanz dürfte sich dann der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen. Befürchten Sie eine Hängepartie für Fluxx?

Nein, denn die Einsprüche des Deutschen Toto- und Lottoblocks beim OLG haben ja keine aufschiebende Wirkung. Das ist für uns entscheidend. Zudem gibt es eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 1999, als der Lottoblock schon einmal versucht hat, gewerbliche Spielvermittler in Ihrer Tätigkeit zu verhindern. Im Fall Faber hat der BGH jedoch festgestellt, dass dieses Verhalten rechtswidrig war. Und warum sollte der BGH in diesem Fall anders entscheiden?

Starken Gegenwind von staatlicher Seite verspüren Sie auch im Geschäftsfeld Sportwetten. Wie geht es mit MyBet.com weiter?

Wir haben unsere Hauptaktivitäten zunächst ins europäische Ausland verlagert, insbesondere in die Märkte Griechenland, Tschechien, Spanien und Österreich. In Deutschland machen wir jedoch weiterhin Geschäft. Ich glaube ohnehin nicht, dass wir hier in Deutschland ein Sportwettenmonopol bekommen. Hier hat auch die europäische Kommission noch ein Wörtchen mitzureden. Der Liberalisierungsprozess ist nicht mehr aufzuhalten.

Trotzdem werden die Investitionen zunächst das Ergebnis belasten. Wird Fluxx im laufenden Jahr schwarze Zahlen ausweisen können?

Wir haben ein ausgeglichenes Ergebnis angekündigt. Die Frage, die sich nun stellt: Wollen wir unbedingt schwarze Zahlen schreiben oder lieber Geld in die Hand nehmen, um die Zukunft zu gestalten? Je mehr stationäre Vertriebsstellen wir haben, desto begehrter sind wir als Kooperationspartner, zum Beispiel für ausländische Lotterien, die auf den deutschen Markt drängen. Unser Ziel ist es, das größte zusammenhängende Vertriebsnetz für Glücksspielprodukte in Deutschland aufzubauen. Wir sind nicht nur First Mover, sondern sogar weit vor den anderen.

Fazit

Nach der ersten Euphorie hat sich der Kursverlauf der Fluxx-Aktie wieder beruhigt. Der nun durch die Entscheidung des Bundeskartellamtes erreichten Rechtssicherheit im Bereich des stationären Vertriebs von Lotterieprodukten steht die nach wie vor unklare Situation im Segment Sportwetten gegenüber. Da auch in den kommenden Wochen ein volatiler Kursverlauf zu erwarten ist, spekulieren risikobereite Anleger auf ein Schließen des jüngsten Kursgaps und platzieren im Bereich von 4,30 Euro ein Abstauberlimit.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 37/2006.

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