Tesla
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

"Alles-muss-raus-Panik" bei Tesla: Sind diese neuen Model-3-Zahlen der Grund?

Zunächst hatten Tesla-Fans auf die Vorstellung des Model Y gehofft, doch mit der Ankündigung massiver Preisnachlässe beim Model 3, Model X und S hatten die wenigsten gerechnet. Die Aktie reagiert deutlich negativ, Trader warten weiterhin den Bruch der 320-Dollar-Marke ab. Elektroauto-Fans feiern die günstigeren Preise, doch Investoren sind verunsichert: Ist eine zu schwache Nachfrage und Auslastung der Grund für die neuen Preise? Jetzt veröffentlichte Zahlen von insideevs zeigen, dass offenbar im Februar in den USA nur noch 5.750 Model 3 ausgeliefert wurden. Im Januar waren es immerhin noch geschätze 6.500. Zum Vergleich: Da viele Kunden noch die auslaufende Förderung nutzen wollten, wurden im Dezember "erstaunliche" 25.250 Model 3 ausgeliefert. Dieser Einbruch ist eine Steilvorlage für Shortseller Mark Spiegel (der bisher viel Geld mit seinen Shorts verloren hat):

Doch Insideevs blickt auch nach vorne und erwartet durch den Start des 35.000-Dollar-Model-3 wieder eine massive Steigerung der Nachfrage. Das Model 3 in der gestern verkündeten Standard-Version kommt in "bis zu sechs Monaten" auch nach Europa. Die Nachfrage nach diesem gelungenen Elektroauto zu diesem niedrigeren Preis wird gewaltig sein - auch weil die europäischen Hersteller nichts vergleichbares entgegensetzen können. "Das ist der Tod der deutschen Autoindustrie", so ein Tesla-Fan. Doch was den Autokäufer freut, muss nicht immer auch den Anlegern gefallen. Der Preis des 35.000-Dollar-Autos sind wohl sinkende Margen. Auch weil Elon Musk gestern auf Einmalbelastungen durch Entlassungen - viele Tesla-Offline-Shops werden geschlossen - hinwies, wird im ersten Quartal wohl ein Verlust ausgewiesen. Der Wortlaut: “Given that there is a lot happening in Q1, and we are taking a lot of one time charges, there are a lot of challenges getting cars to China and Europe, we do not expect to be profitable in Q1. We do think that profitability in Q2 is likely.”

Trader warten weiter ab. Zumal selbst Morgan Stanley skeptisch auf die Preissenkungen (im Schnitt 6 Prozent auf alle Modelle) reagiert. Die Bären hätten mit diesen News nun mehr "Stoff zu arbeiten" als die Tesla-Bullen.

Das Basismodell wird nur eine Reichweite von 350 Kilometer haben, die teuerste Version fährt bis zu gut 520 Kilometer mit einer Akkuladung.

Die Bären sehen darin eine Reaktion auf eine schwächere Nachfrage nach den teueren Varianten. Auch die Marge wird wohl leiden, was Elon Musk selbst angedeutet hatte. Die Bullen hingegen freuen sich auf noch mehr Verkaufsvolumen, die Eroberung des Massenmarktes und verweisen auf zwischenzeitliche Senkungen der Kostenbasis, was auch hier eine deutliche Bruttomarge ermöglichen würde. Die Auslieferungen sollen schon in "zwei bis vier Wochen" starten. 

 Kurz vor 23 Uhr MEZ wurde auf der Tesla-Homepage die Bestellmöglichkeit für das Model 3, X und S abgeschaltet. Stattdessen der Hinweis, dass das "Warten gleich vorbei ist". 

 

 

Baird tippte schon vorher: Es könnte der Verkaufstart des 35.000-Dollar-Model-3 sein - was den Analysten zufolge die Stimmung der Anleger heben dürfte. Ohnehin seien Sorgen über die Stärke der Nachfrage überzogen, so Baird. Tatsächlich wird eine weitere Senkung des Einstiegspreises weltweit viele Kunden freuen. DER AKTIONÄR hat bereits sein Model 3 erhalten - und das Fahrverhalten ist wirklich beeindruckend!

Fest steht schon jetzt: Elon Musk hat die Autobranche mit seiner Elektroauto-Pionierrolle umgekrempelt. Auch in einem anderen Sektor ist er mit seinem Bekenntnis für den Cannabis-Konsum Vorreiter einer Revolution. Jüngst wurde die komplette Legalisierung in Kanada erreicht! Auch in mehreren US-Bundesstaaten formieren sich solche Bewegungen. Hier lesen Sie mehr zur Depot-Aufnahme eines Geheimtipp, den „Mercedes der Branche“ , der gerade erst entdeckt wird.

Zwischen 320 und 330 Dollar verlaufen wichtige Widerstände, der eingezeichnete kurzfristige Abwärtstrend - zudem steht noch die Eroberung der 38- und 200-Tage-Linien aus. Vorsichtige Trader warten ab, ob die Aktie nachhaltig über 320 Dollar steigt.

 

Es ist nicht das einzige Datum, welches Tesla-Anleger derzeit im Blick behalten müssen. Bloomberg zufolge wurde Elon Musk nun eine Deadline bis zum 11. März eingeräumt, um sich gegenüber der SEC zu seinem umstrittenen 500.000-Autos-Tweet zu äußern. Die Fronten sind verhärtet. "Ich möchte ganz klar sagen: Ich respektiere die SEC nicht", sagte Musk etwa 2018 gegenüber dem Sender CBS. 

Elon Musk hat die SEC jüngs erneut gegen sich aufgebracht, weil er zu offensiv getwittert hat. Seine Reaktion darauf? Ein weiterer, respektloser Tweet gegen die US-Börsenaufsicht: 

 

Frei übersetzt beschwert sich Musk, dass mit der SEC-Aufsicht ewas "nicht in Ordnung" sei. Die Börsenaufsicht SEC fordert gerichtliche Maßnahmen weil er gegen Auflagen eines Vergleichs verstoßen habe. Das geht aus einem Antrag hervor, den die SEC beim Gericht in Manhattan eingereicht hat.

Der Hintergrund: Elon Musk sorgte vor einer Woche auf Twitter wieder einmal für Irritationen. Zunächst hatte er geschrieben, dass man 2019 "rund 500.000" Autos bauen will - was Medien wie Bloomberg begeistert aufgegriffen hatten. Doch einige Stunden später die Richtigstellung des Tesla-Chefs: "Ich meinte eine annualiserte Produktionsrate Ende 2019, die wahrscheinlich bei 500.000 Autos oder 10.000 pro Woche liegen wird. Das Auslieferungziel für 2019 liegt weiterhin bei rund 400.000." Dies wäre dennoch ein bemerkenswertes Wachstum von über 60 Prozent gegenüber dem Niveau von 2018.

 

Folgende Grafik zeigt, dass der Absatz von Tesla (obwohl die Firmenbewertung bereits das Niveau der großen Autohersteller erreicht) dennoch noch hinter den Auslieferungen von BMW, Daimler und Co zurückliegt. Doch Tesla verkauft bisher hochpreisige und innovative Elektroautos, während klassische Hersteller 2018 erst 1,4 Prozent ihrer Flotte elektrifiziert haben. Bis 2025 dürften jedoch einige Premiumhersteller bis zu 25 Prozent ihrer Autos ebenfalls mit Batterieantrieb anbieten.

 

Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Tesla.

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