- DER AKTIONÄR

"Das Potenzial liegt vor uns"

DER AKTIONÄR sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden der Postbank, Prof. Dr. Wulf von Schimmelmann, über die mögliche Übernahme von BHW und andere Wachstumsperspektiven.

DER AKTIONÄR sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden der Postbank, Prof. Dr. Wulf von Schimmelmann, über die mögliche Übernahme von BHW und andere Wachstumsperspektiven.

DER AKTIONÄR: Herr Prof. Dr. von Schimmelmann, seit März ist die Postbank mit 9,2 Prozent an BHW beteiligt. Noch scheint jedoch unklar, ob Ihr Unternehmen die zweitgrößte deutsche Bausparkasse komplett übernehmen wird. Was gibt es Neues?

Prof.Dr. von Schimmelmann: Das Vorgehen im Verkaufsprozess bestimmen die Eigentümer. Wir können uns immer nur auf deren Zeitplan einstellen. Wir sind aber in der Lage, schnell und flexibel zu agieren, wenn der Verkaufsprozess angestoßen wird.

Ist es richtig, dass die Postbank die Bausparkasse nur ohne die Tochter AHBR kaufen würde? Oder könnten Sie sich auch vorstellen, BHW komplett zu übernehmen?

Wir wollen nach wie vor kein AHBR-Risiko übernehmen. Die Postbank verfügt seit Jahren über die gleichen Kernkompetenzen, wie zum Beispiel ein Emissionsprivileg für gedeckte Schuldverschreibungen. Da macht es keinen Sinn, zusätzlich in dieses Segment zu investieren.

Inwieweit könnte Ihrer Meinung nach die Postbank von einer Akquisition der BHW profitieren?

Wir schätzen an BHW die Vertriebskraft und die Stärke im Baufinanzierungsgeschäft. Aber natürlich haben wir noch zahlreiche Fragen, die erst während des Verkaufsprozesses beantwortet werden können.

In welchen Geschäftsbereichen könnte sich die Postbank noch verstärken?

Wir haben immer zwei Stoßrichtungen: Das Retailbanking und das Transaction Banking. Hier wollen wir uns gerne verstärken. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir uns eines Tages in verwandten Märkten nach Möglichkeiten umschauen werden, wo und wie wir mit unserem Modell Fuß fassen können. Vorrang hat allerdings, unsere inländische Position weiter auszubauen.

Wie gut ist die Postbank auf eine Übernahme eigentlich vorbereitet? Wie sieht die Kapitalbasis/-struktur aus?

Sehr gut. Wir haben sie in den vergangenen Monaten konsequent weiter ausgebaut.

Derzeit steht nicht nur bei der Postbank das Thema Übernahme im Fokus, sondern auch in der gesamten deutschen Bankenlandschaft. Wäre die Postbank nicht auch ein mögliches Übernahmeziel oder Fusionspartner? Wie stehen Sie dem gegenüber? Schließlich haben Sie erklärt, dass Fusionen dringend notwendig wären, damit man endlich über international starke Kreditinstitute verfüge.

Wir sind jederzeit offen für eine aktive Rolle bei der Konsolidierung der Bankenlandschaft. Aber es sind zwei Eckpfeiler, die für uns maßgeblich sind: Gesellschaftsrechtlich die dauerhafte Mehrheitsbeteiligung der Deutschen Post und strategisch eine Stärkung hinsichtlich unseres Geschäftsmodells. Das Beispiel Unicredit/HVB zeigt, was sich mit sinnvollen Möglichkeiten zur nationalen Konsolidierung und dem richtigen Geschäftsmodell erreichen lässt.

Auf Ihrer Hauptversammlung wurde gesagt, dass der hiesige Markt noch Chancen biete. Wie wird die Postbank davon profitieren?

Wir haben im letzten Jahr 890.000 neue Kunden hinzugewonnen. Dabei hat uns die Aufmerksamkeit rund um unseren Börsengang sehr geholfen. Auch dieses Jahr werden wir in nennenswerter Größenordnung wachsen. Das zeigt, dass wir unsere Chancen nutzen. Glücklicherweise liegt aber noch deutliches Potenzial vor uns.

Werden Sie das Transaction Banking in der Zukunft auch für weitere Banken als Deutsche Bank und Dresdner Bank übernehmen?

Wir wollen das Geschäft in zwei Richtungen entwickeln: Wir sind ebenso daran interessiert, weitere Kunden zu gewinnen wie auch für die bestehenden Kunden mehr Services zu übernehmen.

Wird die Postbank von einem einheitlichen europäischen Zahlungsverkehr profitieren?

Die EU-Kommission arbeitet ja an Richtlinien zur Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrs. Der Zahlungsverkehr gehört zu unseren Kernkompetenzen - siehe Übernahme der Arbeiten für Deutsche und Dresdner Bank. Als starker Anbieter mit hervorragender technischer Plattform und verfügbaren Kapazitäten werden wir davon tendenziell profitieren.

Wie schafft es die Postbank, die Eigenkapitalrendite vor Steuern sowie die Aufwandsquote im klassischen Bankgeschäft zu verbessern?

Das ist eine Frage beider Stellschrauben, der Erträge ebenso wie der Kosten. Durch unser starkes Neukundengeschäft und den immer besseren Ausbau bestehender Kundenverbindungen mache ich mir bei den Erträgen wenig Sorgen. Und auf der Kostenseite sind wir gerade dabei, nochmals alle Kosten zu überprüfen und unsere Kostenkultur weiter zu schärfen.

Bei Schwäche kaufen!

Bei der Postbank läuft es rund: Im ersten Quartal steigerten die Bonner sowohl den Umsatz als auch den Gewinn im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um über 15 Prozent. Die starke Geschäftsentwicklung spiegelt sich auch im Verlauf des Aktienkurses wider, der in den letzten Monaten nur den Weg nach oben kannte. Das KGV von 12 auf Basis der Schätzungen für 2006 lässt mittelfristig dennoch weiteren Spielraum nach oben. Unterstützend dürfte dabei auch die Übernahme von BHW wirken, die dem Wert eine zusätzliche Portion Wachstumsfantasie verleihen würde. Die Aktie ist ein grundsolides Investment, das sich vor allem für Anleger mit mittel- bis langfristiger Strategie eignet. Nach dem starken Kursanstieg der letzten Monate sollten jedoch vor einem Einstieg Kursrücksetzer abgewartet werden.

Artikel aus DER AKTIONÄR (28/05).

 

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